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Bilbao und San Sebastian

Nach 14 Tagen in der spanischen Provinz trafen wir in Bilbao ein. Die Stadt überrollte und überforderte besonders mich erst einmal mit voller Wucht. Enge Straßen, enge Bürgersteige, viel Verkehr, viele Touristen, puuhhhh, echt stressig nach der Ruhe in der Nordspanischen Provinz.
Überall auf der Straße brodelt das Leben. In der Neustadt unweit des Guggenheim Museums, mit ihren wundervollen Gründerzeitbauten finden sich ganz viele hippe Lokale, in denen und vor denen gut gekleidete Leute sitzen und stehen, mit Vino oder Cerveza in der Hand, posieren, quatschen um zu sehen und gesehen zu werden, während die dicken SUVs und teuren Karossen durch die Straßen kurven und keine Parkplätze finden. Sehr geleckt, sehr geschleckt und viel Schickeria… das ist für mich Bilbao, auch nach vier Tagen hat sich dieser Eindruck nicht verändert. Auch der nicht, dass die Menschen hier nicht so offen und herzlich sind wie in all den anderen Orten, in denen wir bisher waren. Wir dachten erst, das wäre vielleicht die baskische Mentalität, aber in San Sebastian, 100km weiter und immer noch Baskenland, änderte sich das wieder und die Menschen begegneten uns wieder wie zuvor: Offen, freundliche, herzlich.


Das Highlight Bilbaos ist natürlich das Guggenheim-Museum. Oft schon auf Fotos oder im Fernsehen gesehen ist der Bau in natura doch viel imposanter und beeindruckender als ich ihn mir vorgestellt hatte. Wirklich eines schönsten Gebäude, das ich kenne. Das von Frank Gehry entworfenen Gebäude hat maßgeblich den Begriff des Bilbao-Effekts mit begründet, auch wenn das nicht ganz richtig ist.

Bis in die 1990er Jahre war Bilbao ein Industriezentrum mit Eisenhütten, chemischer Industrie und dem größten Hafen des Landes aber auch der höchsten Schadstoffbelastung der Luft in Spanien und weiten Teilen Europas. Die Politik hat konsequent gehandelt und ein umfassendes Stadterneuerungskonzept aufgelegt. Die größten Verschmutzer wurden geschlossen, der Hafen weiter flussabwärts aus der Stadt hinaus und ein Stadterneuerungsprogramm aufgelegt. Das Guggenheim Museum war einer der Eckpfeiler, aber daneben durfte sich gefühlt jeder Stararchitekt in Bilbao mit einem Projekt verewigen. So durfte der Argentinische Architekt Cesar Pelli (der u. a. die Petronas Tower in Kuala Lumpur entworfen hat) das neue Stadtviertel Abandoibarra nahe dem Guggenheim-Museum und dem Museum der Schönen Künste entwerfen. Santiago Calatrava durfte die weiße Fußgängerbrücke Zubizuri entwerfen und den Flughafen umbauen, Javier Manterola die Euskalduna-Brücke bauen. Norman Foster durfte an der Erweiterung der U-Bahn arbeiten, Philippe Starck ein Kultur- und Sportzentrum gestalten und Zaha Hadid auf einer Halbinsel im Fluss ein völlig neues Wohnviertel aufbauen. Dazu Milliardeninvestitionen in Infrastruktur… All das macht den heute berühmten Bilbao-Effekt aus und machte Bilbao zu der Stadt, die es heute ist.

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Spaniens wilder, grüner, weißer Norden

Von Santander aus fuhren wir weiter die grüne, wilde, überall schon (Anfang/Mitte März) blühende Nordküste Spaniens entlang. Santillana del Mar, Comillas, San Vicente de la Barquera, Potes, Llanes, waren die nächsten Stationen. Mitte März ist die Natur hier schon so weit, wie bei uns erst Ende April, Anfang Mai. Die Mandelbäume und Magnolien blühen, die Wiesen sind weiß von Gänseblümchen oder gelb vom Löwenzahn. Die Temperaturen hier liegen laut Wetter-App sogar immer ca. 2 Grad über denen von Barcelona. Damit hätte ich hier im „hohen“ Norden von Spanien nicht gerechnet. Erwartet hatte ich eher viel Regen und Temperaturen um die zehn Grad.
Von San Vincente de la Barquera ging es dann nach Potes in den Nationalpark Picos de Europa mit seinen bis zu 2600m hohen Bergen. Blühende Bäume und 20 Grad im Tal, Schnee auf den Bergen.
Eigentlich wollten wir weiter rein in die Picos zum Wandern, aber der Wetterbericht für die weiteren Tage sagte null bis sechs Grad und Regen für die Gegend, in der wir wandern wollten voraus, was und dann doch sehr unattraktiv erschien. So musste Plan B her. Gijon… angeblich nicht soo spannend, Oviedo… ja, vielleicht.

Aber dann stießen wir auf Avilés. Avilés? Who the fuck is Avilés? Noch nie was von gehört, aber die Beschreibung lies sich spannend. Man solle sich nicht abschrecken lassen von den Ausläufern der Stadt, die aus Industrieruinen und unschönen Wohngebieten besteht, aber mit einer kleinen, schönen Altstadt im Zentrum aufwarten kann. Das hörte sich nach einer Stadt an, die noch nicht durchgentrifiziert und von Touristenmassen überlaufen ist, also fuhren wir hin und wir wurden nicht enttäuscht.
Vor vielen Jahren schon der Zusammenbruch der Stahlindustrie, Arbeitsplatzverluste, Niedergang, Armut, Arbeitslosenquote heute noch um die 20% (Jugendarbeitslosigkeit angeblich über 30%), das sind Eckdaten von Avilés, trotzdem empfing uns eine Stadt voller offener, freundlicher und lebenslustiger Menschen, am Meer gelegen, der Strand nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt finden wir das die Stadt viel Lebensqualität hat.

Niedergang, oder schon Aufbruch? Diese Frage ist in Avilés schwer zu beantworten. Einerseits massig Immobilien zum Verkauf, zu Quadratmeterpreisen ab 800 Euro, andererseits aber ein paar moderne Cafés, die man auch in Berlin finden könnte und ein paar tolle, gute Restaurants, wie z. B. das Ronda14, welches der Ableger eines Restaurants in Madrid ist und wirklich gute, innovative Küche anbietet, ohne dabei überkandiedelt oder abgehoben zu sein. Wir waren so begeistert, dass wir alleine deswegen mal wieder kommen würden.
Dem Niedergang hat Avilés u. a. versucht mit dem Centro Niemeyer entgegenzuwirken. Der brasilianische Stararchitekt Oscar Niemeyer hat ein futuristisches und wirklich tolles Kulturzentrum entworfen, welches 2011 eröffnet wurde. Gehofft hat man in Avilés wohl auf den berühmten Bilbao-Effekt, der aber leider ausgeblieben ist. An Wochentagen ist man oft ganz alleine im Centro. Man muss natürlich berücksichtigen, dass Bilbao damals viel mehr gegen den Niedergang getan hat, als nur ein Museum zu bauen.

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Hipsterfrei, uncool und ein wenig bieder

Wie ich sie hasse, diese Städte, die irgendwann, irgendwer mal als cool, hip und „the place to be“ ausgerufen hat. Wenn man dann durch diese Städte, bzw. Teile dieser Städte geht (in Berlin z. B. Prenzelberg und Mitte) fühle ich mich schier erdrückt von den Leuten, die sich nur deshalb schon für in und hip halten, weil sie in Berlin wohnen, die ihre eigene, scheinbare, oftmals eingebildete Wichtigkeit vor sich hertragen, dass ich gar nicht so viel fressen kann, wie ich gern kotzen würde (ist nicht von mir, sondern von Max Liebermann, wie allgemein bekannt ist).

Dazu Touristenmassen, die natürlich auch all diese „Places to be“ bereisen müssen, egal ob diese nun Berlin, Venedig, Dubrovnik, Amsterdam, Barcelona, Rom, etc. heißen. Overtourism ist der neue Begriff, die Seuche, die viele dieser Städte heimsucht und die mir schon lange die Freude am Städtetourismus genommen hat, obwohl ich ja selber seit fast 30 Jahren im Tourismus arbeite und davon lebe.

Und dann reise ich im März nach Santander. Spaniens Norden, außerhalb der Saison und ich treffe auf eine reizende Stadt am Meer. Es fehlen die absoluten Highlights, welche die Touristenmassen anziehen, dafür aber gibt es viel Charme, Lebensfreude, schöne Stränden, Uferprommenaden und ein wundervolles lebendiges Stadtzentrum, das nicht verkommen ist zu einem „Disneyland“ für Touristen nur noch bestehend aus Souvenir- und Kitschläden, Cafés und Restaurants, sondern bevölkert ist von Menschen die dort arbeiten und leben.

Keine Touristenmassen, ja nicht mal Kleingruppen von Touristen um diese Jahreszeit. In drei Tagen Santander nicht ein Wort englisch, deutsch, oder sonst eine andere Sprache als Spanisch gehört. Nette Bars und Restaurants, freundliche, lebensfrohe Menschen, das ist Santander.

Auch sonst ist Santander wohl nicht sehr sexy, denn die Zahl der Einwohner ist in den letzten Jahren leicht rückläufig. Also nix für Hipster und solche die sich dafür halten.

Echt uncool und wirklich ein wenig bieder. Aber ich gestehe: Ich liebe „ein wenig bieder“, denn es macht das Leben und das Sein sehr angenehm und entspannt, zumindest hier in Santander!

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Kurztrip

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Berlinale 2019

Zwei tolle Filme gesehen.

Mein Lieblingsfilm: God exists – her name ist Petrunya. Ganz starke Story, tolle Kamera und eine fantastische Hauptdarstellerin.

Auch sehr schön und angeblich ein absoluter Favorit für den Bären: So long, my Son.

Ein Film aus der Katgegorie „Filme, die die Welt nicht braucht: „Répertoire des villes disparues – Ghost Town Anthology“


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Und dann kam der Regen

Und dann kam der Regen… Endlich.
Nur Nelly war es egal, die ließ sich einfach weiter streicheln.

 

 

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Münster – Stadtrundgang und LWL Museum

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Spaziergang am ICC Berlin

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In die Ritzen kann man Zettel mit Wünschen und Gebeten stecken

Jerusalem

Nach fünf Tagen Tel Aviv fuhren wir dann noch 1 1/2 Tage nach Jerusalem. Die Zeit reicht natürlich nicht aus um sich ein Bild von der Stadt zu machen. Was sofort auffällt: Die Stadt ist nervöser als Tel Aviv. Jeder Stein ist Religion und Geschichte und genau so geht es im historischen Zentrum auch zu.

Yad Vashem
Yad Vashem ist die weltweit größte Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust und dessen wissenschaftliche Aufarbeitung
Unser israelischer Reiseleiter erzählte uns einen weiteren Sinn dieser Gedenkstätte, den ich (auch als Atheist) aus spiritueller Sicht sehr anrührend fand. Damit die Seele gen Himmel auffahren und Frieden finden kann ist es für Juden wichtig nach dem Tod in Erde bestattet zu werden und nie wieder bewegt zu werden. Gräber müssen ewig bestehen und Einebnungen, Neubelegungen sind im jüdischen Glauben absolut tabu. Yad Vashem soll der Ort sein, wo all die ermordeten, vergasten, verbrannten Seelen der Holocaustopfer sich sammeln können um Frieden zu finden und gen Himmel aufzusteigen. (sollte das jetzt sachlich nicht ganz korrekt, liegt das an meiner sinngemäßen Wiedergabe).

In Yad Vashem gibt es neben einem Museum mehrere Denkmäler. Die zwei Stunden, die uns zur Verfügung standen waren einfach zu kurz um alles zu sehen.

Das Tal der Gemeinden war sehr imposant. Ein ca. ein Hektar großes Felsental in dem auf Steintafeln den ca. 5000 Gemeinden gedacht wird in denen jüdisches Leben ganz oder Teilweise vernichtet wurde. Man läuft durch einen Irrgarten aus Stein und Fels, der einen schier zu erdrücken scheint. 

Das Denkmal zu Erinnerung an die Deportierten ist ein Eisenbahnwaggon über einen Abgrund und die Gleise enden im Nichts.

Das Denkmal für die Kinder war ein unterirdischer Ort. Am Eingang hingen die Porträts von wunderhübschen kleinen Kindern. Im Inneren ein stockdunkler Raum in dem nur fünf Kerzen brennen. Über verschieden Spiegel wird deren Lichtschein so oft reflektiert, dass aus diesen nur fünf Kerzen ein ganzer Sternenhimmel entsteht. Dazu läuft Totenmusik und von einem Endlosband werden die Namen, das Alter und der Geburtsort der 1,5 Mio. von den Nazis ermordeten Kinder vorgelsen. Ein Durchlauf des Bandes dauert ca. drei Monate.
Viele Leute kamen weinend aus disem Denkmal. Selbst wenn es sich eigentlich verbietet, ob der Monströsität des Verbrechens, fand ich es ein wenig zu effekthascherisch. Aber gut gelungen, gut umgesetzt und Zweck erreicht!

Die Klagemauer in Jerusalem

Die Klagemauer ist 48 Meter lang und 18 Meter hoch und der Rest der Westmauer des ehemaligen Zweiten Tempel von Jerusalem und stellt für viele Juden den ewig bestehenden Bund Gottes mit dem Volk dar. Viele Besucher stecken Zettel mit Wünschen, Gebeten, Danksagungen in die Ritzen.
Männer und Frauen dürfen nicht gemeinsam an die Klagemauer, sondern sind durch einen Zaun getrennt, an dem sich die Familien dann (z. B. bei Zermemonien) treffen.

Die Grabeskirche in Jerusalem

Der Ort, der mich als Atheisten am meisten fasziniert hat. Der Anblick von ekstatisch, verrückten Menschen im Angesicht der vermeintlichen Reliquien ist für mich als Atheist sehr „seltsam“. Irgendwie musste ich immer an Monty Pythons „Life of Brian“ denken. Sorry, aber ich kann nicht anders!
Die drei wichtigsten Reliquien der Grabskirche sind der Golgatafelsen, wo Jesus angeblich gekreuzigt wurde, der Salbungstein, wo Jesus nach seinem Tod gewaschen und gesalbt worden sein soll und das Grab Jesu, welches am nächsten Tag leer war.

Zur Tel Aviv Seite >>>>

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