Vietnam Rundreise von Ho-Chi-Minh-City nach Hanoi

Vietnam! Viel hatten wir im Vorfeld über Vietnam gehört und nur Gutes, nur Superlative, dementsprechend gespannt waren wir auf das was uns erwarten würde.

Wir bereisten Vietnam 6 Wochen, kamen im Ho-Chi-Minh-City an und flogen von Hanoi zurück.

Ich spare es mir hier die üblichen Sehenswürdigkeiten abzuarbeiten, die man überall und in jedem Reiseführer nachlesen kann. Ich schildere unsere persönlichen Eindrücke und Empfindungen, die natürlich subjektiv und nicht repräsentativ sind.

Es gibt so viel zu sehen in Vietnam, dass sechs Wochen einfach nicht ausreichen auch nur halbwegs das zu sehen, was man alles gerne sehen und besuchen würde. Wir reisten ohne festen Plan und ließen uns treiben und entschieden kurzfristig, was wir tun würden, ob wir länger an einem Ort bleiben würden (was regelmäßig passierte) oder schnell weiterreisen würden.

Leider ist es in Vietnam nicht einfach so möglich als Ausländer ein Auto zu mieten, was das Reisen etwas kompliziert macht, da man immer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist und somit immer dort ankommt, wo alle anderen auch schon angekommen sind.
Allerdings kann man Mopeds und Motorräder mieten. Ich würde, sollte ich nochmals nach Vietnam reisen auf jeden Fall ein Motorrad mieten und Vietnam dann mit dem Motorrad machen, statt ständig auf Bussen rumzugurken.
Ich fahre auf Reisen einfach gerne los und entscheide dann unterwegs spontan wo ich bleibe oder anhalte, weil es hier eben gerade schön ist. Mit dem Bus geht das natürlich nicht, da muss man vorher entscheiden von wo nach wo man fährt und dann fahren die Busse immer die Hauptstraßen entlang und nicht die Küsten-, Berg-, Nebenstraßen wo man viel mehr sieht und die Landschaft viel schöner ist.

Ho-Chi-Ming-Stadt – Saigon

Ho-Chi-Minh-City unsere erste Station ist eine moderne Großstadt und hat uns (jetzt rückblickend) auch besser gefallen als Hanoi, von dem aber alle Leute so schwärmen.

Warum? Schwer zu sagen, ist einfach so ein persönliches Gefühl. Moderner, westlicher, kreativer empfanden wir es und weniger „Touristenabzocke“.

Impressionen aus Ho-Chi-Minh-Stadt

Ho Chi Minh City by night

Eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Vietnam: Fotos in traditionellen Kostümen. Hier vor dem Wiedervereinigungspalast in Ho-Chi-Minh-Stadt

 

Can Tho – Mekong Delta

Nach 4 Tagen Ho-Chi-Minh-City fuhren wir mit dem Bus nach Can Tho ins Mekong Delta.
Ich glaube um den Mekong, das Mekong Delta wirklich zu erleben, zu spüren, zu erfahren muss man eine mehrtägige Kreuzfahrt machen. Bei irgendwelchen Tagesausflügen kann man die Macht dieses Stromes und die Dimensionen des Deltas einfach nicht spüren, nicht erfahren. Schade für uns!
Der Fluss ist extrem verschmutzt. Das Plastik unserer Zivilisation ist überall. Mehrmals mussten wir anhalten und unsere Bootsführerin musste die Schiffsschraube ihres Außenborders, die von Plastik blockiert war, wieder gangbar machen.

Was in fast allen Städten Vietnams sehr „auffällig“ ist, man muss nur ein paar hundert Meter von den Touristenpfaden abweichen und schon ist man in einer anderen Welt. In Can Tho erlebten wir das das erste Mal auf der Suche nach einer Apotheke. Diese war ca. 500 m vom Zentrum entfernt. Wir mussten eine Hauptstraße überqueren und plötzlich waren wir in einem Stadtviertel mit ganz vielen kleinen Geschäfte, Straßenrestaurants und kaum noch Touristen. In den Reiseführern stand von dem Viertel nicht, in denen steht halt überall dasselbe und deshalb latschen alle auf den selben Pfaden.

 

Da Nang

Da Nang, welches wir von Can Tho aus mit dem Flugzeug ansteuerten ist mit seinem internationalen Flughafen ein großes Touristenzentrum, mit vielen, großen Hotels. Chinesen, Inder, Südkoreaner bilden die größten Touristengruppen. Kein Ort für einen ruhigen Urlaub, eher Costa Brava und El Arenal. Trotzdem waren wir hier 6 Tage, mieteten ein Moped und erkundeten die Gegend. Wir wechselten nach drei Tagen auch das Hotel und mieteten uns in einem wunderschönen, etwas kleinerem Hotel am Fluß ein. Weg von den Bettenburgen am Strand. Das vermutlich schönste (und auch teuerste) Hotel auf unserer Reise.

 

Hoi An – angeblich die schönste Stadt Vietnams

Hoi An…. Die angeblich schönste Stadt Vietnams.
Für uns fällt diese allerdings unter die Rubrik „muss man einmal gewesen zu sein, um dann nie wieder hinfahren zu müssen“. Touristenmassen schieben sich durch die Gassen, die ganze Innenstadt ist ein einziger Touristennepp.
Wir trafen eine Touristin, die 14 Jahre zuvor schon mal hier war und völlig geschockt war. Sie sagte, sie erkennt nichts wieder und sie fände es total schrecklich. Vor 14 Jahren gab es tatsächlich noch viele Werkstätten und Künstlerateliers, welche vor Ort arbeiteten und ihre Produkte verkauften. Heute ist Hoi An eine Ansammlung von Souvenirläden, Cafés und Restaurants.

Wir haben wieder mal ein Moped gemietet und wenn man nur 5 km aus Hoi An rausfährt ist man in einer anderen Welt. Es wird viel ruhiger, die Zahl der Touristen sinkt dramatisch fast gegen Null und plötzlich steht man mitten in Reisfeldern und inmitten der Reisfelder gibts ein kleines Café mit bezaubernden Betreibern, wo man fast alleine ist.

 

Vinh Hoa

Nach all dem Trubel, nach Menschenmassen, Lärm, Verkehr wollten wir unbedingt ein paar Tage ausspannen. Ein Strand mit wenig Touristen war unsere Idee. Schwer ohne Auto, nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Also ein wenig Recherche im Netz und wir fanden einen kleinen Ort 40 km von Quy Nonh. In dem es ein paar km Strand gab aber nur genau 2 Unterkünfte Eine davon buchten wir dann. Es wurde eines der Highlights unseres Urlaubs!

Ein kleines Fischerdorf an einem ca. 4 km langem Strand gelegen. Es gibt in dem Fischerort keinen Supermarkt nur ein paar kleine „Suppenküchen“ und Miniläden, wo die Leute quasi aus der Wohnung heraus das nötigste verkaufen.

Unsere Unterkunft bestand aus 5 Zimmern, direkt am Strand und eine Familie kümmerte sich um das Wohl der Gäste. Ein Hauch von Paradies.
Der Strand direkt vor dem Fischerort war überschwemmt mit Dreck, Müll und Unrat, während die restlichen 3 km südlich des Ortes recht sauber waren. Wir verlängerten den Aufenthalt auch spontan um einen Tag und bliebe 4 Tage, weil es einfach sooo erholsam, ruhig und schön war.

 

Die alte Kaiserstadt Hue

Von Quy Nonh aus ging es dann mit dem Zug nach Hue, der alten Kaiserstadt. Entgegen unseren Erwartungen und Erfahrungen in Hoi An, war es hier viel angenehmer. Natürlich auch viele Touristen, aber nicht so überlaufen, nicht so voll, nicht so unangenehm wie in Hoi An. Hue würde ich auf jeden Fall wieder besuchen, käme ich nochmal nach Vietnam. Kulturell hat die Stadt und das Umland so viel zu bieten. Wir mieteten zwei Motorräder mit Fahrer und Guide und ließen uns ein wenig die Grabstätten und Tempel des Umlandes zeigen. Das war wirklich schön und sehr entspannt, kann ich jedem nur empfehlen.

Die Umgebung von Hue mit ihren Kaisergräbern und anderen Sehenswürdigkeiten

 

Von Hue ging es per Flugzeug nach Hanoi, wo wir drei Nächte blieben und danach für 3 Tage/ 2 Nächte eine Kreuzfahrt in der Ha Long und Lan Ha Bucht machten. Landschaftlich ein absoluter Traum, wenn auch total überlaufen. Die meist besuchte Sehenswürdigkeit Vietnams.

Ha Long Bay – Lan Ha Bay

Von Halong dann nach Ninh Binh, respektive Tam Coc. Wir blieben mal wieder zwei Tage länger als ursprünglich geplant, mussten leider das Hotel wechseln, weil das erste wegen der Neujahrs Feiertage schloss. Beide male hatten wir Unterkünfte außerhalb des Ortes, beide sehr schön, sehr ruhig und mitten in einer wunderbaren Landschaft.

Ninh Binh – Tam Coc

Neujahrsfest!! Eigentlich wollten wir ja noch nach Ban Gioc zu den berühmten Wasserfällen an der chinesischen Grenze. Aber das Land steht still. Ich hätte das nie geglaubt. Dieses laute, überfüllte, lebendige Land steht plötzlich still. Leere Straßen, Ruhe, kein Lärm, kein Treiben, die Märkte min. 4 Tage lang geschlossen. Unglaublich.
Leider fanden wir auch keinen einzigen Bus um von Ninh Binh nach Ban Bioc zu kommen.

Also hieß es umplanen. Vielleicht nochmal ein paar Tage an einen Strand? Wir suchten ein wenig im Internet, befragten KI, wo es denn in der Nähe Strände gäbe.
Der Norden von Vietnam ist kein „Strandparadies“, außerdem ist es Winter in Norden von Vietnam. Der nächste schöne, tropische Strand wäre ca. 350km südlich von uns, was uns aber zu weit war. Als Sommerbadeort der Vietnamesen fanden wir aber Sam Son nur ca. 60 km entfernt. Also nix wie los und hin. Wir buchten ein Hotel direkt am Strand und fuhren mit einem Grab (das asiatische Uber) Richtung Sam Son.
Als wir ankamen waren wir erstmal echt „überrascht“ um es vorsichtig auszudrücken. Unser Hotel lag zwar faktisch noch in Sam Son, allerdings in einem Vorort ca. 8 km vom Zentrum. Mitten in einem Neubaukomplex, einer Gated Community gelegen, welche man martialisch mitten in den dörflichen Vorort gepflastert hatte. 10 Hektar groß, einige hundert Apartments, ein zweites riesen Hotel… ABER alles leer, verwaist. Manche Gebäude noch gar nicht ganz fertiggestellt, andere hatten schon die ersten Verfallserscheinungen. Auch im Hotel schien außer uns kein weiterer Gast zu sein. Ein wenig gespenstisch, aber wir nahmen es mit Humor. Keine Menschen, Geisterstadt…. Das bedeutet ja auch „endlich mal wieder Ruhe“!

Das Hotel war total schön, erst vor wenigen Monaten eröffnet, direkt am Strand, das Personal sehr freundlich und wir fühlten uns wirklich wohl.

Wir nahmen uns dann zwei Fahrräder vom Hotel und erkundeten ein wenig die Gegend und versuchten auch was zu essen und trinken zu bekommen, trotz Neujahrsfeiertag. Wir fuhren also aus der „künstlichen Areal“ raus in Vorort von Sam Son und wir waren im wirklichen Vietnam. Ein Vietnam ohne Touristen. Wir fanden einen kleinen Lebensmittelladen von der Sorte, wo die Betreiber leben wo sie arbeiten und arbeiten wo sie leben, wie man ihn aus vielen anderen Ländern Afrikas, Asiens, Südamerikas auch kennt. Wir kauften was zu essen und zu trinken und aus der Nachbarschaft kamen Kinder gelaufen um zu staunen welche „seltsamen“ Ausländer sich da gerade „verlaufen“ haben.
Danach fuhren wir noch deine Stunde durch den Ort, der sich mehrere Kilometer am Meer entlang hinzog. Fast überall waren die Haustüren offen und die Menschen feierten mit Familie Neujahr. Wenn sie uns sahen kamen sie aus den Häusern winkten uns zu und wünschten uns „Happy New Year“.

 

Da das Zentrum von Sam Son wirklich weit war fragten wir an der Rezeption ob es eine Motorroller Vermietung in der Nähe gäbe. Gab es nicht, außerdem ist ja Neujahr. Eine der Rezeptionistinnen bot uns aber ihren Motorroller an, den wir für 2 Tage gerne haben könnten. Bezahlt wollte sie dafür nicht werden. Wir nahmen das Angebot gerne an, natürlich nur unter der Bedingung, dass wir ihr den Preis bezahlen würden, den wir auch bei einer Vermietung bezahlen müssten. Und so waren wir dann etwas mobil und konnten die Gegend erkunden. Selbst im Zentrum von Sam Son waren alle Geschäfte geschlossen nur einige Restaurants und Streetfoods waren geöffnet. Viele Hotels waren geschlossen, weil keine Saison ist und die Straßen waren auto-und menschenleer. Nur am Tempel herrschte Andrang und reges Treiben, man geht Neujahr in den Tempel und opfert ein paar Sachen um im Neuen Jahr Glück und Gesundheit zu haben.

Und… wir waren die einzigen Touristen. Wir haben in den drei Tagen in Sam Son genau zwei andere Touristen getroffen. Eine Orte wo ich mich wirklich in Vietnam fühlte und nicht in einem internationalen Touristenzentrum. Für mich war Sam Son einer der schönsten Momente Vietnams.

Hanoi

Von Sam Son gings dann die letzten Tage nochmal zurück nach Hanoi.

Hanoi… viel gelobt, viel gepriesen, für mich/uns eine große Enttäuschung. Eine große Touristenfalle. Das touristische Zentrum ist eine Ansammlung von Touristenläden, die alle die selben Sachen zu völlig überzogenen Preisen verkaufen. Wir nannten das Zentrum nur „rip-off-street“. Wir wollten noch ein paar Einkäufe tätigen und hatten uns das für die letzte Station, für Hanoi aufgehoben, weil wir die Einkäufe nicht die ganze Zeit mitschleppen wollten. Aber hier waren alle Sachen viel teurer als z. B. in Ninh Binh.

Wie wir nach 2 Tagen aber schnell feststellten reicht es auch in Hanoi wenn man nur ca. 500m aus dem Zentrum rausgeht und schon sinkt die Touristendichte dramatisch und man ist mehrheitlich von Einheimischen umgeben. Die meisten Touristen sind offensichtlich 2-3 Nächte in Hanoi und haben weder die Zeit, noch die Muse die Stadt außerhalb des Touristenzentrums zu erkunden. Zum Glück, möchte ich sagen, so kann man den Massen auch leicht entgehen.

Nur ein Beispiel: Es gibt die berühmte Eisenbahnbrücke Càu Long Bien, über den Roten Fluß welcher Hanoi teilt. Die Brücke selber ist schon nicht mehr sehr von Touristen frequentiert, aber die wenigen die kommen, machen ihre Instagramfotos und gehen wieder. Wir liefen die ca. 2 km über die Brücke und waren „in einer anderen Welt“. Normale Stadtviertel, normale Geschäfte, Straßenmärkte ohne einen einzigen Touristen. Es war toll!! Das waren die Momente in denen ich Vietnam liebte.

Eisenbahnbrücke über den Roten Fluss auf die „andere Seite“ von Hanoi

Fazit unserer Vietnam Reise

Mein Fazit nach 6 Wochen Vietnam und nachdem ich mit (wieder zurück zu Hause) mit Menschen sprach die mal in Vietnam lebten, oder Vietnamesen, die bei uns in Europa leben.

Vietnam ist auf jeden Fall eine Reise wert. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit, das Essen ist toll, es ist für europäische Verhältnisse preiswert, Kriminalität ist kein Thema. Ein tolles, entspanntes Reiseland.

Wer allerdings nach Vietnam fährt und erwartet das alte typische Indochina zu finden, wird (wie wir auch) ein wenig enttäuscht sein und/oder erschrecken. Vietnam ist ein aufstrebendes Land, es ist voll, es ist laut, es ist massig Verkehr, es wird viel gebaut, viel investiert, es hat Massentourismus. Vietnam ist vielleicht das „Mallorca“ von Indien, China, Korea und die beliebten Strände und Badeorte sind überlaufen und werden, wenn sie es nicht schon sind, mit Hotelburgen zugepflastert. Einsame, schöne tropische Strände muss man immer mehr suchen und sie werden immer seltener.

Ein Manko (für mich) wie schon erwähnt das „Transportproblem“. Immer nur mit Bussen überall dorthin fahren, wo alle anderen auch schon sind. Nächstes Mal auf jeden Fall ein Motorrad mieten und selbständig und autonom reisen.

Die Verständigung ist schwierig. In den Touristenzentren, den Hotels, etc. sprechen natürlich fast alle Leute englisch. Außerhalb wird es schwierig. Wir haben so viele interessante Dinge gesehen und hätten so viele Fragen gehabt. „Warum macht Ihr das so?“, „Was macht Ihr da gerade?“, „Wie funktioniert dieses und jenes bei Euch?“, und, und, und. Aber selbst mit der Übersetzungs App ist eine Kommunikation die über das gewohnte, alltäglich hinausgeht schwierig. Ich weiß nicht ob die Übersetzung nicht gut ist, oder die Menschen nicht verstehen was man meint. Das ist ein wenig schade, denn ich hätte so gerne, so viel mehr über Vietnam aus erster Hand erfahren.

 

Was hatte ich nicht alles über Marokko gehört im Vorfeld unserer Reise. Von Superlativen bis “nie wieder“ war alles dabei. So war ich wirklich gespannt, was mich erwarten würde.
Ursprünglich wollte ich ja nur sieben Tage mit Beduinen durch die Wüste wandern und wieder nach Hause fliegen. Nach einem kurzen Blick in einen Reiseführer und der Feststellung, dass es so viel zu sehen gibt wurden dann 23 Tage daraus mit dem Ausgangs- und Endpunkt Marrakesch.

Nach 14 Tagen in der spanischen Provinz trafen wir in Bilbao ein. Die Stadt überrollte und überforderte besonders mich erst einmal mit voller Wucht. Enge Straßen, enge Bürgersteige, viel Verkehr, viele Touristen, puuhhhh, echt stressig nach der Ruhe in der Nordspanischen Provinz.
Überall auf der Straße brodelt das Leben. In der Neustadt unweit des Guggenheim Museums, mit ihren wundervollen Gründerzeitbauten finden sich ganz viele hippe Lokale, in denen und vor denen gut gekleidete Leute sitzen und stehen, mit Vino oder Cerveza in der Hand, posieren, quatschen um zu sehen und gesehen zu werden, während die dicken SUVs und teuren Karossen durch die Straßen kurven und keine Parkplätze finden. Sehr geleckt, sehr geschleckt und viel Schickeria… das ist für mich Bilbao, auch nach vier Tagen hat sich dieser Eindruck nicht verändert. Auch der nicht, dass die Menschen hier nicht so offen und herzlich sind wie in all den anderen Orten, in denen wir bisher waren. Wir dachten erst, das wäre vielleicht die baskische Mentalität, aber in San Sebastian, 100km weiter und immer noch Baskenland, änderte sich das wieder und die Menschen begegneten uns wieder wie zuvor: Offen, freundliche, herzlich.


Das Highlight Bilbaos ist natürlich das Guggenheim-Museum. Oft schon auf Fotos oder im Fernsehen gesehen ist der Bau in natura doch viel imposanter und beeindruckender als ich ihn mir vorgestellt hatte. Wirklich eines schönsten Gebäude, das ich kenne. Das von Frank Gehry entworfenen Gebäude hat maßgeblich den Begriff des Bilbao-Effekts mit begründet, auch wenn das nicht ganz richtig ist.

Bis in die 1990er Jahre war Bilbao ein Industriezentrum mit Eisenhütten, chemischer Industrie und dem größten Hafen des Landes aber auch der höchsten Schadstoffbelastung der Luft in Spanien und weiten Teilen Europas. Die Politik hat konsequent gehandelt und ein umfassendes Stadterneuerungskonzept aufgelegt. Die größten Verschmutzer wurden geschlossen, der Hafen weiter flussabwärts aus der Stadt hinaus und ein Stadterneuerungsprogramm aufgelegt. Das Guggenheim Museum war einer der Eckpfeiler, aber daneben durfte sich gefühlt jeder Stararchitekt in Bilbao mit einem Projekt verewigen. So durfte der Argentinische Architekt Cesar Pelli (der u. a. die Petronas Tower in Kuala Lumpur entworfen hat) das neue Stadtviertel Abandoibarra nahe dem Guggenheim-Museum und dem Museum der Schönen Künste entwerfen. Santiago Calatrava durfte die weiße Fußgängerbrücke Zubizuri entwerfen und den Flughafen umbauen, Javier Manterola die Euskalduna-Brücke bauen. Norman Foster durfte an der Erweiterung der U-Bahn arbeiten, Philippe Starck ein Kultur- und Sportzentrum gestalten und Zaha Hadid auf einer Halbinsel im Fluss ein völlig neues Wohnviertel aufbauen. Dazu Milliardeninvestitionen in Infrastruktur… All das macht den heute berühmten Bilbao-Effekt aus und machte Bilbao zu der Stadt, die es heute ist.

Von Santander aus fuhren wir weiter die grüne, wilde, überall schon (Anfang/Mitte März) blühende Nordküste Spaniens entlang. Santillana del Mar, Comillas, San Vicente de la Barquera, Potes, Llanes, waren die nächsten Stationen. Mitte März ist die Natur hier schon so weit, wie bei uns erst Ende April, Anfang Mai. Die Mandelbäume und Magnolien blühen, die Wiesen sind weiß von Gänseblümchen oder gelb vom Löwenzahn. Die Temperaturen hier liegen laut Wetter-App sogar immer ca. 2 Grad über denen von Barcelona. Damit hätte ich hier im „hohen“ Norden von Spanien nicht gerechnet. Erwartet hatte ich eher viel Regen und Temperaturen um die zehn Grad.
Von San Vincente de la Barquera ging es dann nach Potes in den Nationalpark Picos de Europa mit seinen bis zu 2600m hohen Bergen. Blühende Bäume und 20 Grad im Tal, Schnee auf den Bergen.
Eigentlich wollten wir weiter rein in die Picos zum Wandern, aber der Wetterbericht für die weiteren Tage sagte null bis sechs Grad und Regen für die Gegend, in der wir wandern wollten voraus, was und dann doch sehr unattraktiv erschien. So musste Plan B her. Gijon… angeblich nicht soo spannend, Oviedo… ja, vielleicht.

Aber dann stießen wir auf Avilés. Avilés? Who the fuck is Avilés? Noch nie was von gehört, aber die Beschreibung lies sich spannend. Man solle sich nicht abschrecken lassen von den Ausläufern der Stadt, die aus Industrieruinen und unschönen Wohngebieten besteht, aber mit einer kleinen, schönen Altstadt im Zentrum aufwarten kann. Das hörte sich nach einer Stadt an, die noch nicht durchgentrifiziert und von Touristenmassen überlaufen ist, also fuhren wir hin und wir wurden nicht enttäuscht.
Vor vielen Jahren schon der Zusammenbruch der Stahlindustrie, Arbeitsplatzverluste, Niedergang, Armut, Arbeitslosenquote heute noch um die 20% (Jugendarbeitslosigkeit angeblich über 30%), das sind Eckdaten von Avilés, trotzdem empfing uns eine Stadt voller offener, freundlicher und lebenslustiger Menschen, am Meer gelegen, der Strand nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt finden wir das die Stadt viel Lebensqualität hat.

Niedergang, oder schon Aufbruch? Diese Frage ist in Avilés schwer zu beantworten. Einerseits massig Immobilien zum Verkauf, zu Quadratmeterpreisen ab 800 Euro, andererseits aber ein paar moderne Cafés, die man auch in Berlin finden könnte und ein paar tolle, gute Restaurants, wie z. B. das Ronda14, welches der Ableger eines Restaurants in Madrid ist und wirklich gute, innovative Küche anbietet, ohne dabei überkandiedelt oder abgehoben zu sein. Wir waren so begeistert, dass wir alleine deswegen mal wieder kommen würden.
Dem Niedergang hat Avilés u. a. versucht mit dem Centro Niemeyer entgegenzuwirken. Der brasilianische Stararchitekt Oscar Niemeyer hat ein futuristisches und wirklich tolles Kulturzentrum entworfen, welches 2011 eröffnet wurde. Gehofft hat man in Avilés wohl auf den berühmten Bilbao-Effekt, der aber leider ausgeblieben ist. An Wochentagen ist man oft ganz alleine im Centro. Man muss natürlich berücksichtigen, dass Bilbao damals viel mehr gegen den Niedergang getan hat, als nur ein Museum zu bauen.

Man sagt, dass Tel Aviv die israelischste Stadt Israels ist. Nicht die jüdischste, das sicher nicht, aber die israelischste!

13. März 2017, mein privates Handy klingelt, eine unbekannte Rufnummer wird im Display angezeigt. Ich melde mich und irgendjemand, den ich nicht kenne erzählt mir was, das ich nicht verstehe. Ich frage den Anrufer, ob er denn sicher sei mit der richtigen Person zu sprechen.
„Sind Sie denn nicht Herr Titz, der am 20.3. eine Fahrt als Passagier auf einem Frachtschiff gebucht hat?“
„Ja natürlich, das bin ich, dann sind Sie richtig bei mir, sorry ich stand gerade auf dem Schlauch!“
Am Telefon war Herr von Puttkamer, Kapitän des Containerschiffes Henrike Schepers, auf der ich ab 20.3. von Rotterdam nach Hull und zurück fahren werde. Damit, dass mich der Kapitän persönlich anruft hatte ich natürlich nicht gerechnet, da die gesamte Abwicklung sonst über eine Reiseagentur lief. Kapitän von Puttkamer bat mich ihm eine Kopie meines Passes per Mail zukommen zu lassen, da er jede Person, die auf seinem Schiff fährt den Behörden vorab melden muss.
Der Kapitän informiert mich, dass die Henrike Schepers laut Plan am 17.3. gegen 16:00 Uhr in Rotterdam einlaufen soll und ich dann auch gleich an Bord kommen könne. Er würde mich aber ungefähr zwei Stunden vor Einlaufen nochmal anrufen und mir Bescheid geben, da sich die Zeiten immer noch kurzfristig um ein bis zwei Stunden nach vorne verschieben könnten. Wenn ich noch Fragen hätte, darf ich ihn über diese Handynummer jederzeit anrufen.

 

Ich hatte irgendwann im Herbst 2016 die Idee auf einem Containerschiff mitzufahren, dabei zu fotografieren und eine kleine Reportage zu machen. Wie ich schon erwartet hatte gestaltete sich das sehr schwierig. Ich schrieb mehrere Reedereien und Reiseagenturen an, die Mitfahrgelegenheiten auf Frachtschiffen im Angebot hatten. Aber beim Thema Fotografieren und Reportage war dann meist Schluss. „Erlauben wir nicht“, „Mit Journalisten haben wir schlechte Erfahrungen gemacht“, oder einfach keine Antwort, waren die Reaktionen. Einzig die Agentur für Frachtschiffreisen Pfeiffer machte mir Hoffnung, allerdings erst wieder 2017, weil jetzt im Winter keine Passagiere mitfahren könnten. Zu schlechtes Wetter, zu gefährlich. Die Fahrtrouten und Pläne für 2017 gibt es aber so lange im Voraus noch nicht, so dass man mir jetzt aktuell nichts anbieten kann. Ich soll mich gerne im Frühjahr 2017 nochmal melden, wenn die neuen Pläne und Routen vorliegen, was ich dann, allerdings ohne viel Hoffnung auf Erfolg, im Februar auch tat. Erfreulicherweise konnte mir die Agentur aber tatsächlich die Mitfahrgelegenheit bei einer Reederei anbieten, die nichts gegen fotografieren an Bord hatte. Fast entschuldigend teilte man mir mit, dass es sich dabei aber „nur“ um eine Fahrt von Rotterdam nach England und zurück handelt. Aber die Route war mir ja egal, mir ging es ja um die Fahrt an sich, nicht um eine „tolle“ Route. So landete ich bei Kapitän von Puttkamer und der Henrike Schepers und fuhr am 16.3.2017 mit dem Zug von Berlin nach Rotterdam.

 
Am 17.3. gegen 12:00 ruft Kapitän von Puttkamer wie versprochen an und teilt mir mit, dass die Henrike Schepers bereits um 14:30 einlaufen wird und ich dann jederzeit an Bord kommen darf.

 

Ich bestelle ein Taxi mit Hafenberechtigung für 14:00 Uhr in mein Hotel, welches mich erst zum Immigration-Office und dann in den Hafen an die Pier direkt bis ans Schiff bringt. Dieser Service kostet 40 Euro, aber ich bin froh, diesen in Anspruch genommen zu haben. Rotterdam ist der größte Hafen Europas, hat die Ausmaße einer Stadt. Das Immigration-Office ist irgendwo im Hafens ca. 15 Fahrminuten von dem Pier entfernt an dem mein Schiff anlegt. Hätte ich das alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln machen müssen, wäre ich wohl ewig unterwegs gewesen. So bin ich vom Hotel in ca. 45 Minuten am Schiff, inkl. dem Abstecher zur Immigration.
 


 
Als ich ankomme hat die Henrike Schepers gerade eben erst fest gemacht und die Gangway ist noch nicht heruntergelassen. So warte ich einige Minuten bis zwei Seeleute die Gangway installiert haben und ich an Bord gehen kann und von Kapitän von Puttkamer empfangen werde. Eine kurze Einweisung, Besuch und Vorstellung beim Deckoffiziers, der auf der Henrike Schwpers auch gleichzeitig der Erste Offizier ist und sein Büro direkt am Eingang des Schiffes hat. Danach bringt mich der Kapitän zu meiner Kajüte und lässt mich dort fürs erste zurück, da er jetzt nach dem Einlaufen noch ein paar Dinge zu erledigen hat. Wenn er damit fertig ist will er mich für einen Rundgang durchs Schiff abholen. Ich darf mich aber gerne schon auf dem Schiff frei bewegen und gerne auch auf die Brücke kommen, nur das Frachtdeck ist tabu, da dort gerade entladen wird und dies ohne Einweisung und Sicherheitsausrüstung nicht betreten werden darf. Da ich noch total fremd bin und mich gar nicht auskenne, entscheide ich ich in der Kajüte zu bleiben und zu warten bis ich zum Rundgang abgeholt werde. Aus meinen Fenstern kann ich dann schon mal das Entladen beobachten.
 
Rotterdam: Größter Hafen Europas, ein Ort der niemals schläft. 365 Tage im Jahr 24 Std. am Tag permanente Geschäftigkeit ohne Pause.
 


 
Die riesigen Kräne, die wie große Spinnen über uns und das Schiff hinweggleiten bewegen Container hin und her, pausenlos ohne Unterbrechung, Tag und Nacht. Jeder dieser Kräne schafft es bis zu 35 Container pro Stunde zu bewegen. Zwei Kräne gleichzeitig fertigen zeitweise die Henrike Schepers ab. Maximal können bis zu vier Kräne gleichzeitig an einem Schiff der Größe der Henrike Schepers laden und entladen. An den großen 400m-Containerfrachtern können bis zu 8 Kräne parallel arbeiten, so dass das Be- und Entladden so eines Riesenschiffes am Ende nicht länger dauert als das, der mit 131m relativ kleinen Henrike Schepers. Jeder Kran be- und entlädt parallel mehrere Schiffe und zusätzlich auch noch die LKWs, welche die Container anliefern und abholen. Ein ausgeklügeltes Computersystem in der Frachtzentrale entscheidet, welcher Kran, welchen Container von wo nach wo bewegt. Der Computer weiß genau wo welcher Container steht und welche Container evtl. schon mal von unten nach oben umsortiert werden müssen. Für mich als menschlicher Beobachter sieht das Ganze irgendwie planlos aus, wobei natürlich genau das Gegenteil der Fall ist: Ein hoch effizientes System! Wo früher mal tausende Arbeiter damit beschäftigt waren Schiffe zu be- und entladen reichen heute, im Containerzeitalter, eine handvoll Leute in den Kränen und in der Ladezentrale des Hafens.
 


 
Die Kranführer bekommen von Computern die genaue Anweisung wo sie welchen Container holen müssen, und wo sie den dann abzustellen haben. Der Kranführer ist „nur“ dafür verantwortlich den entsprechenden Container dann zentimetergenau in die vorgesehenen Halterungen zu stellen. Danach wird er gesichert und evtl. ans Stromnetz angeschlossen, falls es ein Kühlcontainer ist. Das Sichern der Container wird auf der Henrike Schepers nicht von einem externen Dienstleister durchgeführt, sondern von den meist philippinischen Seeleuten des Schiffes selbst gemacht. Diese werden dafür extra bezahlt und können so ihre Heuer verbessern und mehr Geld verdienen, weshalb sie „froh“ sind das machen zu können, obwohl das wohl der härteste Job an Bord ist. Immer in Bewegung, die schweren Sicherungsstangen an den Containern anbringen… ganz harte, körperliche Arbeit, ein echter Knochenjob. Und trotz diesen harten Bedingungen sind diese Seeleute von den Philippinen und auch Tomás von den Kapverden (als einziger der einfachen Seeleute, der nicht von den Philippinen kommt) immer gut drauf, haben immer ein Lachen im Gesicht und freuen sich über jede Begegnung und jedes Gespräch. Echt beeindruckend. Die Stimmung an Bord ist ganz offensichtlich hervorragend und egal mit wem von den einfachen Seeleuten ich spreche, alle erzählen mir wie toll es auf diesem Schiff ist und wie gerne sie mit Kapitän von Puttkamer fahren.
 


 
Ungefähr 12 Stunden dauert das be- und entladen, viel länger, als ich mir das vorgestellt hatte. Ich dachte in ein paar Stunden wäre das erledigt. Die Henrike Schepers kann bis zu 800 20-Fuss-Container, bzw. 400 40-Fuss-Container laden, eine ganze Menge, aber überhaupt kein Vergleich zu den 400m-Riesen-Frachtern, die bis zu 18.000 20-Fuss-Container laden können.
 
Bei max 800 Containern, 35 Containern pro Kran und Stunde und zwei Kränen gleichzeitig, dauert das dann halt 12 Stunden bis ein Schiff wie die Henrike Schepers wieder fertig zum Auslaufen ist. Es entscheidet allerdings nicht die Anzahl der Container ob das Schiff voll ist, sondern das maximale Gesamtgewicht. Je nach Gewicht der Container können auch wesentlich weniger Container an Bord, das Schiff aber trotzdem „voll beladen“ sein, weil das Maximalgewicht erreicht ist. Für die Beladung, die Sicherung der Ladung und alles was an Deck passiert, ist der Deckoffizier verantwortlich, der auf einem Bildschirm in seinem Büro jederzeit verfolgen kann welcher Container und wie viel Gewicht wo geladen und verteilt ist.
 


 
Nach einer Weile holt mich Kapitän von Puttkamer wie versprochen zum Rundgang ab und nimmt sich wirklich, wie auch die gesamte Fahrt über, ganz viel Zeit für mich. Erste Station die Brücke, die während das Schiff im Hafen liegt nicht besetzt sein muss. Ich erhalte hier eine kurze Einführung in das Schiff. 12 Mann Besatzung (früher waren es für Schiffe dieser Größe 30 – 40 Mann). Die Offiziere aus Russland und der Ukraine, bis auf den zweiten Offizier der von den Philippinen kommt. Die einfachen Seeleute sind meist von den Philippinen, bis auf Thomás, der von den Kapverdischen Inseln stammt. Alle Besatzungsmitglieder, egal welcher Dienstgrad, haben eine eigene Kajüte, mit eigenem Bad. Welch ein Luxus, wenn man die Zustände auf den sündhaft teuren Kreuzfahrtschiffen bedenkt, wo sich teilweise bis zu vier Personen von der Crew eine Kabine teilen müssen.
 
Außer mir ist heute noch der NAO, Nautical Assistant Offizer, Carsten an Bord gekommen. Er studiert Nautik in Bremen und macht sein drittes Pflichtpraktikum an Bord eines Schiffes. Er wird die letzten drei von insgesamt zwölf Monaten Praktikum an Bord der Henrike Schepers absolvieren, bevor er seine Diplomarbeit schreiben wird um danach für seinen ersten Job als Dritter Offizier auf einem Schiff anzuheuern.
 
Überrascht bin ich, wie selten man Leuten von der Crew begegnet. Man trifft kaum mal jemanden, besonders wenn das Schiff im Hafen liegt und die Brücke nicht besetzt ist. Es ist Schichtbetrieb, was natürlich auch bedeutet, dass min. die Hälfte der Crew gerade Pause hat, schläft oder einfach nur ausruht. Alle ziehen sich dann in ihre Kajüten zurück und sind für sich. Am meisten Mitglieder der Crew sieht man immer beim An- und Ablegen, da dies die Momente sind in denen die meisten gleichzeitig im Einsatz sind. Das An- und Ablegen wird in Rotterdam auch von der Crew gemacht, nicht von einem externen Dienstleister. Es ist zwar zusätzliche Arbeit, hat aber wieder den Vorteil, dass auch dies extra bezahlt wird und die Seeleute sich so ihre Heuer weiter aufbessern können.
 


 
Kapitän von Puttkamer ist ein sogenannter Freifahrer. D. h. Er hat Lotsenpatente für alle Häfen die angelaufen werden. Das spart der Reederei Geld und Zeit, die man sonst auf den Lotsen warten muss und die der Lotse benötigt um an und von Bord zu gehen und dem Kapitän bringt es Extrageld, weil die Reederei ihm einen Teil des Lotsengeldes bezahlt. Kapitän von Puttkamer „teilt“ sich das Schiff mit einem russischen Kapitän. Alle zwei Monate wechseln sich die beiden ab. Auch sein russischer Kollege ist Freifahrer.
 
Die Offiziere sind 4 – 6 Monate an Bord und dann 4 – 6 Monate an Land. Auch der erste Offizier teilt sich den Job mit einem anderen Kollegen, mit dem er sich immer abwechselt. Die einfachen Seeleute sind 9 Monate an Bord, danach dürfen sie nach Hause. Oftmals melden sie sich dann nach drei oder vier Monaten schon und wollen/müssen wieder arbeiten. Wieder 9 Monate. Dazu passt, die SMS, die der Kapitän während einer unserer gemeinsamen Aufenthalte auf der Brücke bekam und die er mir vorlas. In etwas gebrochenem englisch schrieb ein Crewmitglied, der gerade in Urlaub auf den Philippinen war: „Captain, would like to come to work again. Is it possible to be on bord. I Miss you. Thank you.“.
 


 
Von der Brücke geht es in den Maschinenraum, in den ich während der Fahrt noch drei weitere Male gehen werde: Bei voller Fahrt, beim Start der Maschine und nochmal für ca. eine Stunde alleine zum Fotografieren.
 
Jetzt, während das Schiff im Hafen liegt ist die Maschine aus und es läuft nur das Aggregat, welches das Schiff mit Strom versorgt.
Der Motorblock ca. 8 m lang, 4 m hoch und 2 m breit, ein Koloss neben dem man sich ganz klein vorkommt, liefert mit neun Zylindern ca. 12.000 PS.
Der Maschinenraum erstreckt sich über mehrere Ebenen und Etagen. Ein Chief Engineer und ein Mechaniker sind für das Herz des Schiffes verantwortlich. Der gesamte Raum ist so sauber, das man vom Boden essen könnte.

 
Neben der Maschine befindet sich hier unten im Bauch des Schiffes auch die Ruderanlage mit ihren zwei Motoren, die Kläranlage und die Wasseraufbereitungsanlage. Die Henrike Schepers bereitet aus Meerwasser ihr eigenes Trinkwasser zu. Dieses ist so „tot“ und rein, dass die Seeleute für Tee und Kaffee meist Flaschenwasser benutzen, weil da noch Mineral- und Inhaltsstoffe drin sind. Das eigene Abwasser wird geklärt und mit annähernder Trinkwasserqualität ins Meer abgelassen.
 
Auf hoher See dann, bei voller Fahrt spürt man die Kraft und Energie der Maschine sofort wenn man den Maschinenraum betritt. Kein rütteln, kein stottern, kein rumpeln, wie ich es von so einem Koloss erwartet hätte, sondern ein gleichmäßiges fast sanftes Vibrieren, welches man körperlich spüren kann kündet von dieser immensen Kraft die da gerade zugange ist.
 
Als ich später beim Ablegen in Hull zum Start der Maschine mit dem Chief Engineer und dem Bordmechaniker im Maschinenraum bin, überrascht es mich wie sanft und leise dieses riesen Ungetüm startet. Außer wenn die Maschine die „erste Luft“ ansaugt, was ein wenig Lärm macht und einem lauten Röcheln ähnlich ist, hört man fast nichts. Im Leerlauf ist die Maschine fast geräusch- und virbrationsfrei. Irgendwann musste ich dann fragen „läuft die Maschine denn jetzt schon?“, weil es so leise war.

 


 
Zum Schluss des ersten Rundgangs die wichtigste Station: Die Kombüse. Dort zaubert ein ukrainischer Koch wirklich fantastisch gutes Essen. Richtige deftige Hausmannskost wie ich es noch von meiner Oma kenne und davon reichlich. Total lecker und fast ein Wunder, wenn man bedenkt, dass er nur sechs Euro pro Person und Tag zur Verfügung hat. Nach drei Monaten hier an Bord hätte ich sicher ein paar Kilo zugenommen. Carsten der NAO erzählte mir, dass dies längst nicht auf allen Schiffen so ist. Auf einem Kreuzfahrtschiff, wo er zuvor ein Praktikum gemacht hat, gab es echten „Drecksfraß“ für die Crew. Er genießt es sehr, sich keine Gedanken um Einkauf und kochen machen zu müssen. Drei mal am Tag eine warme, leckere Mahlzeit zubereitet zu bekommen ohne dafür etwas tun zu müssen. Ja… das hat was.
 


 
Mit ca. 40 Minuten Verspätung legen wir dann am Samstag gegen 10:40 in Rotterdam ab, weil wir noch auf ein paar Container aus Duisburg warten mussten. Kapitän von Puttkamer steuert die Henrike Schepers über die Außensteuerung, von der sich auf jeder Seite des Schiffes eine Anlage befindet. Vom Außenstand hat man Blick über die Reling direkt auf den Kai und so kann man das Schiff langsam aus der „Parklücke“ heraus in die Fahrrinne steuern. Erst nach dem „Ausparken“ wird das Schiff dann von innen von der Brücke weiter gesteuert.
 


 
Wir müssen um 24:00 Uhr in Hull sein, weil da die letzte Möglichkeit besteht die Schleuse zu passieren, welche den Hafen von Hull von der See, bzw. dem Fluss Ouse trennt. Aber dank der ablandigen Tide haben wir kräftig Schub von hinten und werden das locker schaffen. Während der gesamten dreitägigen Fahrt erklärt mir Kapitän von Puttkamer alle Instrumente, die Tidentabellen, die Seekarten, das Radar. Ich habe in diesen drei Tagen gefühlt mindestens die Hälfte der nautischen Ausbildung absolviert, auch wenn ich vieles nicht verstanden und vieles auch leider schon wieder vergessen habe. Der Kapitän freut sich immer über Passagiere an Bord, weil das für ihn eine Abwechslung bedeutet und das merkt man als Passagier auch. Ich bin sicher, dass nicht alle Kapitäne das so sehen.
 
Nach verlassen des Hafens und des Flusses in Rotterdam durfte ich dann auf hoher See das Schiff mal selber manuell steuern. Normalerweise wird das Schiff über die automatische Steuerung gefahren. Man gibt einfach den Kurs in Grad ein und die Automatik sorgt dafür, dass das Schiff auf dem gewünschten Kurs bleibt. Kapitän von Puttkamer schaltete die Automatik aus und sagte mir ich solle das Schiff von 292 Grad auf den neuen Kurs 311 Grad bringen. Dazu dient ein kleiner Drehknopf, den man nach Backbord, bzw. Steuerbord drehen kann, ähnlich dem Lenkrad eines Autos. Der Kapitän befahl 20 Grad Steuerbord und ich drehte den Knopf 20 Grad nach rechts. Das Schiff reagiert natürlich nicht so direkt wie ein Auto, sondern mit Verzögerung, aber dann doch schneller und stärker als ich es erwartet hatte. Lang bevor die 311 Grad erreicht sind muss man zurück auf Null Grad gehen (quasi das Lenkrad wieder gerade stellen) um dann einige Grad nach Backbord gegensteuern um das Schiff bei 311 Grad abzufangen und einzupendeln. Natürlich gelang mir das gar nicht und ruckzuck war ich 50 Grad zu weit nach Steuerbord, schon über die 360 Grad hinaus statt der angepeilten 311 Grad. Beim Versuch das nun rückwärts zu korrigieren landete ich schnell wieder weit unter 311 Grad, was zur Folge hatte, dass nach ca. drei Minuten das Telefon auf der Brücke klingelte und der Chief Engineer fragte ob es ein Problem mit der Ruderanlage gibt. „Nein, alles ok, der Kapitän ist auch nicht betrunken, der Passagier übt nur gerade Schiff steuern und fährt dabei wilde Schlangenlinien.“
 


 
Gegen 22:30 bin ich wieder auf der Brücke, wir nähern uns langsam der Mündung des Flusses Ouse, welcher die Einfahrt zum Hafen Hull bildet. Auf der Brücke ist alles dunkel nur die Radaranlagen und die Instrumente geben einen leichten Lichtschein ab. Noch blickt man hinaus in dunkle Nacht und das Schiff schaukelt ganz sanft hin und her. Kaum jemand spricht mehr als nötig, nur der Funk unterbricht manchmal die Stille. In diesen Momenten herrscht ein wundervolle, fast meditative Stimmung, die ich sehr angenehm empfinde und total genießen kann und die ich auch heute noch, da ich schon nicht mehr an Bord bin, fast körperlich spüren kann. Wundervolle Momente, für die sich so eine Reise lohnt.
 


 
Bei typisch englischem Schmuddelwetter legt Kapitän von Puttkamer die Henrike Schepers kurz vor 24 Uhr in Hull wieder persönlich, per Handsteuerung ganz cool und entspannt, ohne jedes Anzeichen von Anspannung, zentimetergenau längsseits an die Kaimauer um dann rückwärts in die Schleuse zu fahren. Rückwärts deshalb, weil das Schiff immer gegen die Tide gesteuert werden muss, bei Tide von hinten wäre das Schiff nicht mehr zu kontrollieren. „Ich hasse Stress, deshalb immer schön entspannt bleiben“, ist eine Grundregel vom Kapitän. Und 40 Jahre Erfahrung machen sich da halt bemerkbar. Nach der Schleusung ist dann gegen 1:00 Uhr der Liegeplatz erreicht und die Brücke kann schlafen gehen, während für die Seeleute der Deckbesatzung die Arbeit beginnt.
 


 
In Hull bekommen wir nur sehr wenig Ladung und am nächsten Morgen um 11 Uhr laufen wir wieder aus gen Rotterdam, wo die Ankunft für 3:00 Uhr morgens geplant ist, was für die Brücke bedeutet: Um ca 24:00 Uhr beginnt die Arbeit mit der Annäherung an Rotterdam und der Einfahrt in den Fluss. Eines weiß ich schon jetzt: Schlafen können auf Kommando, zu jeder Tageszeit, auch stundenweise hilft ungemein bei diesem Job
 


 
Ca. 23:00, eine halbe Stunde vor dem Wecker klingeln werde ich wach, weil gerade alles, was nicht befestigt ist, oder auf einer rutschfesten Unterlage steht, durch die Kajüte fliegt. Das Schiff rollt und schaukelt stark. Ich befestige und verstaue alle losen Gegenstände und bleibe gleich auf und gehe auf die Brücke, denn wir nähern uns Rotterdam und die Einfahrt in den Fluß ist nur noch ca. 15 – 20 Meilen voraus. Auf der Brücke ist zu diesem Zeitpunkt noch der Zweite Offizier, der aber wenig später vom Kapitän abgelöst wird. Beim An- und Ablegen muss der Kapitän zwingend mit einem zweiten Offizier auf der Brücke sein, was in diesem Fall der Erste Offizier übernehmen wird.
 
Das Schiff rollt immer noch stark und hier hoch oben auf der Brücke merkt man das natürlich noch viel stärker. Schlecht wird mir nicht, aber ich merke sehr deutlich, dass meine Reaktionen sich verlangsamen und ich im Moment nicht in der Lage wäre Aufgaben zu erledigen die hohe Konzentration erfordern. Mein Körper, bzw. mein Hirn ist zu sehr damit beschäftigt mit dem Schaukeln fertig zu werden und diese völlig chaotischen Impulse irgendwie zu verarbeiten. Also setze ich mich auf einen der beiden Stühle auf der Brücke und schaue in die Nacht gen Horizont. Mit der Annäherung an Küste und der Einfahrt in den Fluss lässt das Schaukeln auch bald nach, mein Hirn bedankt sich und die Konzentrationsfähigkeit und die Lebensgeister sind auch sofort wieder voll da.
 
Alles ist wieder dunkel, wieder beleuchtet nur das Steuerpult und die Radaranlagen leicht die Szenerie, wieder diese wundervolle, ruhige fast meditative Atmosphäre, die ich so genießen kann. In der Ferne tauchen langsam die Lichter von Rotterdam auf und ich komme mit Kapitän von Puttkamer ins Reden. Er erzählt mir, dass er schon als kleiner Junge wusste, dass er zu See fahren möchte. In den 1950er und 60er Jahren arbeitete sein Vater in Venezuela und im Urlaub fuhr die ganze Familie damals mit Frachtschiffen durch die Karibik. Von da an war für ihn klar, dass er Kapitän werden möchte. Heute ist er 65 und möchte auf jeden Fall noch drei Jahre zur See fahren. Alterslimit gibt es keines und solange die regelmäßige ärztliche Untersuchung die Seetauglichkeit bescheinigt kann man auch zur See fahren. Ein Kollege von ihm ist 72 und fährt immer noch. In drei Jahren, mit 68, möchte er aber auch nicht ganz aufhören, sondern evtl. noch hin und wieder eine Vertretung übernehmen um noch weiterhin ab und zu aufs Meer zu kommen. In den 1980er Jahren, als Kapitän von Puttkamer heiratete und eine Familie gründete, hat er die Seefahrt schon einmal für zehn Jahre an den Nagel gehangen und sich an Land selbständig gemacht. Aber er hielt es nicht aus und musste nach zehn Jahren Pause wieder zur See fahren. Für ihn ist es auch heute noch, nach 40 Jahren und trotz all der Veränderungen, das Größte und Tollste „sein Schiff“ zu steuern und über die Meere zu lenken. Dieses Gefühl von Freiheit und Weite und Kontrolle.
 
Da ist sie also, es gibt sie noch: Die Seefahrerromantik! Auch wenn sie nichts mit der Vorstellung von früher zu tun hat, von wegen Sonne, Palmen, türkisblaues Wasser, lange Liegezeiten, viel Zeit in fremden Häfen und in jedem Hafen eine Braut. All das gibt es heute nicht mehr, diese Zeiten sind lange vorbei. Aber es ist ein Virus, eine Sucht, und wer davon befallen ist, kommt wohl nie wieder davon los.  
Selbst bei Carsten, dem NAO, der ja erst zum dritten Mal auf einem Schiff mitfährt und der ja erst neun Monate seines Lebens auf einem Schiff verbracht hat und ganz am Anfang seiner Karriere steht, sieht man das Leuchten in den Augen und die fast kindliche Aufregung, wenn er auf der Brücke steht und Teil des Schiffes ist. Auch er ist wohl schon von diesem Virus und dieser Sucht befallen.
 


 
Wie geplant, gegen 3 Uhr morgens „parkt“ Kapitän von Puttkamer die Henrike Schpers per Hand zum letzten Mal während meines Aufenthalts an Bord zentimetergenau, rückwärts in eine „Parklücke“ zwischen zwei Schiffe am Pier 2750 in RST Rottedam ein und meine Fahrt ist fast beendet. Jetzt ist nochmal Zeit drei Stunden zu schlafen, bevor ich wieder aufstehen muss und mich, nach einem letzten Frühstück an Bord, um 8 Uhr das Taxi wieder abholt und zum Bahnhof bringt.

Wenn man im Norden Chiles durch die Atacama fährt, stößt man immer wieder auf verlassene Siedlungen, Industriebauten und kleine Städte, die mitten in der Wüste dem Verfall preisgegeben sind. Fast alle stammen aus der Zeit des Salpeterbooms, das in der Atacama reichlich vorkommt. Als dann die Chemieindustrie die künstliche Produktion von Salpeter erfand, brach der Markt für Salpeter quasi über Nacht zusammen. Die Städte wurden verlassen und der Zahn der Zeit sorgt für den Rest.

Einzige Ausnahme ist Chacabuco, welches in der Zeit der Pinochet Diktatur nochmal reaktiviert und als Internierungslager für politische Häftlinge genutzt wurde.

Langsam entsteht in Chile aber ein Bewusstsein dafür, dass dies Städte und Ansiedlungen ein Teil der Gerschichte des Landes sind und man beginnt sie teilweise zu erforschen und die Reste für die Nachwelt zu erhalten.

Bologna – Siena – Lucca – Pisa – Eine kleine Rundreise durch den Nordwesten von Italien

Panama City

24.12.2015, Weihnachten in Panama City. 35 Grad und schwül-warm. Ich hatte schon vergessen, wie es ist, wenn man morgens um neun schon schwitzen muss.
Ich habe mir extra die ältesten Schuhe mitgenommen, die ich noch zu Hause hatte und trotzdem habe ich mir gleich am ersten Tag an beiden Füßen mehrere, große Blasen gelaufen.
Von weitem sieht Panama City, mit seiner modernen Skyline, sehr modern und schön aus. Von nahem gefällt mir die Stadt dann aber nicht mehr. Im Bankenviertel, zwischen all den Hochhäusern mit der Glitzerfassade ist schmutzig, chaotisch und irgendwie unfertig. Die Flüßchen, die man hin und wieder passiert, stinken nach Kloake.
Im Alststadtviertel, dem Casco Viejo, sind die spanischen Kolonialbauten zum Teil sehr aufwändig und schön restauriert. Vieles steht aber auch noch total verfallen herum. Sobald man das Casco Viejo verläßt ist es mit dem Glanz sofort vorbei. Dominikanische Republik in den 1990ern kommt mir sofort in den Sinn.
Musik ist ganz wichtig für die Panamenos. Überall, aus jedem Hauseingang, aus jeder Kneipe, tönt Musik. Und immer in einer Lautstärke dass man sich anschreien muss, wenn man miteinander reden will.
Taxis sind recht günstig und in Massen unterwegs.  Taxameter und feste Fahrpreise gibt es aber nicht. Man muss ein paar Mal gefahren sein um ein ungefähres Gefühl für die Preise zu bekommen. Zwischen 4 und 15 US$ sollten wir für die selbe Strecke schon bezahlen. Ach ja! Wenn man am Flughafen ankommt besser kein Taxi am Flughafen direkt nehmen. Auf das Flughafengelände dürfen nur Touristentaxis und die kassieren 30 USD für eine Fahrt in die Stadt. Der Flughafen ist ganz klein, man ist in 5 Minuten zu Fuß vom Flughafengelände runter auf der öffentlichen Straße, wo man ein Taxi für den Bruchteil der 30 USD anhalten kann.

25.12.2015

Feiertag, fast alle Museen und Geschäfte geschlossen. Wir nutzen den Ruhetag um zum Panamakanal zu fahren, denn der schließt bekanntlich nie. Die Mirafloresschleuse ca. 25 km ausserhalb von Panama City. Mit dem Taxi 12 US$.
Morgens bis ca. 10 Uhr fahren die Schiffe (an dieser Schleuse) von der Karibik in den Pazifik, ab ca. 15 Uhr dann vom Pazifik in die Karibik.

Nach dem Besuch an der Miraflores Schleuse des Panamakanals sind wir, da es quasi auf dem Weg lag, noch auf einen Spaziergang in den Parque Metropolitano gefahren. Ein im Reiseführer hoch gelobter Stadt naher Park, in dem es ganz viele Tiere geben soll. Wir haben ein ganzes Faultier gesehen. Von Affen, Nasenbäern, u. ä. keine Spur.

Totenkopfäffchen in Mono Feliz

Blick vom Parque Metropolitano auf die Skyline von Panama City

Am 26.12. haben wir dann das gemietete Auto in Empfang genommen. Da ein gebuchter Suzuki Jimmy nicht vorrätig war bekamen wir einen großen Pickup, der natürlich einen viel besseren Fahrtkomfort und auch eine höhere Bodenfreiheit hat.

Mietwagen

Mietwagen Toyota Hilux

Die Karibikküste östlich von Colon

Wir sind dann von Panama City Richtung Norden an die Karibikküste gefahren. Ca. 40 km östlich von Colon in das Städtchen Portobelo. Der „schöne Hafen“, einst 1506 von Kolumbus, auf seiner letzten Reise, entdeckt, und auch in den Reiseführern halbwegs positiv beschrieben, waren die Erwartungen hoch. Aber was für eine Enttäuschung. Ein total dreckiges, heruntergekommenes Nest. Als man von uns dann auch noch 99 USD (was beim derzeitigen schlechten Kurs von 1:1, dann auch 99 Euro entspricht) für ein Zimmer haben wollten, sind wir völlig fassungslos weitergefahren und schließlich durch Zufall in Puerto Lindo (was auch schöner Hafen bedeutet) im Hostal Wunderbar gelandet.
Auch dieser Ort kann in der Realität nicht mit dem Namen mithalten. Ein Kaff am Ende der Welt. Kein einziges Restaurant, kein Geschäft, kein Strand, einfach nichts. Aber auch da kostete das DZ mit einem 140cm Minibett, das als Doppelbett einfach viel zu schmal ist, 65 Euro ohne Frühstück. Wir sind trotzdem erstmal zwei Nächte geblieben, denn die Auswahl in der Gegend war nicht groß. Zumindest hörte man hier abends und morgens schon mal die Brüllaffen schreien. Gesehen haben wir aber immer noch keine.
Wir sind dann am Nachmittag noch ein Stück die Küste bis Palenque weiter gefahren in der Hoffnung vielleicht einen schönen Strand zu finden. Leider hat die Gegend nicht wirklich viel zu bieten.
Am 27.12. sind wir dann ab Puerto Lindo mit einem Boot zur Insel Mamay gefahren um den tollen Strand dort zu nutzen. Puuuuhhhh… toller Strand??? Unglaublich, unfaßbar. Eine kleine Pissinsel mit einem kleinen, nicht sonderlich schönen Strand. Sowas als Attraktion zu verkaufen ist echt unglaublich.

Bisher zusammengefasst kann man sagen, das Panama eine einzige Enttäuschung ist. Es ist überall dreckig. Die Müllhalde des Landes scheinen die Straßen, bzw. die Straßenränder zu sein. Ich bin ja einiges gewohnt, habe auch fast fünf Jahre in der Dominikanischen Republik gelebt, aber so krass glaube ich das noch nirgends erlebt zu haben. Im Großraum Panama Citys, im Speckgürtel, fährt man manchmal kilometerweit nur an Müllbergen am Straßenrand vorbei. Ich muss das auch unbedingt nochmal fotografieren, das glaubt einem sonst keiner. Aber ich war so geschockt und bedient, dass ich die Kamera so gut wie gar nicht in der Hand hatte.

Nach dem Ausflug an die Karibikküste um Colon wollten wir nun, dem Reiseführer vertrauend, in den Nationalpark Chagres. Am nördlichsten Ende liegt der Cerro Jefe und Cerro Azul. Dort sollte es laut Reiseführer ein paar Unterkünfte, etliche Wanderwege und ganz viele Tiere zu sehen geben. Die Unterkünfte haben wir gefunden, alles andere leider nicht. Nach einer Nacht, als einzige Gäste im Casa de Campo, war besonders Petra dann so bedient, dass Sie nicht weiter Richtung Osten und Darien fahren wollte, sondern lieber auf die Pazifikseite. Und so haben wir uns auf den Weg gemacht. Durch Panama City hindurch, über die Brücke „Puente Centenario“ den Panamakanal überquert in den Südwesten des Landes auf die Pazifikseite. Als Ziel hatten wir uns die Gegend um Penonomé gesetzt. Ein wenig durch Zufall und Glück sind wir dann im Privatreservat Tavida gelandet. Unverschämt teuer, aber sehr sauber und individuell. Nur 5 Gästezimmer mit Blick auf einen Wasserfall in dem man auch schwimmen kann.

30.12.. Mit einem Guide laufen wir 3 Stunden durch die Umgebung und die Landschaft. Er erzählt uns, was es für viele und tolle Tiere hier gibt. Gesehen haben wir immer noch kein einziges. Außer Katzen, Hunden, Eseln, Pferden und Kühen, nichts zu sehen. Immerhin war die Landschaft sehr schön. Quasi mitten im Wald, an einer Schotterpiste, plötzlich eine Telefonzelle mit Satellitenschüssel und Solarzellen. Und als ich näher gehe, traue ich meinen Augen nicht: Kostenloses WLAN! Es gibt hier keinen Strom, kein fließend Wasser, aber freies WLAN. Darüber labert man in Deutschland schon seit Jahren und kriegt es nicht gebacken, wobei das in Deutschland natürlich kein technisches, sondern ein politisches Problem ist (Störerhaftung, sage ich da nur).

Extrem fällt hier auf der Pazifikseite Panamas der Unterschied zu der Gegend um Colon und Portobelo auf. Hier ist es viel sauberer, fast kein Müll liegt in der Gegend herum. Die Häuser wirken gepflegter, in besserem Zustand und in den Vorgärten blühen Blumen, Bäume und Sträucher. Kein Vergleich zu den Tagen in Portobelo. Ich habe inzwischen auch mit zwei Leuten darüber gesprochen. Eine amerikanische Familie, die in der Nähe von Colon aufgewachsen ist und unser Führer, der uns die drei Stunden durch den Gegend um Tavida begleitet hat. Beide bestätigen diesen Eindruck. Die Amerikaner, die nahe Colon in Gatun aufgewachsen sind, sagen, dass Gatun in ihrer Kindheit eine nette, hübsche Kleinstadt war. Heute wäre die ganze Gegend nur noch Industrie und Containerhafen und nur die Armen sind dort geblieben. Die Gegend wäre im totalen Verfall.  Auch unser Guide Aurelio äußerte sich ähnlich und erzählte mir, dass für Sauberkeit nicht der Staat sorgt, sondern die Dorfgemeinschaft. In regelmäßigen Abständen sammeln Leute aus den Dörfern den Müll an den Straßen ein, der nicht von ihnen stammt, und schaffen ihn weg. Deshalb ist es hier so sauber.

Santa Fe

Nach zwei Tagen in Tavida fuhren wir am 31.12., auf anraten des Inhabers der Tavida Lodge, nach Santa Fe. Ca. 170 km von Tavida. Erst zrück über Penonome auf die Panamericana bis Santiago und von dort ca. 60 km in die Berge. Ein wundervoller, bezaubernder Ort. Bisher der schönste in Panama. Zwar beliebt bei Touristen aber deren Zahl hält sich immer noch in Grenzen und die Einheimischen sind deutlich in der Überzahl und alle wahnsinnig nett, freundlich und positiv neugierig. Überall auf der Straße wird man gegrüßt und angelächelt. Unsere Unterkunft, Hostal Qhia, von Franzosen betrieben ist auch total toll. Ganz ruhig gelegen, mit schönem, großen Garten und internationalem Publikum, sehr angenehm, erholsam und interessant. Ein kurzes Bad im Fluß rundete den Tag dann ab.

Am nächsten Tag (Happy New Year), fuhren wir ein Stück in die Berge, die wolkenverhangen und nebelig waren. Das ganze aber immer noch bei Temperaturen um die 25 Grad. Auf einem Spaziergang in den Urwald, bin ich dann bei einer Bachüberquerung ausgerutscht und mitsamt meiner guten 5D MII ins Wasser gefallen. Die Kamera ist hin. Kein Totalschaden, man wird sie in Deutschland sicher wieder repariert bekommen, aber halt nicht mehr benutzbar. Die Elektronis spielt verrückt. Was für ein Unglück, und das quasi zu Beginn des Urlaubs und ein ganz toller Start ins Neue Jahr.

Über Santa Catalina nach Las Lajas

2.1.. Wir brechen von Santa Fe auf und haben uns spontan dazu entschieden nach Santa Catalina zu fahren. Einem der besten Surfspots des Landes. Auf dem Weg dahin musste ich allerdings in Santiago anhalten und mir in einem Elektronikmarkt eine neue Kamera zu kaufen, die ich dann hoffentlich in Deutschland, gebraucht mit wenig Verlust wieder verkaufen werde. Die Auswahl ist hier echt bescheiden. Kein Vergleich zu den Elektronikmärkten bei uns. Ca. 4 Spiegelreflexkameras und ca. 10 sonstige Kameras, mehr gab es nicht. UV Filter? Sowas gibts überhaupt nicht. Ersatzakku? Zu was das denn? „Sie haben doch ein Ladegerät“. Als ich vor dem Kauf testen wollte, ob meine Objektive mit der Kamera funtionieren und ich meine 70 – 200, 2.8, IS, L-Serie auspackte, hat der Verkäufer ziemlich doof geschaut. So ein edles Teil hat der sein leben lang noch nicht gesehen. Aber gut. Eine Canon Rebel T5 habe ich jetzt. In Europa habe ich die noch nie gesehen. Viel Plastik, viel billig und man hat das Gefühl man hat ein Spielzeug in der Hand. Und… was mir andere schon erzählt hatten, ich aber nicht glauben wollte, man fotografiert anders damit. Schneller, schlechter, mit weniger Mühe beim Bildaufbau. Das Gefühl etwas billiges in der Hand zu haben verleitet zum „billigen Fotografieren“

Santa Catalina, ca. 12 Uhr. Oh weh. Surfer sind einfach ein eigenes Volk und wenn man selber nicht surft, dann findet man das vielleicht nicht so witzig. Der Ort ist komplett voll und überlaufen, es ist ja Wochenende. Viel zu viele Menschen auf zu engem Raum. Der Strand…?! Es ist gerade Ebbe und er sieht nicht sonderlich toll aus. Surfen: Kann ich mir jetzt, da Ebbe ist, gar nicht vorstellen. Wir haben uns einige Unterkünfte angesehen, die aber alle voll waren, bis auf eine, von Italienern geführte. Die hatten, wegen Storno, ein Zimmer frei, was 100 USD kosten sollte. Das war aber ein derartig grausames, abgewohntes, dunkles Loch, dass wir Beide uns nur anschauten und mit dem Kopf schüttelten. Besser die Nacht im Auto, als das für 100 USD. Bei 50 USD hätte ich mit mir reden lassen, aber nicht bei 100. Ich hätte gerne Fotos davon. Hätte ich dann meinen Gästen in der Pension gezeigt, wenn sie sich bei mir mal wieder übr 70 Euro beschweren.
Also entschieden wir uns weiter zu fahren nach Las Lajas. Das Problem ist nur, dass Santa Catalina etwas abseits liegt und wir, allein mit dem Umweg von der Panamaericana nach Santa Catalina und zurück, drei Stunden Zeit verloren hatten. Gegen 17:30 waren wir dann in Las Lajas. Völlig erschöpft und am Ende. Erstebeste Unterkunft genommen, die wir gefunden haben. So sind wir im Casa Berlin bei zwei Deutschen gelandet. Sehr nett, einfach und mit 30 USD nicht teuer.
So haben wir es dann, nach einem ganzen Tag im Auto, wenigstens noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang über dem Pazifik an den Strand geschafft. Die Sonnenuntergänge am/über dem Pazifik sind immer wieder wunderschön, genau wie die, bei Ebbe, ewig breiten Strände.

Erstaunlich immer wieder, die schlechte Versorgung mit heimischem Obst. In einem tropischen Land, in dem alles im Überfluß wächst, oder zumindest wachsen müsste, ist es schwierig einfach mal ein paar Bananen zu bekommen. Weder in den kleinen Supermärkten und Tante Emma Läden sind die immer zu bekommen, noch gibt es, wie in anderen Lateinamerikanischen Ländern, viele Stände an der Straße wo Obst und Gemüse angeboten werden. Dafür wird man aber mit Weintrauben aus Peru und Äpfeln, von ich weiß nicht woher, zugschüttet. Alles Früchte, die importiert werden müssen. Verrückte Welt.

Zweiter Tag Las Lajas. Wir lassen es ruhig angehen. Frühstück, Strand bis 10 Uhr, bevor die große Hitze einsetzt. Danach mit dem Auto ein wenig in die Berge und baden im Fluss. Abends nochmal an den Strand zum Sonnenuntergang.

Mono Feliz

Am Morgen des 4.1. fuhren wir Richtung Grenze von Costa Rica. Wirklich nur 50 m vor der Grenzstation zweigt eine Straße links ab auf die Halbinsel Burica, die zur Hälfte zu Panama und zur anderen Hälfte zu Costa Rica gehört. Dort ganz an der Spitze, wo die Straße zu Ende ist und außer Costa Rica und Pazifik nichts mehr kommt gibt es eine Unterkunft, die Mono Feliz, oder Happy Monkey heißt. Der Tipp stammt von vier Deutschen, die wir in Santa Fe getroffen hatten. Ein absoluter Geheimtipp. „Wenn Ihr glaubt der Weg geht nicht mehr weiter, einfach weiter fahren, sie geht weiter“, so hatten die Vier uns mit auf den Weg gegeben. Wir fuhren also los über Puerto Armuelles bis nach Bellavista. Bis dahin war alles noch gut und bis hierher fährt auch ein öffentlicher Bus. Zwar Schotterpiste, aber gut befahrbar. Die letzten ca. 5 km ab Bellavista hatten es dann aber an ein paar Stellen schon in sich und ohne Fahrzeug mit hohem Radstand nicht zu machen. Aber mit unserem Pickup war das kein Problem. Egal wie anstrengend, umständlich, schwierig die Anreise auch sein mag, Mono Feliz entschädigt für alles. Wir wurden empfangen von Luzmila, der guten Seele des Hauses, die auch wunderbar kocht und die Gäste mit guter Hausmannskost versorgt. Wir bekamen eine der insgesamt sechs offenen Cabanas. Die zwei direkt am Strand waren leider schon von zwei amerikanischen Pärchen belegt, so entschieden wir uns für die auf dem Hügel, etwas abgelegene, dafür aber mit der traumhaften Aussicht auf den Pazifik. Auf Strom und Wasser in den Cabanas muss verzichtet werden. Wasser gibt es nur an den zwei Open-Air-Duschen im zentralen Bereich, genau wie Strom. Alles sehr einfach und basic, aber einzigartig.
Da es für den Strand nachmittags einfach zu heiß ist, sind wir erstmal in den herrlich kühlen Pool gestiegen und haben uns von den Affen ringsherum beobachten und unterhalten lassen. Die sind nämlich das absolute Highlight von Mono Feliz. Kapuziner-, Brüll-, und Totenkoopfaffen tummeln sich hier in Scharen, entweder abwechselnd, oder auch gleichzeitig und sorgen für richtig Radau und Leben in der Hütte. Warum Brüllaffen, Brüllaffen heißen, und warum man, wenn sie in der Nähe sind ab ca. 6 Uhr morgens nicht mehr schlafen kann? Hier eine Hörprobe.
Der Chef des Ganzen und Ehemann von Luzmila ist Guancho. Ein US Amerikanischer Weltumsegeler, der 1997 hier hängen geblieben ist und ein riesiges Stück Land gekauft und in ein privates Reservat verwandelt hat. Es gelang ihm auch diesen Besitz durch die Noriega-Dikatatur und die Wirren nach dem Sturz Noriegas zu retten. Ein hartes Stück Arbeit, wie er heute sagt. Auf die Frage eines Gastes, was er mit dem riesen Land noch vor hat, antwortete er einmal: „Nichts, das ist alles für die Tiere“.
Email, um Zimmer zu reservieren, gibt es nicht. „Was ist Email?“, war die spaßige Antwort von Guancho auf die Frage danach. Wer herkommt bekommt auch einen Schlafplatz. Es wurde noch nie jemand weggeschickt.
Hier kommt nicht jeder her, wer hierher will, muss das auch wirklich wollen. Und von denen, die sich auf den Weg machen, kehren 50% unterwegs wieder um, wegen der schwierigen Anreise. Aber genau das war für uns der Reiz und das besondere an diesem Ort, dass nicht Jeder her kommt.
Keine Musik, kein Telefon, kein Internet, kein Fernseher, keine Uhr. Natur pur, nur der Klang der Natur. Nach nur wenigen Stunden hat man jedes Zeitgefühl verloren. Handys gehen nicht und können auch nicht geladen werden und so haben wir moderne Menschen auch keine Uhr mehr. Wer trägt schon noch Armbanduhren. Von uns sechs Gästen, die vor Ort waren Keiner.
Für mich ist Mono Feliz einer der schönsten Orte, die ich jemals besucht habe.

Außer uns waren noch zwei US-amerikanischen Pärchen hier. Bei einer der Unterhaltungen kamen wir auch auf das Thema Politik und US-Präsidentschaftswahlen. Ich war erstaunt, dass Barack Obama bei liberalen Amerikanern anscheinend viel positiver gesehen wird als bei uns in Europa. In Deutschland wird er ja fast als „failed President“ gesehen, was in den USA anscheinend nicht so ist. Er hätte viel positives in den USA bewirkt, sagten uns die vier. Tammy, eine der vier, fragte dann, ob denn alle Deutschen nun glauben würden alle Amerikaner seien so schrecklich wie Donald Trump und würden so denken wie er. Sie war sichtlich beruhigt, als ich das verneinte. Dann erzählte sie mir, dass sie sich Anfang der 2000er Jahre auf Reisen ihre Haare schwarz gefärbt und eine kanadische Fahne auf den Rucksack genäht hatte. Man sei zu der Zeit als US Amerikaner im Ausland auf offener Straße angefeindet und beschimpft worden und wollte möglichst nicht als solcher erkannt werden: „George W. Bush hat den Ruf der USA in der Welt zerstört“, sagte sie.

Cerro Punta und Guadalupe

Nach zwei wundervolle Tagen in Mono Feliz fuhren wir am 6.1. in die Berge nach Guadalupe, dem höchst gelegenen Dorf Panamas. Wobei hoch, relativ ist. Für Lateinamerikanische Verhältnisse, wo es bis zu 7000 m hohe Berge gibt, sind 1900m natürlich nicht wirklich hoch. Nach der Hitze und schwüle von Mono Feliz sind die 15 – 25 Grad hier, schon ziemlich kalt.
Die Gegend hier ist geprägt von Landwirtschaft. Erdbeeren, Brombeeren, Zwiebeln, Lauch, Möhren, wachsen hier u. a.. Alles Dinge also, die keine Hitze vertragen. Die Menschen hier sind meist indigener Abstammung.
Wir fuhren am Nachmittag noch zum offiziellen Eingang des Nationalparks La Amistad, der grenzübergreifend nach Costa Rica reicht um uns zu orientieren. Dabei erzählte mir der Ranger an der Station, dass der Park morgen geschlossen ist. Er hat Termine in der Stadt und außer ihm ist niemand hier, deshalb muss der Park geschlossen bleiben.

Am nächsten Morgen sind wir dann an einer anderen Stelle in den Park gegangen und ca. 3 Stunden gelaufen. Natürlich kann man einen so riesigen Park nicht einzäunen und absperren. Nur der verwaltete Teil war geschlossen. Hier oben ist der Regenwald und Nebelwadl geprägt von Moosen, Farnen, Flechten, Lianen. Eine völlig andere Vegetation als im Tiefland. Mitten im Wald, einmal nach ca. 30 und ein weiteres Mal nach ca. 60 Min. stießen wir auch zwei Lodges. Sehr schöne Anlagen, mit etlichen Zimmern, aber mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben. Da hat jemand tolle Anlagen in den Urwald gebaut und gedacht, die Touris kommen von selbst. Das klappte anscheinend nicht. Der Tourismus in Panama ist über weite Strecken sehr unprofessionell und naiv. Alle funktionierenden und gut gehenden Unterkünfte, in denen wir bisher übernachtet haben, gehörten Ausländern. Deutsche, Amerikaner, Kanadier, aber nie Einheimische.

Petra und die heißen Quellen, oder „Traue nie einem Reiseführer“

Nachmittags kam Petra dann auf die Idee zu irgendwelchen heißen Quellen zu fahren, die im Reiseführer erwähnt sind. Ich habe gleich angemerkt, dass sie sich da vielleicht mehr erwartet, als dann wirklich ist.
Man sollte immer stutzig werden, wenn im Reiseführer Sehenswürdigkeiten und Attraktionen mit nur drei Sätzen beschrieben sind. Dies deutet darauf hin, dass der Verfasser des Reiseführers selbst nie dort war und auch nur irgendwo abgeschrieben hat. Man kann dann von Glück sagen, wenn diese Dinge überhaupt vorhanden sind. In einem dich besiedelten und kleinen Land wie Panama ist das auch nicht weiter schlimm, aber in Chile passierte es mir mal, dass eine angebliche Unterkunft, mitten in der Atacamawüste einfach nicht vorhanden war. Das kann dann schon mal unangenehm und evtl. auch gefährlich werden, wenn im Umkreis von vier Stunden nichts ist und die Dunkelheit anbricht.
Wir fuhren also los zu den heißen Quellen. 7 km hinter Volcan zweigte auch tatsächlich rechts eine Straße ab, die nur mit Allrad zu befahren war. Das es dann aber noch ca. 8 km sind, für die man ca 40 Min. braucht, stand da nicht. Der Reiseführer erweckte den Eindruck, als ob die Quellen kurz hinter der Abzweigung wären. Wir lasen kurz nach der Abzweigung auf die Schotterpiste noch zwei Jungs auf, die auch zu den Quellen wollten, und die wir auf der Ladefläche mitnahmen. Als wir dann ankamen, musste ich schallend lachen. Es kam, wie von mir schon fast vermutet. Die heißen Quellen waren ein einziges Loch, etwas größer als eine Badewanne, aus der aber wirklich warmes Wasser sprudelte. So viel Aufwand, für so wenig Quelle. Der Verfasser des Reiseführers war sicher noch nie hier.

Boquete

Am 8.1. fuhren wir von Guadalupe durch die Berge die knapp 90 km bis Boquete. Luftlinie sind die Orte nur ca 15 km voneinander entfernt, aber es gibt halt keine direkte Straße.
Boquete liegt etwas niedriger als Guadalupe und Cerro Punta und hat deshalb ein milderes Klima. Das ganze Jahr ca. 25 Grad am Tag und 15 – 18 in der Nacht. Der ewige Frühling.
Wir klapprten erst einmal vier bis fünf Unterkünfte ab, die im Reiseführer hoch gelobt wurden. Uns gefiel keine davon. Soviel mal wieder zum Reiseführer. Aber gut, das kann man ja auch unter „Geschmackssache“ verbuchen. Dann fuhren wir einfach durch die wenigen Straßen, hielten an verschiedenen Unterkünften, und landeten so in der Pension Topas. Acht Zimmer verteilt auf ein großes, grünes Grundstück und mit 42 USD pro Nacht auch ganz günstig. Wie schon oben erwähnt: Auch hier wieder ausländische Leitung, in diesem Fall Axel, ein Deutscher, seit 28 Jahren in Panama, und ein Weltenbummler. Toller, interessanter Typ und unheimlich nett, betreibt er seit 24 Jahren mit Frau und Kindern die Pension Topas. Eine wundervolle Oase, wenn natürlich nicht ganz so spektakulär wie Mono Feliz. Wir blieben drei Tage, statt wie geplant zwei, weil es einfach so entspannend ist.

Am 9.1. hat sich Petra leider erst recht spät entschieden, heute nichts zu machen und so bin ich dann erst gegen 9 Uhr alleine Richtung Nationalpark Vulkan Baru gefahren. Ich wollte mal ein wenig laufen. Für den kompletten Aufstieg war es wohl schon zu spät. Ca. 13,5 km, 1500 Höhenmeter und 5 Stunden waren die Eckdaten. Ich startete um 9.30 am Eingang des Parkes und wollte einfach mal sehen wie weit ich kommen würde. Anfangs ging es zügig voran und ich dachte, ich würde nach ca. 3,5 Stunden am Gipfel sein. Aber je länger der Weg wurde, je müder man wurde, je dünner die Luft wurde, desto mehr zog es sich. 800 m vor dem Gipfel bin ich dann umgedreht. Als Umkehrzeit hatte ich 14 Uhr eingeplant (wie ich jetzt weiß hätte 15 Uhr auch noch gereicht um bei Tageslicht unten wieder anzukommen) und als ich um 13:45 die letzten 800, richtig steilen, Meter zum Gipfel vor mir hatte, hat mein innerer Schweinehund „NEIN“ gesagt, denn jeder Schritt bergauf tat einfach nur noch weh. Zumal inzwischen unterhalb des Gipfels eh Wolken aufgezogen waren und eine Sicht auf Karibik und Pazifik nicht mehr gegeben war.
Lt. Reiseführer wäre der Weg bis km 12 mit einem 4×4 Jeep/Pickup befahrbar. Never Ever! Wie man so einen Mist in einen Reiseführer schreiben kann ist mir unverständlich. Das ist extrem gefährlich. Wer da mit einem normale Jepp/Pickup hochfährt läuft Gefahr das Auto festzufahren, kaputt zu machen und aus eigener Kraft nicht weiter zu kommen. Ab km 4 wird die Strecke so unwegsam, das nur noch Quads, Geländemotorräder und die „Monsterjeeps“ mit extrem hohen Radstand und 4-Rad-Differential vorankommen, und selbst von denen habe ich unterwegs einen gesehen der hängengeblieben ist und den sie nun versuchten mit Hacke und anderem Werkzeug frei zu bekommen.
Der Weg nach oben ist wirklich nicht sonderlich schön. Keine ruhige, idyllische Natur. Da muss man sagen: Der Weg ist das Ziel. Es gibt quasi nichts zu sehen, der Weg ist schlecht zu laufen, da an vielen Stellen voller Schotter, der wenig Halt gibt, und ständig brausen Quads und Motorräder an einem vorbei, die Höllenlärm machen und einen in einer Staubwolke zurücklassen. Hier geht es nur darum zu sagen: Ich war oben.
Viele starten um Mitternacht um zum Sonnenaufgang oben zu sein. Das stell ich mir durchaus als tolle Alternative zum Tagesmarsch vor.

Am 10.1. ist dann ein Wunder geschehen. Wir bekamen Geld am Geldautomaten. Hört sich doof an, ist aber so und fällt wohl unter die Rubrik: Wenn einer eine Reise tut und dabei wohl Kunde der Beliner Volksbank ist.
Petra und ich sind (zufällig) beide Kunden der Berliner Volksbank. Wir haben jeder eine Kreditkarte und eine EC-Karte mit. Nur: Wir bekommen kein Geld. In Panama City hat das noch an dem ein- oder andern Automaten geklappt, nun außerhalb geht gar nichts mehr. Nach vielem Probieren, habe ich mit meiner KK Geld bei der Scotiabanca am Automat bekommen. Sowohl Petra, als auch ich haben eine Email an unsere entspechenden Sachbearbeiter bei der Bank geschrieben. Petra bekam gar keine Antwort, mir antwortete meine Sachbearbeiterin, ich müsse vor der Reise die Karten freischalten, bzw. die Limits erhöhen lassen, und solle mich doch an die Hotline 030 3063-xxxx wenden. Vielen Dank für diese tolle Hilfe. Kunden von Direktbanken mit kostenlosem Bargeldabhebungen weltweit, lachen uns immer aus, wenn wir von unseren Problemen berichten. Meine erste Amtshandlung, wenn ich zurück in Deutschland bin: Neue Bank suchen, Volksbank kündigen.
Zum Glück gibt es für solche Fälle ja noch Western Union: Geld schnell und weltweit verfügbar, auch ohne Bankkonto.
Am 10.1. nun standen wir an einem Automaten der Multibank, steckten eine ec-Karte in den Automaten und sind fast erschrocken, als plötzlich, statt der Meldung „tut uns Leid eine Auszahlung ist derzeit leider nicht möglich“, wirklich echtes Geld aus dem Automaten kam. Natürlich gleich im Internet nachgeschaut wo es diese Bank noch gibt. Leider sehr selten außerhalb Panama Citys. Die beiden größten Banken des Landes, Banco General und Banco Nacional, wollen unsere Karten nicht.

Das Publikum im Topas war total spannend und interessant. Zwei Pärchen, ein belgisches und ein brasilianisches, die mit zu Wohnmobilen umgebauten Jeeps/Unimog, von Feuerland nach Alaska unterwegs sind. Sie sind seit ca. 1 Jahr, unabhängig voneinander unterwegs, kannten sich vorher auch nicht, treffen sich aber unterwegs immer mal wieder, wie jetzt auch in Boquete.
Dann gab es da noch einen Franzosen von ca. 70 Jahren, der mit dem Fahrrad von Feuerland aus unterwegs ist. Auch seit ca. 12 Monaten unterwegs. Puuuuhhhh. 70 Jahre und 10.000 km mit dem Fahrrad. Aber der macht das schon sein ganzes Leben. Er fuhr schon in den 70ern mit dem Fahrrad duch Syrien, Irak, Iran, Marokko, Ägypten….

Dann war da noch das deutsche Pärchen aus dem Schwarzwald, die untefähr die selbe Tour wie wir gemacht hatten. Auch an der Karibikküste um Colon und Portobelo begonnen. Die meinten auch, dass die Stimmung bei ihnen anfangs recht schlecht war, weil sie so überrascht waren von dem Dreck und den schlechten Zustand der Gegend um Colon und Portobelo. Erst als sie dann, wie wir, auf die Pazifikseite kamen, fing der Urlaub richtig an.

Isla Boca Brava

11.1., Aufbruch von Boquete. Ein wenig schweren Herzens, denn es war sehr schön hier. Ursprünglich wollten wir ja nach Bocas del Toro, obwohl wir auch viel negatives darüber gehört hatten. Die einen sagen: Toll, schön, ein Muss. Die anderen sagen: Völlig überlaufen, laut, überteuert, Partymeile. Als wir Axel erzählten, das wir nach Bocas wollen, verdrehte er nur die Augen und empfahl uns stattdessen Isla Boca Brava, ca. 90 km vom Boquete entfernt. Also haben wir, spontan wie wir sind, umdisponiert und sind nach Boca Chica gefahren um dort mit einem Boot die 400m nach Boca Brava überzusetzen. Die Entscheidung war sicher nicht die schlechteste. Keine Autos, kein Lärm eine akzeptables Hotel zu einem akzeptablen Preis, ein paar schöne Strände, reichlich Brüllaffen, teils direkt vor dem Zimmer und vom Bett aus zu beobachten. Viel Ruhe, viel Nichts, aber schön.

Nachdem Petra letzte Nacht geträumt hat, dass wir doch noch nach Bocas del Toro fahren müssen, was wir ja schon gestern statt Bocas Brava machen wollten, dann aber doch gekippt haben, werden wir das nun morgen nachholen. Also wieder ein Stück zurück und die dann von Süd nach Nord einmal durch Panama. Wann hat man schon mal die Gelegenheit einer Frau ihre Träume zu erfüllen. Und, wie jeder Mann weiß: Happy wife, happy life!

Bocas del Toro

Der Abschnitt wird jetzt etwas länger, denn einem der Highlights des Landes muss man sich, finde ich, auch ausführlich widmen.

wie (um)geplant fuhren wir also am 13.1. von Isla Punta Brava nach Bocas del Toro. Bocas del Toro ist sowohl der Name der Provinz, wie auch des Inselarchipels und zugleich der des größten Ortes auf der Hauptinsel Colon (benannt nach Christop Columbus, der das Archipel als erster Europäer entdeckte). Das Archipel liegt vor der Karibikküste Panamas, direkt an der Grenze zu Costa Rica.

Wir hatten ja schon vieles über Bocas (wie Bocas del Toro nur genannt wird) gehört. Mindestens so viel Negatives wie Positives. Die negativsten Bericht kamen fast alle von Menschen, die in Panama leben: „Kann man sich schenken“, „muss man nicht machen“ und der schlimmste „Party, Drogen, Suff, laut, und am Ende nicht mal in der Lage den eigenen Dreck per Kläranlage oder wenigstens Sickergrube zu reinigen, die Kacke wird einfach, irgendwo, wo es die Touris nicht sehen, ins Meer gepumpt“. Man konnte also gespannt sein.
Anlaufpunkt für die Inseln ist Almirante auf dem Festland, von wo alle Fähren und Boote auf die Inseln abfahren. Der Reiseführer schreibt sinngemäß über Almirante: Ein ärmlicher Ort ohne jeden Charme und Sehenswürdigkeiten. Das scheint zu stimmen. Fast nur ärmlich, billig zusammengeschusterte Holzhütten, bei denen es meist schon für die Farbe nicht mehr gereicht hat. Bereits an den Abzweigungen in den Ort wird man von jungen Männern angehalten, die einem für ein paar Dollars den Weg zu den Booten und bewachten Parkplätzen zeigen wollen, was den Eindruck der Armut verstärkt. Wir versuchten es erstmal alleine, scheiterten aber, denn der Hafen ist nicht, wie zu vermuten wäre, am Meer, sondern an einem Mangrovenarm mitten im Ort. Also nahmen auch wir die Dienste eines Helfers in Anspruch. Der war sehr nett und liebenswürdig, begrüßte uns mit Handschlag, stellte sich mit Namen vor, zeigte uns alles, half uns das Gepäck zu tragen und hatte heute angeblich 30. Geburtstag. Die Preisverhandlungen am Anfang gestalteten sich schwierig, da er keinen Preis nennen wollte. „Ich bin arm, gebt mir was Ihr wollt, und wenn es auch nur die liebe Eures Herzens ist“. Davon ließ er sich auch nicht abbringen. Er akzeptierte dann auch ohne nachzuverhandeln die drei USD, die ich ihm für die 10 Min. Arbeit gab. Bei einem gesetzlichen Mindestlohn von knapp unter 15 USD pro Tag, konnte er damit wohl auch ganz gut leben.
Übrigens wurden wir auch am bewachten Parkplatz von der reizenden jungen Dame mit Handschlag und mit Nennung des Namens begrüßt. Die Menschen, die hier leben sind oftmals Nachfahren von afrikanischen Sklaven, die eintmals hierher verschleppt wurden um auf den Plantagen zu arbeiten. Deshalb haben die Menschen hier überwiegend eine dunklere Hautfarbe und sehen afrikanisch aus (ich hoffe ich rufe jetzt nicht pc-Polizei auf den Plan mit solchen pseudo-rassistischen Einschätzungen). Auch die Sprache hier ist anders. Das Spanisch hat ein wenig einen anderen Akzent und neben spanisch wird noch englisch gesprochen, das aber auch kein reines englisch ist, sondern eine Kauderwelsch von verschiedenen Einflüssen.

Mit dem Boot von Almirante nach Bocas del Toro kostete 6 Euro pro Person und ca. 30 Min. Fahrtzeit.
Ankunft in Bocas bei wolkenverhangenem Himmel und ohne Sonnenschein. Da sieht jeder Ort gleich noch trüber aus, als er ist. Mit dem Taxi in unsere wunderschöne Ferienwohnung, von Miriam und Stefan, ca. 3 km außerhalb von Bocas mit Blick in Wald und Grün, die wir im Internet gefunden und per Telefon von Unterwegs aus klar gemacht hatten.

Tja, und was ist nun mit Bocas? Das lässt sich so einfach, in einem Satz, nicht sagen. Lasst es mich mal versuchen zu erklären, manchmal auch ein wenig sarkastisch und hart.
Vor vielen Jahren (geschätzt 15 – 20) kamen Touris nach Bocas und schrieben dann in einem Reiseführer, dass dies der absolut tolle Geheimtipp sei und man das gesehen haben muss. Wenn ein Geheimtipp aber erstmal in einem Reiseführer, gar im Lonley Planet, steht, ist es halt kein Geheimtipp mehr. Ab diesem Zeitpunkt kamen mehr und mehr Touris, die den Geheimtipp sehen wollten. Immer mehr jedes Jahr. Bocas wuchs viel zu schnell und aus einem beschaulichen Fischerdorf wurde ein immer größer Ort, und Partymeile, der seinen wahrscheinlich ehemals vorhandenen Charme verloren hat und nur noch einen Zweck hat: Den Touris das Geld aus der Tasche zu ziehen. Spätestens, wenn in einem Ort mehr Touris als Einheimische rumlaufen, ist der Charme eines jeden Ferienortes im A…. Da aber nach wie vor in allen Reiseführern der Welt steht, dass das hier total toll, cool und einzigartig ist, muss das ja auch so sein und die Touris strömen weiter in Massen. Dabei gibt es direkt bei dem Ort Bocas del Toro nicht einmal einen schönen Strand. Dafür muss man mit Bus, Taxi oder Fahrrad einige Kilometer aus dem Ort rausfahren. 40 Minuten mit dem Fahrrad zum Playa Bluff, der aber wirklich sehr schön ist, oder 40 Min. mit dem Bus zum Playa Drago, den wir nicht kennen.
Die Preise in den Restaurants und für die Unterkünfte sind um Teil völlig überzogen und haben nicht mit der Qualität der erbrachten Leistung zu tun. Allerdings scheint die Qualität der Unterkünfte zu steigen, wenn man aus den Ort Bocas rausfährt, aber auch die Preise steigen mit. Auf dem Weg zum Playa Bluff stehen wundervolle Anwesen mit tollen Unterkünften. Wo noch nichts steht wird gerade gebaut, oder das Land ist zu verkaufen. Es ist zu befürchten, dass in einigen Jahren die ganze Küste zugebaut ist. Wenigstens dürfen nur niedrige Häuser (max. 2 Stockwerke) gebaut werden, so das sich die optische Verunstaltung in Grenzen hält.
Ich fühle mich ein wenig an das Märchen von des Königs neuen Kleider erinnert. Alle finden die Kleider sooooo toll und nur ein kleines Kind traut sich zu sagen: „Der ist ja nackt, der hat doch gar nichts an!“ Ich komme mir ein wenig so vor wie das kleine Kind!
Ich finde Bocas nicht hässlich, o.ä., ich finde es schlicht lächerlich, weil hier kleinste Dinge zu Weltsensationen aufgeblasen werden und die Leute hier wirklich so tun, als ob man im Paradies wäre. Alles hier ist bestenfalls durchschnittlich, aber man tut so als ob es großartig und das schönste der Welt wäre und bläst es zu einem großen Hype auf, das finde ich lächerlich.

Wir sind am zweiten Tag mit einem Bootsausflug durch die Inselwelt von Bocas gefahren. Auf den anderen Inseln haben wir tolle, luxuriöse Hotels mit Wasserbungalows und feudale Privatvillen gesehen. Wenn man das Geld hat dem billigen Trubel (und mit billig ist jetzt nicht „monetär billig“ gemeint) kann man sicher luxuriös und einsam, an schönen Stränden, auf schönen Inseln Urlaub machen. Aber wen ich das wollte, könnte ich auch auf die Malediven fliegen, die konnten das schon vor 20 Jahren besser, als ich dort für eine Saison gearbeitet hatte und am Ende auch nicht teurer als das obere Preissegment hier auf Bocas.
Auf den beiden Inseln Zapatilla, wo wir zum Baden anhielten gibt es ein paar schöne, weiße Palmenstrände. Aber auch die gibt es z. B. in der Dom Rep und auf Kuba scheinbar unendliche kilometerlang mindestens genauso schön.

Am dritten Tag sind wir mit den Fahrrädern zum ca. 40 Minuten entfernen Playa Bluff gefahren. Ein wunderschöner Strand mit hohen Wellen und deshalb von Surfern frequentiert, aber groß und lang genug um nicht überlaufen zu sein. Das lohnt sich in jedem Fall.

Essen erster Abend. Restaurant Limbo direkt am Wasser: 2 Salate, ein Hauptgericht (geschmacklich knapp über Kantinenniveau), 2 Getränke – 47,75 USD (Wechselkurs USD – EUR ca. 1:1). Für Servicepersonal scheint Lustlosigkeit eine unbedingte Voraussetzung zu sein.
Die Leute hier sind alle wunderbar nett und freundlich. Nur sobald man mit Ihnen in Form von Servicepersonal zu tun hat, weicht die Freundlichkeit der totalen Lustlosigkeit.

Zweiter Abend Restaurant Guari Guari, das angeblich beste Restaurant der Stadt. Essen nur mit Reservierung möglich, die unsere wirklich reizende, sympathische Gastgeberin Miriam für uns gemacht hat. Ein Deutscher mit einer Spanierin führen den Laden. Wir waren gespannt. Es gibt für 23 USD ein festes 5-Gang Menü. Wir kamen gegen 18.45, es waren zu dem Zeitpunkt vier Gäste im Lokal und mit uns zusammen kamen noch zwei weitere, macht also acht. Im Laufe des abends kamen nochmal vier Gäste, also 12 den ganzen Abend. 12 Gäste (vorab reserviert), festes Menü, 2 Leute in der Küche einer im Service, ein Traum für jeden Gastonomen.
Wie gesagt 18:45 kamen wir an, bestellten Getränke, die auch irgendwann kamen. Der Herr im Service schien etwas überfordert und rannte ständig zwischen Küche, Bar und Tischen hin und her.
Nach ca. 35 Min. bekamen wir dann auch endlich etwas essbares auf den Tisch. Eine Gazpacho. Was an einer kalten Suppe, die ja fertig im Kühlschrank steht und nur in ein (in diesem Fall) Glas gefüllt werden muss so lange dauert, war uns ein Rätsel. Immerhin ging der zweite Gang, eine mit Spinat und Käse gefüllte Tortilla (die auch fertig ist und nur im Ofen warm gemacht werden muss) etwas schneller. Die hatten wir dann nach 60 Minuten immerhin schon verspeist. Petra, mit ihrem kurzen Rock, klebte mittlerweile schon an dem „eleganten“ Plastikstuhl fest.
Außerdem viel uns schon zum zweiten Gang auf, was zum dritten zur Gewissheit wurde: Wir bekamen immer erst unseren nächsten Gang, wenn auch der Nebentisch, der mit uns zusammen ankam, auch so weit war. Die hatten aber anscheinend nicht so viel Hunger wie wir und aßen sehr, sehr langsam.
Leere Getränkedosen und Gläser wurden nur auf Bitten unsererseits abgeräumt, wobei aber tunlichst vermieden wurde zu fragen, ob wir vielleicht nochmal was trinken möchten. Wollten wir aber eh nicht. Das Ganze Essen hat ca. 2:45 Minuten gedauert.
Wir baten ein Taxi zu rufen, was nicht möglich war, da das Telefon geklaut worden war.
Beim Bezahlen fragte ich, ob ich zwei Kritikpunkte anbringen dürfte und gab zu bedenken, dass Frauen mit kurzen Röcken, die es in einem tropischen Land evtl. öfters geben würde, auf den nackten Plastikstühlen sehr klebrig und feucht sitzen würden. Kommentar: „Das tut mir sehr Leid, aber es gibt hier keine anderen Stühle.“ Auf meinen Hinweis, das man ja evtl. Sitzkissen unterlegen könnte: „Die gibt es hier auch nicht, keine Ahnung, wo ich die herkriegen soll.“ Komisch, bei uns in der Ferienwohnung gibt es Sitzkissen.
Mein zweiter Kritikpunkt, 35 Minuten die Gäste am Tisch sitzen lassen ohne was zu essen, und man könnte doch, wenn die Küche hängt (Küche hängt bei acht Gästen zu dem Zeitpunkt, das allein ist ja schon ein Witz), vielleicht einfach Brot und Butter auf den Tisch stellen, dann sind die Gäste beschäftigt und haben nicht das Gefühl es passiert nichts. Antwort: „Gutes Brot ist nicht einfach hier, das wäre ja nicht wie in Deutschland.“ Ich entgegnete, dass das mit dem Brot ja nur ein Beispiel war, es könnten ja auch Chips, Nachos, Oliven, oder sonst irgendwas sein, außerdem gab es zur dritten Vorspeise ja gute Brot dazu. Darauf bekam ich folgende langatmige Antwort, die es aber Wert ist, ausführlich wiedergegeben zu werden.
Wir wären ja zu falschen Zeit gekommen. Unsere Vermieterin hat wohl versäumt uns zu sagen, dass wir um 18:30, 19.30 oder 20:30 kommen müssen, den zu den Zeiten beginnt die Küche jeweils mit dem zubereiten eines neuen 5-Gang-Durchgangs, wenn dann Leute (wie in dem Fall wir) um 18:45 kämen, müssten wir also quasi bis 19:30, zum nächsten Durchgang warten. Heute kamen die ersten Gäste auch schon um 18:15, statt um 18:30 (was für eine Unverschähmtheit aber auch von den Gästen) und da kommt die Küche von Anfang an gleich ins schleudern. Außerdem hätten wir ja gesehen was hier los ist, da kann einfach niemand zwischendurch mal Brot schneiden und auf den Tisch stellen, o. ä.. WAS HIER LOS IST??? Das muss Comedy sein, denn Ernst kann das nicht gemeint sein. 12 Gäste den ganzen Abend, ein festes Menü und das Lokal ist überfordert. Ein gelernter Koch fängt da nicht einmal an zu schwitzen, selbst bei 30 Grad nicht. Wenn Amateure Spitzengastronomie spielen, kommt sowas bei raus.
Zu einem guten Restaurantbesuch gehört ein gutes Ambiente, ein guter Service und gutes Essen. Ambiente und Service sind eine glatte 6, genau wie die Reaktion auf meine Kritik. Da reißt es das gute Essen dann auch nicht mehr raus.
Das Erlebnis passt aber wieder zu meinem Empfinden von Bocas, dass alles zu Superlativen aufgeblasen wird, selbst wenn es nur eine Kleinigkeit, bzw. Selbstverständlichkeit ist.

16.1.2016
Ganz überrascht haben wir gestern Abend festgestellt, dass ja Wochenende ist. Am Wochenende ist immer überall im Lande Party, weil die Einheimischen an die Strände und Küsten fahren. Es ist dann laut und Zimmer sind auch schwer zu kriegen. Das wollten wir uns nicht antung. Da wir wussten, dass unser Apartment noch einen Tag frei ist, haben wir nun einen Tag verlängert und fahren morgen erst in Bocas ab und wohl Richtung Halbinsel Azuero.

Gestern Abend hatten wir noch ein Gespräch mit unserer Vermieterin Miriam, die viele meiner Eindrücke bestätigt hat. Sie meinte sinngemäß, dass man Bocas in den letzten 10 Jahren ziemlich ruiniert hat. Viele billige Hostels von geringer Qualität, die eben auch dieses Publikum anziehen. Bocas ist ein wenig verkommen zur billigen Party-, Trink-, und Kiffmeile. Alle versuche das zu ändern scheiterten am Widerstand der politisch verantwortlichen. Hauptsache immer mehr, statt weniger und dafür mehr Qualität. Erinnert mich ein wenig an den Tourismusplan von Berlin.
Das Müllproblem ist riesengroß und wird, durch die steigenden Touristenzahlen immer größer und keiner hat eine funktionierende Lösung dafür. Ein Kanadier, der das ändern wollte, und auch schon begonnen hat das zu machen, wurde von politischer Seite ein Riegel vorgeschoben.  Ich könnte mir vorstellen da fiel zu wenig Bakschisch für bestimmte, entscheidende Kreise ab.

Da wir ja nun noch einen extra Tag hatten, der ja ursprünglich nicht vorgesehen war, nutzten wir diesen um uns zum zweiten berühmten Strand der Insel, dem Drago Beach, oder Playa Estreallas (wegen der vielen Seesterne die es dort gibt) aufzumachen. Auf dem Weg dahin gab es dann auch gleich Anschauungsunterricht zum Müllproblem der Insel, von dem Miriam am Abend vorher berichtet hatte. Allerdings ist das sichtbare Müllproblem (nämlich die Vermüllung der Landschaft) sehr gering im Vergleich zu unseren ersten Tagen in der Gegend um Colon, Portobello und im Großraum Panama City.

Den Drago Beach, bzw. Playa Estrella kann man getrost in die Kategorie „muss man nicht gesehen haben“ einordnen. Der Strand ist schmal, voll mit klapprigen Buden ohne fließend Wasser und Strom, die einem Essen, Getränke, Liegen verkaufen, bzw. vermieten wollen. Dazu ist das Besucheraufkommen so hoch, dass das Gefühl hat in Rimini zu sein. Der fehlende Strom wird mit Notstromaggregaten erzeugt, die dann wieder so einen Krach machen, dass die Betreiber der Buden die Musik laut aufdrehen damit man die Notstromaggregate nicht mehr hört. Immerhin: Die Seesterne, für die der Strand berühmt ist, gibt es reichlich im Wasser. Nach nur ca. einer Stunde machten wir uns wieder auf den Rückweg.

Nach vier Tagen verließen wir dann Bocas del Toro. Wir waren uns beide einig, dass wir nichts verpasst hätten, wären wir nicht hier gewesen. Nur wüssten wir dann halt nicht, dass wir nichts verpasst hätten.
Auf dem Weg zurück nach Almirante saehen wir dann noch den Frachter, dessen Firma hier quasi das Sagen hat und der auch die wenigen, verbliebenen, schönen alten Holzhäuser zu verdanken sind. Chiquita. Der „Mitbegründer“ des Begriffs Bananarepublik.

Von Almirante aus fuhren wir die 380 km bis auf die Halbinsel Azuero, die uns aber nicht sonderlich zusagte. Sehr trockene Gegend, ein starker Kontrast nach dem tropischen Grün. Die Stadt Chitre, die lt. Reiseführer einen kolonialen Charme haben sollte, den wir aber überhaupt nicht fanden, stieß uns so ab, das wir uns entschieden weiter zu fahren.
Kolonialer Charme…. was das wohl für die Schreiber des Reiseführers bedeuten mag? Für mich sind Städte mit kolonialem Charme, zumindest in den alten Stadtkernen, z. B. Oaxaca und Puebla in Mexico, oder Cartagena in Kolumbien. Chitre hat so GAR NICHTS von kolonialem Charme.

Also fuhren wir ca. 40 km weiter und fanden ein Stück außerhalb von Las Tablas am Meer eine sehr hübsche Pension an der Playa Uverito. Von hier gibt es keine Fotos, da wir nur eine Nacht hier waren, aber eine Geschichte, die es unbedingt Wert ist erzählt zu werden:
Es ist die Geschichte von Rebecca und ihrem Sohn. Rebecca ist eine total sympathische und liebenswerte Person, Engländerin von Nationalität, in erster Ehe, aus der drei Kinder existieren, mit einem Österreicher verheiratet gewesen, deren Mutter in Deutschland lebt, und die nun mit einem Panameno verheiratet ist und eben jene Pension bei Las Tablas betreibt, in der wir gelandet sind.
Der Sohn von Rebecca ist ein hoch begabter Fußballer, immer auf dem Sprung zum Profi aber am Ende immer an der fehlenden Disziplin gescheitert, die man unbedingt braucht im Spitzensport. Mit ca. 17, 18 Jahren entschied er sich zum Vater nach Wien zu gehen, auch um für sich zu überlegen, was er weiter machen möchte. Um seine Fitness für den Fußball zu verbessern meldete er sich in einem Boxstudio an, da boxen ja bekanntlich ein sehr gutes Ganzkörpertraining ist. Nur wenige Jahre später, und obwohl sehr spät mit dem Boxen angefangen, ist er nun Österreichischer Meister in seiner Gewichtsklasse. Die Disziplin, die er für den Fußball nie gehabt zu haben scheint, ist beim Boxen anscheinend kein Problem. Und ich behaupte Boxen ist der härtere Sport, für den man noch mehr Disziplin und Härte braucht. So weit, so gut, aber das Unglaubliche an der Geschichte folgt erst noch.

2015 machte Rebecca mit ihrem panamaischen Mann Urlaub in Irland. Sie fuhren mit dem Auto über Land und da sie Durst hatten hielten sie in einen kleinen Ort an einem Pub an um dort was zu trinken. In dem Pub hingen an der Wand lauter ältere Fotos von einem Boxer. Da gerade nichts los war, fragte Rebecca den Wirt, wer der Boxer auf den Fotos sei. Der Wirt antwortete, dass er das wäre. Fotos aus alten Zeiten, als er mal Weltmeister war. Ein Gespräch entspann sich und Rebecca erzählte, dass ihr Sohn auch boxt. Der Wirt erzählte wiederum, dass sein damaliger Trainer aus Panama war und u. a. auch den berühmtesten panamaischen Boxweltmeister, der heute noch Volksheld in Panama ist, trainiert hat, und jetzt in Belfast lebt. Als Rebecca dem Wirt dann erzählte, dass ihr Mann, der bisher teilnahmslos neben den beiden saß, auf seinem Smartphone rumtippte und von der Unterhaltung anscheinend nicht viel mitbekommen hatte, aus Panama ist, war das Eis gebrochen. Sie müssten unbedingt seinen Ex-Trainer anrufen, der würde sich bestimmt total freuen einen Landsmann zu treffen. Er gab ihnen seine Telefonnummer und sagte, sie sollten schöne Grüße von ihm ausrichten. Gesagt, getan, Rebecca und ihr Mann riefen an. Der Trainer war so begeistert nach 25 Jahren einen Landsmann in Irland begrüßen zu dürfen, dass er die Beiden sofort einlud und ihnen die Stadt zeigte. Er schaute sich ein Video des Sohnes an, meinte aber, er müsse ihn life sehen, anhand eines Videos könne er nichts über die Qualität und das Talent sagen. Also: Anruf in Wien, der Sohn stieg am nächsten Tag ins Flugzeug und kam nach Belfast zum Probetraining. Rebecca bat den Coach vorher noch eindringlich gebeten ganz ehrlich zu ihrem Sohn zu sein und, sollte er nicht gut genug sein, ihm das offen zu sagen und ihm gut zureden etwas anderes zu machen.
Heute hat der Sohn einen Profivertrag und ist aktuell auf dem Weg nach Miami in ein Profi-Trainingslager.
Das alles nur, weil Mama in Irland in einem kleinen Ort in ein Pub gegangen ist um was zu trinken.
Geschichten die das Leben manchmal so schreibt. Ich werde seine Karriere verfolgen und drücke ihm die Daumen.

Punta Chame

Nach nur einer Nacht bei Rebecca in Las Tablas, was wir nachträglich bedauerten, denn wir hätten noch Zeit gehabt um eine Nacht länger zu bleiben, fuhren wir am 19.1. weiter Richtung Panama City, denn Petra muss ja am Donnerstag 21.1. wieder nach Deutschland fliegen. Unser letzter Stop vor Panama City war nun die Halbinsel Punta Chame. Ein ganze schmale Landzunge, nur ein paar hundert Meter breit, die sich ca. 20 km parallel zum Festland hinzieht. Sehr ruhig, sehr abgelegen, obwohl ganz nah an der Panamerikana. Ein Geheimtipp für Kitesurfer. Das heißt natürlich auch: Hier pfeift immer ein ordentlicher Wind. Unterkünfte gibte ungefähr vier, oder fünf. Restaurant kein einziges, außer natürlich die in den Hotels. Wir sind im Hotel Casa Amarilla (dem gelben Haus) abgestiegen. Nicht billig, dafür wundervoll gestaltet und eingerichtet. Von Franzosen betrieben und mit viel Liebe und Herzblut aufgebaut. Hier stimmen auch die kleinsten Details in der Deko und der Einrichtung. Die Betreiber sind total freundlich und aufmerksam, und lesen einem fast jeden Wunsch von den Augen ab, ohne das man überhaupt etwas sagen muss. Und natürlich gibt es, wo Franzosen sind, immer gutes Essen. Leider wenig los, insgesamt in Punta Chame, und ein wenig langweilig.
Dazu sind uns 500 USD abhanden gekommen. Wir hatten die Gelegenheit in Las Tablas genutzt, uns an einem der weingen Geldautomaten, an denen mal also Kunder Berliner Volksbank Geld bekommt, mit 1.000 USD einzudecken (2 Päckchen á 500 USD). Mit einem kurzen Tankstopp sind wir direkt nach Punta Chame gefahren. Bei der Abreise fehlte ein Stapel mit 500 USD. Wir können uns Beide nicht erklären, wo der abgeblieben sein könnte. Das Tanken habe ich aus einer anderen Tasche bezahlt, nicht aus der, wo die 2 x 500 USD waren. Sehr seltsam.

Am 21.1. flog Petra zurück nach Deutschland. Ich habe sie zum Flughafen gebracht und dann die Nacht zum 22.1. in Panama City verbracht. In dem selben Stadtteil, wie beim ersten Mal, aber in einem anderen Hotel.
Abends bin ich dann mal ein wenig durch El Cangrejo, die Via Espana entlang gelaufen und habe eine paar Fotos gemacht, aus den Straßen der Glitzermetropole. Wie schon anfangs mal geschrieben, sieht das Ganze nicht mehr so schön aus wenn man drin steht, zwischen den Glaspalästen.

Kurzer Stopp in Carti – San Blas Islands

Am 22.1. bin ich dann aufgebrochen in den Osten des Landes. Die San Blas Inseln und die Region Darien sind noch zu erkunden. Die San Blas Inseln gehören zum autonomen Gebiet Yala Kuna der Kuna Indianer, die dort das Sagen haben. Empfohlen wird die San Blas Inseln ab Panama City in einem Pauschalpaket zu buchen. Man hat dann eine Auswahl zwischen mehreren Inseln in unterschiedlichen Kategorien. Die Amerikaner, die wir in Tavida trafen, die in Panama aufgewachsen sind, sagten uns, das beste wäre über Aibnb einen Segeltörn zu buchen denn so kann man die vielen, vielen Inseln am besten erleben. Das hatten wir auch versucht, aber bei Preisen von 200 bis 500 Euro pro Tag für zwei Personen war uns das zu teuer.
Da ich überhaupt keine Pauschalbucher und Vorab-Festleger bin, habe ich gedacht, ich fahre einfach mal nach Carti, der einzige Ort des ganzen Yala Kuna Gebietes, der per Auto erreichbar ist, und sehe, ob ich von dort auf eine Insel komme. So fuhr ich also am 22.1. los nach Carti. Ca. 30 km vor Carti musste ich, an der Grenze zu Yala Kuna, 25 USD Straßenbenutzungsgebühr an die Kunas bezahlen. Die Begründung lautet natürlich nicht Straßenbenutzung, sondern Geschütztes Naturreservat/Eintritt.
Dann ging es weiter, die letzten Kilometer bis Carti. Ich war recht erstaunt, als ich feststellte, dass Carti gar kein Ort ist, sondern lediglich 3 Straßen, die sternförmig von einem Punkt ca. 500 m vor Carti zum Wasser führte. Am Ende zweier Straßen befand sich lediglich eine Hütte und ein paar Anlegestege, wo ich jeweils nach Übernachtungsmöglichkeiten auf einer der Inseln fragte, aber keine brauchbare Antwort erhielt. Am Ende der dritten Straße dann ein Restaurant, ein Zeltplatz mit ein paar Hütten und ein Infopavillon. Dort erfuhr ich, dass ich von hier aus nur zu einer einzigen Insel fahren könnte, die direkt vor der Küste (ich schätze 500 bis 1000 m entfernt) liegt. Die sah schon von hier aus ziemlich verbaut aus und nicht sehr paradiesisch. Auch auf Tripadvisor hatte ich ein paar negative Sachen gelesen. Als man mir dann 30 USD für den Transfer dahin abknöpfen wollte, habe ich erstmal gestreikt. So viel kostet das Boot, egal ob für eine, oder fünf Personen und ich sei halt nun mal alleine. Mit mir zusammen sind auch zwei Spanier angekommen, die auch auf die Insel wollten, wieso ich also nicht mit denen fahren könnte? Dieses Argument schien sich den Leuten vor Ort nicht unbedingt zu erschließen. Ich war auch nicht sonderlich angetan von der Art und Weise wie ich empfangen wurde. Man kann nicht sagen, dass die Kuna unfreundlich zu mir waren. Eher redeten sie mit mir, als ob ich gar nicht da wäre. Sie redeten mit mir (nuschelten auch noch, so dass ich kaum was verstehen konnte und bei fast jedem Satz nochmal nachfragen musste), als ob sie gegen eine Wand sprechen. Ich hatte davon auch schon vorher gehört und gelesen. Ich lehnte das Angebot dann ab und entschied mich nicht auf die San Blas Inseln zu verzichten und weiter nach Darien zu fahren.
Mir kam es so vor, als ob die Kuna eigentlich keinen Bock auf Fremde haben. Und lieber unter sich bleiben würden. So nach dem Motto: Eigentlich wollen wir Dich gar nicht hier haben, aber da wir Dein Geld wollen, müssen wir Dich notgedrungen ertragen. Willkommen jedenfalls und freundlich empfangen fühlte ich mich nicht.

Darien – Yaviza – El Real

Weiter nach Darien. Da ich durch den Umweg über Carti ziemlich viel Zeit verloren hatte, fuhr ich nicht bis zum Ende der Panamericana nach Yaviza, sondern hielt ich für die Nacht in Meteti. Ein trostloses Nest mit zwei Unterkünften. Ich glaube, ich erwischte die schlechtere von Beiden. Die sah nur von außen gut aus. Aber egal, für eine Nacht. 25 USD.
Internet gab es im Hotel nicht, sondern nur im Ort. In fast allen Orten Panamas gibt es ein kostenloses Internet, genannt „Internet para todos“, wo man sich einmal registrieren muss und dann in fast allen Orten des Landes kostenlos surfen kann. In Meteti funktionierte das wunderbar, nur nicht in meiner Unterkunft, denn die lag etwas außerhalb. Aber in dem Restaurant wo ich aß, klappte das wunderbar. In Deutschland redet man seit Jahren von einem freien Netz für alle und bekommt es nicht gebacken. Armes Deutschland.
Morgens am 23.1. nach dem Frühstück fuhr ich weiter nach Yaviza, wo ich gegen 10 Uhr eintraf.
Hier ist die Welt, zumindest die straßengebundene zu Ende. Die Panamericana endet hier zwar nicht, sie ist nur unterbrochen und geht erst auf kolumbianischer Seite wieder weiter. Panama und Kolumbien haben keine Straßenverbindung miteinander. Die beiden Länder mögen sich nicht sehr, seit die USA den Kolumbianer Panama quasi geklaut und einen eigenen Staat daraus gemacht haben um den Kanal zu bauen.
Drückend schwül ist es hier, man merkt sofort, dass man im Urwald ist. Der Ort liegt in einer Flußschleife und ist somit von drei Seite von Wasser umgeben. Der Reiseführer schreibt es wäre ein kleiner heruntergekommener, unattraktiver Ort, oder so ähnlich.
Ich empfand das auf Anhieb nicht so. Es ist ein kleiner, sicher nicht sehr schöner Ort, aber er hat eine ganz eigene Atmosphäre. Das mag an der ständigen Geschäftigkeit liegen die hier herrscht. Hier müssen alle Menschen und Güter für die Weiterreise von der Straße auf das Wasser umgeladen werden, oder umgekehrt, je nachdem in welche Richtung man will. LKWs, Busse und Autos kommen und fahren wieder, ebenso kleine Boote, die be- und entladen werden. Ich ließ das Treiben im Hafen erstmal eine Weile auf mich wirken und genoss das quirlige, geschäftige Leben. Die Polizeipräsenz im Ort ist, wegen der Nähe zur kolumbianischen Grenze und dem damit verbunden Schmuggel, hoch. Mein weiß immer nie so genau ob die Polizei dabei Teil der Lösung ist, oder nicht.

Da ich keine Information, Fahrpläne, o. ä. fand, ging ich einfach mal ins Büro der Hafenpolizei und fragte, wie ich denn weiter nach El Real kommen würde. In El Real, ca. 45 Bootsminuten von Yaviza entfernt, ist nämlich der Zugang zum Nationalpark Darien, wo ich ja eigentlich hin möchte.
Mir wurde erklärt, dass ich als Ausländer erst zum hiesigen Polizeiposten müsste um mich anzumelden.Nach ein wenig Suchen und Fragen hatte ich den Posten, besser gesagt die Kaserne gefunden und erledigte die Formalitäten. Ob die wirklich nötig waren? Keine Ahnung. Ich nehme an, wäre ich einfach auf irgendein Boot gestiegen und nach El Real gefahren, hätte es auch keinen Menschen gejuckt. Aber gut. Ich hatte ein paar nette Gespräche auf dem Polizeiposten, u. a. mit einem Oberst, der mir erzählte, dass er Anfang der 2000er Jahre in Venezuela zusammen mit einem Deutschen studiert hatte und so ein paar Worte Deutsch konnte. Mehr als „wie gehts“ und „was machst du“ war es wohl aber nicht mehr.
So nebenbei erfuhr ich dabei, dass ich, wenn ich in El Real in den Nationalpark möchte, mich hier in Yaziva bei der Nationalparkverwaltung anmelden, den Führer reserviern (denn nur mit Führer darf man in den Park) und den Eintritt bezahlen muss. Nur leider wäre das Büro heute zufällig geschlossen, morgen sei Sonntag, da ist sowieso zu, so dass ich vor Montag nichts machen könne. Ich kann zwar nach El Real fahren, aber dann nicht in den Park. Meine Infos dazu waren widersprüchlich. Von anmelden in Panama City, bis anmelden in El Real möglich, hatte ich alles gehört. Ich hatte vor der Reise an die Nationalparkverwaltung auch eine Mail geschrieben, aber nie eine Antwort bekommen. Die meisten Reisenden machen diese Tour als Pauschalpaket im Voraus gebucht. So wie ich, das ich einfach mal hier auftauche kommt wohl nicht oft vor. Aber gut…. so reise ich halt am liebsten: Wenig planen, einfach mal schauen, nur nicht festlegen. Und meist findet sich für alles eine Lösung.

Ich ging zurück zum Hafen, traf dort den Polizisten, der mich zum Posten geschickt hatte wieder, der mich fragte, ob alles geklappt hatte. Ich erzählte ihm das Problem und er hatte die Lösung. Zog sein Handy raus, schrieb mir die Nummer von Pisaro (so zumindest steht es auf dem Zettel, aber ich nehme an er wird wohl Pizzaro heißen), eines Bekannten, der offizieller Führer im Park ist und in El Real wohnt auf einen Zettel und meinte, ich sollte ihn mal anrufen, vielleicht hat er ja eine Lösung.
Ich rief sofort an und Pisaro erzählte mir, dass sich das alles geändert hat und auch nicht so ist, wie die Polizei in Yaviza mir das erzählt hat. Ich muss mich anmelden und schon in Panama City auf ein Bankkonto die Nationalparkgebühr bezahlen (ist wohl in der Vergangenheit zu viel Geld weggekommen, vermute ich mal). Mit dem Einzahlungsbeleg kann/muss ich mich dann in Yaviza anmelden. Ich könnte gerne nach El Real und er könnte mit mir die Sachen auch vor Ort regeln. Allerdings auch erst Montag, weil dann erst die Banken wieder geöffnet sind (ganz schön umständlich in Zeiten von Paypal, Kreditkarten, etc.). Er selbst würde 50 USD pro Tag kosten, zzgl. Ausgaben für Essen und ähnliches. Ich sagte ihm, dass ich es mir überlegen würde und mich, falls ich mich entscheiden sollte nach El Real zu kommen, bei ihm melden würde.
Nach kurzem Nachdenken entschied ich mich, um das Problem nicht sofort entscheiden zu müssen, erstmal für eine Nacht hier in Yaviza zu bleiben. Der Ort gefiel mir ja ganz gut, ich mochte die Atmosphäre und die Menschen hier sind total nett und hilfsbereit. In Yaviza gibt es zwei Unterkünfte, wobei eine davon genau über einer Discothek liegt, womit sich die Zahl der realen Unterkünfte quasi von selbst auf eins reduzierte. So nahm ich mir ein Zimmer für 25 USD bei Ilsa. Ganz einfach, nur kaltes Wasser (was bei den Temperaturen kein Problem ist, eher im Gegenteil) aber mich Aircon und allemal besser als die Nacht davor in Meteti.
Ich lief ein wenig durch den Ort. Überall wurde ich gegrüßt (erinnerte ein wenig an Santa Fe, wo dich Leute auch so freundlich waren), wurde auch zum Bier eingeladen, was ich aber abbiegen konnte. Mittags schon Alkohol, bei der Hitze…. das vertrage ich nicht.
Hier in Yaviza gab es kein öffentliches Internet. Daran merkt man heute wohl, dass man am A… der Welt ist. Es gab aber einen Computerladen, der auch Internetzugang anbot, aber geschlossen hatte. Als ich mich danach erkundigte mischte sich ein junger Mann ein, und meinte das mit dem Internet sei kein Problem. Ich soll mich mal da vorne auf die Plaza setzen, er kommt sofort wieder, dann könnte ich seinen mobilen Zugang benutzen. Hmmmm, ok… Ich tat also wie mir aufgetragen wurde und setzte mich auf eine Bank an der Plaza Central. Nach ein paar Minuten tauchte der Mann auch wieder auf, holte aus seiner Hosentasche einen Mobilen Router und gab mir die Zugangsdaten. Der mobile Router war ein Teil, etwas größer als eine Streichholzschachtel mit einer SIM Karte darin, die ein Datenvolumen hatte. Sozusagen ein Hotspot für die Hosentasche. Ich rief meine Emails ab, was auch nur ca. 2 Minuten dauerte, denn es gab nichts, was sofort beantwortet werden musste und anfangen lange zu surfen wollte ich natürlich nicht. Ich fragte ihn, was ich ihm schuldig bin und er winkte nur ab: Nichts, das ist schon in Ordnung so.

Es war Samstag Nachmittag, Wochenende. Alle machten sich fein, die Frauen trugen Lockenwickler, die jungen Mädchen standen teilweise auf der Straße und kämmten sich die frisch gewaschenen Haare. Ganz viele der Frauen hier haben lange, pechschwarze und dabei glänzende Haare. Wunderschön, ein Traum. Ich würde ja gerne mal hinlangen um zu spüren, wie sich die Haare anfühlen. Der Neid der meisten Frauen dieser Welt dürfte ihnen sicher sein.

Nach und nach kamen immer mehr Menschen auf die Straßen und es wurde voll. Alles was laufen kann war unterwegs. Auf der Hauptstraße gibt es drei Lokale, Bars, Discotheken, o. ä. die so laut Musik spielten, dass man sich selbst auf der Straße davor nicht mehr unterhalten konnte. Man trank, tanzte und knüpfte Kontakte zum anderen Geschlecht. Puh dachte ich, das kann ja eine laute Nacht werden. Meine Unterkunft lag ja zum Glück nicht über einer diese Läden, aber die Musik hörte ich auch bei mir.

Inzwischen fiel mir auch auf, dass ich anscheinend der einzige Ausländer im Ort war. Ich hatte den ganzen Tag keinen weiteren Touristen zu Gesicht bekommen. Die organisierten Touren halten nicht in Yaviza, sondern fahren gleich weiter nach El Real und sonst gibt es wohl keinen Grund hierher zu kommen und zu übernachten.

Inzwischen hatte ich entschieden nicht weiter nach El Real zu fahren. Warum… das weiß ich nicht so genau. Vielleicht bin ich einfach im Alter zu bequem geworden, oder nicht mehr abenteuerlustig genug, oder ich habe keine Lust mehr auf so anstrengende Sachen. Ich hätte auf jeden Fall am Montag erst einmal die Formalitäten in El Real erledigen müssen. Dann hätte ich Dienstag die Tour in den Nationalpark nach Rancho Frio machen können, mit einem Guide, was mir auch nicht gefiel. Ich mach doch lieber alleine, oder in der Gruppe, dann konzentriert sich das mit dem Guide nicht alles auf eine Person, in diesem Fall nämlich auf mich.
Ich hätte also 5 Tage aufwenden müssen um eine Zweitagestour zu machen. Die Zeit hätte ich gehabt, daran lag es letztlich wohl nicht.
Der Darien soll das absoluten landschaftliche Highlight Panamas sein. Aber das hatte ich ja im Reiseführer schon öfters gelesen. Am Ende der ganze Aufwand für etwas, was dann doch nicht so toll ist. Also kurzum, ich fand tausend Ausreden, warum ich das nicht machen wollte.

Ich traf die endgültige Entscheidung abends in meinem Zimmer. Als ich da so saß, fiel mir plötzlich auf, dass es seit ein paar Minuten gar keine Musik mehr zu hören war. Ich schaute auf die Uhr. 22:07 und totenstill draußen. Das musste ich mir mal genau anschauen und ich ging auf die Straße.
Wo vor 15 Minuten noch das Leben tobte und die ganze Stadt auf den Beinen war, war jetzt alles leer und still. Wie ausgestorben. Nur noch die letzten Leute, die ihre Läden abschlossen und auf dem Nachhauseweg waren. Unglaublich: Innerhalb von Minuten war alles vorbei und zu Ende und der Ort war wie ausgestorben. 10 Uhr ist Zapfenstreich! Ich war völlig sprachlos und konnte das gar nicht glauben.

Am nächsten Morgen fuhr ich dann nach Panama City. Ein kurzer Stopp zum Frühstück in Meteti, wo es auch wieder Internet gab und ich ein Hotel in Panama City buchte. Wieder selbe Gegend (El Cangrejo), aber wieder anderes Hotel.
Bei einer Polizeikontrolle am Lago Bayano kam ich mit dem Polizisten ins quatschen. Als er meinen Einreisestempel vom 23.12. sah, fragte er, wo ich denn in der Zeit schon überall war. Ob ich denn auch schon in Bocas del Toro gewesen sei. Ich bejahte und er erzählte, dass er von dort kommt. Von der Isla Colon. So weit von zu Hause, am anderen Ende des Landes. Wie oft er denn nach Hause fahren kann, fragte ich. 15 Tage Dienst hier, dann 15 Tage in Bocas del Toro, erklärte er mir. Dann wurde die Schlange hinter uns länger und er gab mir zum Abschied die Hand und wünschte mir gute Reise.
Bei all den Polizeikontrollen finde ich es immer wieder amüsant, wenn sie sich den Pass und den Führerschein anschauen. Pass ist ja kein Problem, aber Führerschein…. Mit dem europäischen Führerschein können sie NICHTS anfangen und ihn auch nicht lesen. Ich bin sicher, würde ich einen Bibliotheksausweis, oder irgendwas anderes mit Lichtbild vorzeigen, käme ich damit auch durch. Das ist jetzt gar nicht böse gemeint. Sie sind halt auf Touristen und internationale Papiere und Dokumente nicht geschult. Europäer dürften auch nicht unbedingt ganz oben auf der Liste von Verdächtigen und verstärkt zu kontrollierenden Personen stehen. Grundsätzlich sind sie alle sehr nett, freundlich und höflich bei den Kontrollen und oft, wie in diesem Fall ja auch, gibt es immer auch noch ein paar persönliche Fragen (woher kommst Du, was machst Du, was hast Du schon gesehen in Panama, gefällt es Dir, u. ä.). Einmal bei einer Kontrolle auf der Fahrt von Santa Catalina nach Las Lajas, hatte der Polizist ein kleines elektronisches Kästchen in der Hand. Ich dachte schon es ist ein Fingerabdruckscanner. Neugierig wie ich bin, fragte ich, was das wäre und er hielt es mir vor das Gesicht und sagte: Blas mal gegen diese Markierung. Es war ein Alkoholmessgerät. Aber man pustet nicht in ein Röhrchen, sondern man bläst aus ca. 10 cm Entfernung gegen einen Sensor. Das Gerät zeigt anschließend nicht den Promillewert an, sondern nur „negativ“ oder „positiv“. Zum Glück trinke ich ja mittags nie Bier.

Unterwegs immer auch wieder mal Müll am Straßenrand. Aber nie mehr so viel und so schlimm wie aus Richtung Colon über die Landstraße kommend, wo sich der Müll teilweise hunderte Meter weit auftürmte.

Gegen 14 Uhr war in Panama Stadt und ging erst mal in die Pasteleria La Suiza, wo es den besten Cappuccino in ganz Panama gibt, wie ich schon von den beiden Besuchen davor wusste. Ich suchte im Internet nach Möglichkeiten ein paar Nächte in einem Dorf der Emberá Indianer zu wohnen. Ich fand zwei Kontakte, die nicht kommerziell aussahen und schrieb Beide an. Das wäre nochmal etwas, auf das ich neugierig wäre und was ich noch nie gemacht hatte und nicht kannte. Vielleicht klappt das ja.
Nach dem Einchecken im Hotel bin ich dann an verschieden Punkte in Panama City gefahren.
Zuerst nach Costa del Este, das ich vom Vorbeifahren kannte. Eine glitzernde Hochhaussiedlung, am östlichen Rand der Stadt, die ich mir mal aus der Nähe ansehen wollte. Es ist echt bizarr. Zum einen Firmenrepräsentanzen, zum anderen Wohntürme mit eigenem Concierge, sowie riesige Gated Comunities, in die man nur nach Anmeldung und mit Termin kommt. Aber nicht irgend ein paar Wenige. Nein, der ganze Stadtteil besteht nur daraus. Tausende, wenn nicht sogar zehntausende Menschen der Oberschicht leben hier, eingesperrt und bewacht vor der bösen Welt außerhalb. Ich rechnete ja schon damit, dass gleich jemand aus irgendeinem Wachhäuschen stürmen würde um mir das Fotografieren zu verbieten. Es gab aber Bushaltestellen. Diese werden aber sicher nicht von den Bewohnern benutzt, sondern wohl nur von den Leuten, die die Häuser und Wohnungen bewachen, putzen und die Gärten pflegen. Alles wirkte, heute am Sonntag, tot und ausgestorben. Dann gab es aber tatsächlich noch sowas wie Leben. Eine kleines Zentrum mit Supermarkt, Fastfood Restaurants und einer Porsche Niederlassung. Was der Mensch von Welt halt so braucht.

Danach machte ich einen kurzen Abstecher nach Panama Viejo, den Ruinen der Ur-Stadt, die von dem englischen Piraten Henry Morgan 1617 zerstört und ca. 5 km weiter westlich neu errichtet wurde. 12 USD Eintritt für ein paar Steinhaufen, viel mehr ist da nämlich nicht mehr zu sehen, fand ich dann etwas übertrieben und verzichtete auf die Besichtigung.

Danach einmal quer durch die Stadt von Osten nach Westen, was nur ca. 20 Minuten dauerte. Die Stadt ist nicht so groß und der Verkehr am Sonntag Nachmittag nicht sehr dicht. Dort fuhr ich zu einer Straße, die unterhalb der Brücke „Las Americas“ (die nördlichere der beiden Brücke über den Kanal bei Panama Stadt) am Panamakanal endet. Ich hatte auch Glück und es passierten innerhalb von eine paar Minuten zwei Schiffe die Stelle am Kanal unter der Brücke Las Americas.
Der Platz ist auch Anlegestelle für kleine Fischer- und Anglerboote und hat einen Polizeiposten.

Abends zum Sonnenuntergang dann nochmal die Glitzerfassaden geniessen. Sieht ja schon irgendwie schön aus so von der Ferne.

Ein Ivan Ruiz hat sich auf eine meiner Mails gemeldet und mir mitgeteilt, dass er für Besucher in seinem Emberá Dorf zuständig wäre und mir seine Telefonnummer hinterlassen. Ich rief sofort an, es war aber nur eine Mailbox dran, auf der ich eine Nachricht hinterließ. Ich schickte auch noch eine Mail mit meiner Nummer. Die Mails, das stand in seiner Nachricht, werden nur zwei Mal am Tag, morgens und abends, abgerufen.
Ich verlängerte also meinen Aufenthalt in Panama City erstmal um einen Tag. Am nächsten Tag spazierte ich einfach durch die Stadt, ohne Ziel und ohne Plan. Anruf, oder Nachricht von Ivan: Leider nicht.
Also entschied ich am nächsten Morgen nach El Valle zu fahren, Ivan würde sich schon irgendwann melden. Als ich im La Suiza beim Capuccino saß rief Ivan an. Wann ich kommen wollte und wie viele Tage ich bleiben möchte? Wir einigten uns schnell auf „Morgen und ein oder zwei Nächte.“Kosten: 90 US für den Transport und 90 US pro Tag inkl. allem Essen. Ich soll mir aufschreiben wo ich abgeholt werde. Ich bat ihn aber, mir das zu mailen um Missverständnisse auszuschließen. Zahlen soll ich dann vor Ort. Super, das schien zu klappen. Da ich ja wusste, dass Ivan nur morgens und abends Emails macht, war klar, dass tagsüber nichts kommen würde.
Ich also wieder im Hotel angerufen, dass Sie mein Zimmer so lassen können wie es ist und ich gleich wieder komme. Also noch einen Tag in Panama City, den ich für weitere Spaziergänge durch die Stadt nutzte.

Abends dann kam die Mail von Ivan, in der er mir mitteilte, das es leider doch nicht klappt. Tagesbesuch gerne, aber nicht mit Übernachtung. Das hätte ihm ja auch schon früher einfallen können.

El Valle de Anton

So bin ich dann am 27.1. also nach El Valle gefahren.

Unterwegs musste ich dann mal einen kurzen Stop an einem der zahlreichen, hässlichen Einkaufszentren einlegen. Die gibt es überall im Land und es sind auch noch reichlich im Bau. Wenn die Zahl der Einkaufszentren ein Indikator für den Wohlstand, bzw. die Kaufkraft eines Landes sind, dann ist Panama bald in der Gruppe der reichen Länder angekommen. Was Stadtverschandelung angeht können sich die Planer in Deutschland noch was abschauen. Obwohl: Das Alexa kann da locker mithalten, nur so schön bunt ist es halt nicht.

Ein Stück weiter las ich dann zwei Anhalter auf. Ein Kanadier und eine Italienerin, die zusammen in der Nähe von Modena ein Bed and Breakfast betreiben, die zufällig auch nach El Valle unterwegs waren. Sie haben zwei Monate Zeit um von Panama City nach Cancun zu reisen, von wo sie wieder nach Hause fliegen.
Sie waren erst zwei Tage im Land und fragten mich, was man sich denn so anschauen müsste. Was mit Bocas del Toro wäre, z. B.. Sie hätten jetzt schon mehrfach den Tipp bekommen, doch Panama so schnell wie möglich zu verlassen, weil es sich nicht sonderlich lohnen würde. Ich konnte da nicht groß widersprechen. Wenn man noch Länder wie Costa Rica, Guatemala, Mexico vor sich hat, dann warten da einfach Highlights mit denen Panama schlicht nicht mithalten kann.

El Valle: Hochgelobt vom Reiseführer und von den Einheimischen. So schön, muss man unbedingt gesehen haben. Ah ja…. Nein, muss man nicht gesehen haben, kann ich nur sagen.
Aus Sicht der Einheimischen vielleicht noch verständlich. El Valle liegt etwas höher, im Krater eines erloschenen Vulkanes hat ein tolles Klima. Tagsüber warm, aber nicht so schwül wie an der Küste, in der Nacht angenehme 20 – 22 Grad. Der Ideale Rückzugsort für Panamanos, die es sich leisten können. Dementsprechend stehen hier reihenweise große, teure Villen und Prachthäuser. Die Upper Class hat hier Wochenend- und Ferienhäuser.
Ansonsten ist es kleiner, sehr sauberer Ort, der aber nichts zu bieten hat und echt langweilig ist. So habe ich dann die touristischen Sehenswürdigkeiten abgearbeitet, die aber einfach nur der Hohn sind. Ein Wasserfall, ach was sage ich ein Wasserfällchen, an dem 5 USD Eintritt verlangt werden, mit einem 400 m Rundweg. Das ist echt Verarschung. Der Wasserfall ist weder spektakulär noch schön. Dazu werden Busladungen von Touris vorbeigeschleust. Unfassbar. Sowas als touristische Attraktion zu verkaufen, oder überhaupt in einem Reiseführer zu erwähnen ist ein Witz. Das selbe mit der zweiten angeblichen Sehenswürdigkeit. Ein Bächlein, dass nach ca. 500m ungefähr 3 m in die Tiefe plätschert. Es ist es nicht Wert dafür auch nur fünf Minuten Zeit zu investieren.

Hätte ich nicht schon das Zimmer für zwei Nächte bezahlt (was ich sonst nie mache, ich reserviere immer von Tag zu Tag) wäre ich wohl schon am nächsten Tag wieder abgereist. So bin ich am 28.1. halt ein wenig einen Berg hinauf geklettert. Das war allerdings echt heftig, weil es keine Wege gab. Man musste wirklich richtig steil bergauf, durch den Wald, über Stock und Stein und brauchte auch wirklich beide Hände um sich immer an Wurzeln, Ästen, Steinen, o. ä. festzuhalten und nicht abzurutschen. Bis oben bin ich aber nicht geklettert.

In der Unterkunft neben mir waren zwei Schweizer mit einem riesen Monstertruck als Wohnmobil. Die hatte ich heute Morgen kurz angequatscht. Für den Preis von dem Gerät bekommt wahrscheinlich auch schon eine Wohnung. Solarzellen auf dem Dach, riesige Batterien für die Stromversorgung, etc.. Sie sind seit 2,5 Jahren unterwegs. Von Buenos Aires nach Feuerland und dann durch ganz Südamerika bis Panama Endstation in ca. 2 Jahre in Alaska. Panama fanden sie ziemlich langweilig und verstehen gar nicht, was ich hier 6 Wochen mache.

Freitag 29.1., Zurück in Panama City habe ich eine Nacht in meinem inzwischen schon alt bekannten Hotel Centoramericana verbracht und entschied mich am Sonntag auf die Insel Taboga zu fahren. Als ich die Nacht zum Sonntag verlängern wollte, sagte man mir, dass es voll wäre und ich abreisen müsste. Sch…. für eine Nacht eine andere Unterkunft suchen. Nach kurzem Suchen und einem Anruf entschied ich mich für Posada 1914. Ein großer Fehler. Mein Zimmer grenzte, was ich natürlich bei Besichtigung nicht mitbekommen hatte, an die Garage von zwei daneben und dahniter liegenden Hochhäusern. Die ganze Nacht ein Kommen und Gehen. Da halfen auch Oropax nichts. Ein schlafloser Alptraum.

Isla Taboga

Nur ein paar wenige Kilometer vor der Küste liegt, in Sichtweite Panama Citys, die kleine Insel Taboga. Es ist Sonntag Mittag und ich fahre mit einer Horde Partygäste auf die Insel. Das Boot hätte eigentlich um 12 Uhr ablegen sollen, aber da mindestens 20 Leute nicht hier waren, wurde gewartet, und gewartet, und gewartet. Selbst einige andere Panameňos waren schon genervt. Nach und nach trudelten dann alle ein. Ohne Eile, ohne schlechtes Gewissen und gegen 12:30 ging es dann los.
Bei Ankunft auf Taboga ca. eine Stunde später gab es direkt am Anlegesteg erstmal eine Taschen- und Drogenkontrolle. Ein Spürhund beschnüffelte alles Gepäck und jene Besucher, die Kühltaschen und Kühlboxen dabei hatten, mussten diese alle aufmachen. Bier wurde durchgelassen, harte Alkoholika mussten abgegeben werden. Sehr gut. Denn wer weiß, wie es z. B. an den Stränden der Dominikanischen Republik an Sonntagen zugeht, wo sich fast alle nur mit Rum besaufen und nach einigen Stunden so voll und dumm im Kopf sind, dass sie aufeinander losgehen (teilweise mit Waffen), weiß diese Maßnahme wohl zu schätzen.

Taboga war am Sonntag natürlich völlig überlaufen und knackevoll. Aber ich wusste ja, dass am Abend der Spuk vorbei sein würde und geschah es dann auch.
Die Insel ist der erste Ort, den ich hier in Panama kennen gelernt habe, der sowas wie den Flair eines Badeortes hat. Kneipen und Restaurants direkt am Wasser und/oder mit Blick aufs Meer und eine kleine aber schöne Uferpromenade und immer wieder kleine Pläzte mit Aussicht auf die Buch. Und das schönste: Fast keine Autos. Meist fahren hier nur Golfcarts. Der Ort ist so klein, die Straßen so eng, dass sich Autos eigentlich gar nicht lohnen.

Ich brachte mein Gepäck in die Unterkunft. Residencial Mundi. Ein grauenhaftes abgewohntes Zimmer, ohne Fenster für auch „nur“ 50 USD pro Nacht. Preis-/Leistung mal wieder unter aller Sau. Aber 80 – 150 USD für die fünf, sechs anderen Unterkünfte, welche es noch auf der Insel gibt, wollte ich einfach nicht ausgeben. Man hat ja auch wirklich keine Garantie, dass die dann wirklich gut sind. Besser als das, was ich hier habe auf jeden Fall, aber gut…???

Am Strand lernte ich Graziella kennen. Eine sehr sympathische Frau, um die 60 schätze ich, die 28 Jahre in Costa Rica gelebt hat und seit zwei Monaten zurück in Panama ist, auf der Insel, auf der sie auch die 8 Jahre vor Ihrer Ausreise nach Costa Rica gelebt hat. Wir haben viel über Panama und Costa Rica gesprochen. Vieles von dem, was mir schon aufgefallen war, wie z. B. das Müllproblem, die schlechte Bildung empfindet sie ganz genauso. Das wäre in Costa Rica definitiv besser als in Panama.

Nach und nach leerte sich die Insel und um 18 Uhr wurden die Bürgersteige hoch geklappt. Mit einem Schlag war alles zu und es war schwer noch was zu essen zu bekommen. Ich ging dann ins Hotel Vereda Tropical zum Essen. Das Hotel hat wohl die schönste Terrasse der Insel. Ein traumhafter Blick über die Bucht. Der Service war bemüht und die Spaghetti Vongole ein Alptraum. Ich hätte eigentlich schon stutzig werden müssen, als man mich fragte, ob ich die Spaghetti mit roter oder weißer Soße, oder mit Öl und Knoblauch habe möchte. Spaghetti Vongole werde mit Olivenöl, Weißwein, Knoblauch, Pperonccini und Petersilie gemacht. Ich wählte Knoblauch und Öl, weil ich vermutete, das man da am wenigsten falsch machen könnte. Jedoch weit gefehlt. Erstmal waren die Spaghetti mundgerecht geschnitten. Klar, was soll man auch in einem Land erwarten, dass sich in Sachen Essen und Esskultur komplett an den USA orientiert. Burger, Chickenwings, etc. isst man mit der Hand. Wenn es dann schon mal nicht mit der Hand geht, wie bei Spaghetti, dann muss es wenigstens mundgerecht aufbereitet sein. Hätten sie geschmeckt, wäre es ja auch noch ok gewesen, aber sie waren grauenhaft. Ich vermute der sogenannte Koch hat die Vongole in Öl angebraten und dann die vorgekochten, kalten Spaghetti in das Öl zu den Muscheln geschmissen und das Ganze dann nochmal kräftig erhitzt. Echt eklig.
Vom Nebentisch bekam ich mit: Pizza, steht zwar auf der Karte, gibt es aber nicht. Fruchtsaft gibt es nur aus Dose und Flasche, nicht frisch gepresst. Aber die Terrasse und der Ausblick sind ein Traum.

Nach dem Essen traf ich beim Spaziergang Graziella wieder. Wir holten beim Chinesen (El Chino) ein Bier und setzten uns in den Park.
Es gibt viele Chinesen in Panama und alle Supermärkte, die nicht zu einer großen Kette gehören, und davon gibt es hier viele, sind in chinesischer Hand. Die Chinesen sind inzwischen natürlich Panamenos, da schon mehrere Generationen im Land. Aber jeder nennt sie „los chions“. Und sie haben immer geöffnet. Wenn alle anderen schon zu haben, el chino ist noch offen. Und so auch hier auf Taboga. Ein Imbiß mit Kiosk unter chinesischer Leitung hat bis 20:30 geöffnet.

Am Montag, 1.2. bin ich auf den höchsten Punkt von Taboga gestiegen von wo aus man eine traumhafte Aussicht über die Insel, die Einfahrt des Panamakanals und die Panama City hat. Und es war ganz still hier oben. Außer dem zischenden Windgeräusch der vorbei gleitenden Geier war nichts zu hören.

Danach setzte ich mich zu einem späten Mittagessen in eines der Lokale mit Blick auf den Strand und genoss das Leben. Ein guter Cappuccino wäre das einzige, was in dem Moment zum vollkommenen Glück fehlt.
Die Insel hat eine lange Geschichte. Etliche Piraten waren hier, die im 16. und 17. Jahrhundert die Goldschiffe der Spanier aufgelauert hatten. Den Kanal gab es natürlich noch nicht und der Seeweg um Kap Horn war zu gefährlich. So hatten die Spanier zu der Zeit das Gold aus Peru und Bolivien mit dem Schiff bis in die Gegend von Panama City gefahren, dann mit Eseln quer durch Panama transportiert und in der Gegend von Colon wieder auf Schiffe geladen und nach Spanien verbracht. Ein gefundenes Fressen für Piraten.
Später weilte Gaugin auf der Insel, John F. Kennedy soll in den 1940er Jahren auch mal hier gewesen sein. Der berühmteste Sohn der Insel ist aber Rogelio Sinan, der seiner Heimat mit dem Roman „La Isla Magica“ ein Denkmal gesetzt hat. Und ichglaube ein wenig von dieser Magie zu spüren. Hier gehen die Uhren anders. Alles ist langsamer und ruhiger. Eilig sollte man es nicht haben. Gleichzeitig ist man ganz nah dran. Man sieht Panama City und die Schiffe die durch den Panamakanal fahren, aber doch ist man ganz weit weg und gehört nicht dazu. Ein wenig wie auf einer Wolke, von der aus man das Treiben „da unten“ beobachtet. Und abends 18 Uhr fällt der Ort in eine Art Dornröschenschlaf. Nur auf der Plaza vor der Kirche tobt noch das Leben. Da sitzen die Einwohner der Insel zum Plausch und die Kinder toben und Spielen Fußball.

Heute am 2.2. wäre eigentlich der Tag meiner Abreise gewesen, aber ich glaube die „Isla Magica“ hat auch mich erfasst. Ich verließ mein hässliches Quartier und zog um in das Hotel Vereda Tropical. In jenem Hotel mit der wundervollen Terrasse, auf der ich jetzt auch gerade sitze während ich diese Zeilen schreibe, bezog ich ein Zimmer mit Meerblick. Der Ausblick ist ein Traum und ich weiß, dass Rogelio Sinan sicher Recht hatte. Ich werde mal sehen, ob es sein Buch auch in deutscher Übersetzung gibt.

Natürlich, aber das muss man einfach ausblenden, hat auch dies Insel ein Problem: Den Müll. Der wird nämlich einfach ein paar hundert Meter außerhabl des Ortes einfach in die Landschaft gekippt und von Zeit zu Zeit angezündet. Auch gleich hinter dem Strand, der selbst immer sauber gehalten wird, stapeln sich Plastikflaschen und Getränkedosen.

Gestern Abend traf ich Graziella wieder, die gerade in einem Gespräch mit dem recht neuen Bürgermeister der Insel zu Gange war. Wobei ich nicht wusste, dass es der Bürgermeister ist, das erzählte sie mir erst hinterher. Im vorbeigehen fragte sie mich, was ich mache und ich antwortete, dass ich versuchen werde irgendwo auf der Insel noch was zu essen zu bekommen, jetzt gegen 19 Uhr.
Sie sagte mir hinterher, dass ich genau richtig kam, denn das Problem der nicht vorhandenen abendlichen Gastronomie hatte sie gerade eben mit dem Bürgermeister besprochen. Er ist sich dessen durchaus bewußt, denn es betrifft ihn ja selber auch. Auch er kann nicht abends mal was essen oder trinken gehen. Auch das Problem ist auf der Tagesordnung. Er prüft gerade Möglichkeiten das Problem zu lösen, oder zumindest zu minimieren. Das dürfte schwer werden in einem Land, in dem es keine öffentliche Müllabfuhr gibt. Müllabfuhr funktioniert so: Ich suche mir jemanden, der einen LKW oder Pickup hat und meinen Müll regelmäßig, oder nach Aufforderung abholt. Der bringt den Müll dann weg. Wohin interessiert niemanden. Meist einfach nur raus aus dem Blickfeld. In den Wald, vor die Stadt, auf eine illegale Müllkippe, etc..

Den letzten Abend hatte ich dann noch ein Erlebnis, das ein wenig typisch für Panama ist. Ich saß auf der wunderschönen Terrasse meines neuen Hotels. Ich war ab 20 Uhr der einzige Gast. Ich sagte dem Kellner schon, dass ich nichts mehr möchte und er, wegen mir nicht warten muss. Aber er lehnte das ab. Um 20:30 dann, dem offiziellen Ende der Öffnungszeit des Restaurants, wurde dann plötzlich das Licht gelöscht und ich im Dunklen zurück gelassen. Das ist unglaublich. Man kann doch nicht einfach das Licht abstellen und dem Gast die Wahl lassen entweder aufs Zimmer oder woanders hin zu gehen. Man könnte dem Gast ja zeigen wo der Lichtschalter ist und ihn bitten das Licht zu löschen, wenn er geht. Auch die Treppen zur Straße waren jetzt unbeleuchtet und stockdunkel. Die machen das auch nicht mit böser Absicht. Die wissen das einfach nicht besser. Service, Kundendienst… ein völliges Niemandsland. Deshalb werden wohl auch die meisten Unterkünfte von Ausländern geführt und betrieben.

Am nächsten Tag haben Graziella und ich uns köstlich über dieses Vorkommnis amüsiert. Dabei war auch der Nachbar von Graziella, ein panamenischer Journalist (Namen habe ich leider vergessen.. mein Namensgedächtnis), der 10 Jahre vor mir, in den 80ern, in der Dom Rep gearbeitet hat. Davor in Caracas, danach in New York und weiteren Ländern. Jetzt scheint er im Ruhestand zu sein und auf Taboga zu leben. Im Laufe des Gespräches, wir redeten über Gott und die Welt, erzählte er, dass die meisten der Glitzerbauten in Panama City entweder Briefkastenfirmen oder Geldwaschanlagen sind. Panama ist, nach dem Wegfall u. a. der Schweiz zu einem der führenden Finanzplätze für Schwarzgeld und Geldwäsche aufgestiegen. Panama könnte es sich nicht leisten diese immens teuren Bauten hinzustellen.

Nachmittags am 3.2. ging dann mein Aufenthalt auf Taboga zu Ende und ich fuhr für eine Nacht nach Panama City.
Am 4.2. morgens brach ich dann auch zu meinem letzten Stopp, nach Colon.
Auf dem Weg dahin fuhr ich, wie meistens, etwas zu schnell und kam in eine Radarfalle. 125, statt erlaubten 110 war ich gefahren. Ich wusste, dass eine Geschwindigkeitsüberschreitung hier in Panama pauschal 50 USD kostet, egal ob 5 oder 50 zu schnell. Der Polizist wollte aber 150 USD von mir, das sich angeblich sei 15.1. die Tarife geändert hätten. Ob das stimmte, oder ob er mich nur einschüchtern wollte, weiß ich natürlich nicht. Nach ein paar Minuten Diskussion nahm er 20 USD von mir und verzichtete auf den Strafzettel/Beleg.

Statt nach Colon Zentrum fuhr ich zuerst zur Gatun Schleuse. 26 Meter Höhenunterschied werden dort in drei Stufen von den Schiffen überwunden. Vom Gatunsee in die Karibik, oder eben umgekehrt. Pro Schleusungsvorgang, der nur 10 Minuten dauert, werden 100 Mio Liter Süßwasser von einer Kammer in die andere tranferiert, die dem Lago Gatun und Rio Chagres entommen werden. Wenn es dann, wie dieses Jahr, wenig regnet kann es am Ende vielleicht eng werden mit dem Wasser. Die Gatunschleuse finde ich imposanter als die Mirafloresschleuse bei Panama City. Man ist näher dran, kann die Schiffe fast anlangen.

Für die Nacht mietete ich mich im Melia Gatun ein. Für 81,– USD pro Nacht, all inklusive, gab es einfach keine bessere Option. Das Hotel ist ein typisches Urlaubshotel, wie sie überall auf der Welt stehen und ich mag dies Hotels überhaupt nicht. Gut die Zimmer sind schön und das Bett ist riesig. Aber diese All Inklusive Schuppen sind halt fürchterlich. Aber wenigsten würde man mir hier nicht das Licht auf der Terrasse ausschalten und mich im Dunklen sitzen lassen.

Am nächsten Tag bin ich dann über den Panamakanal gefahren, an die Costa Abajo zum ehemalign Fort San Loreznzo, wo der Rio Chagres in die Karibik mündet.. Hier gibt es keine Brücken, wie bei Panama City, sondern man fährt über eines der Schleusentore. Man fährt durch die Wälder am Rande des Lago Gatun und es gibt hier das erste Mal Tiere zu sehen. Ein Feeling von Costa Rica. Affen, Agutis (Wasserschweine) und Nasenbären, einfach so im Vorbeifahren. Es scheint so, dass diese Gegend hier viel tierreicher ist als die Pazifikküste (mit Ausnahme von Mono Feliz) nur gibt es keine Infrastruktur. Man kann entweder organisierte Pauschaltouren machen, oder hat einfach Pech gehabt. Aber das hatte ich ja schon vorher beschrieben. Tourismus ist keine große Option in Panama. Geld kommt über Geldwäsche, Briefkastenfirmen und den Kanal. Die Touris braucht man nicht.
Entlang des Panamakanals stößt man immer wieder auf Ruinen aus der Zeit des Kanalbaus, so auch hier. Verlassene, verfallene Büros und Wohnhäuser. In Gamboa sind viele davon restauriert und heute noch/wieder bewohnt.

Mittags bin ich dann nach Colon reingefahren. Berühmt, berüchtigt ist die Statt. Hochburg der Kriminalität. Colon hat mehr von Afrika, denn von Lateinamerika. Die Bevölkerung ist überwiegend afrikanischer Abstammung und von der Hautfarbe viel dunkler als der Rest des Landes. Würde man jemanden in Colon aussetzen, ohne dass er weiß wo er ist, würde er sicher nicht auf Lateinamerika tippen, sondern auf Afrika.
Über den Zustand Colons hatte ich ja schon viel gehört und es stimmt alles. An manchen Ecken sieht Colon aus, wie eine vom Krieg zerstörte Stadt. Der totale Verfall. Und das nicht irgendwo in einem Slum am Stadtrand, sondern mitten in der Stadt. Ganze Straßenzüge verrottet. Wie ein Staat sowas zulassen kann ist mir ein Rätsel. Da bauen sich sozialer Sprengstoff und Kriminalität zwangsläufig auf. Ich bin dann auch ausgestiegen, habe mich aber nicht getraut Fotos zu machen. Ein Weißer in einem schwarzen Slum, so fühlte ich mich. Alle Blicke skeptisch und feindselig auf mich gerichtet, so mein Gefühl. Ob das so war, weiß ich nicht, aber ich fiel auf jeden Fall sofort auf.
Durch die verkommenen Straßenzüge wehte auch ein unangenehmer Geruch, was kein Wunder ist, denn ich glaube nicht, dass die betreffenden Häuser und Straßen noch über fließend Wasser und Kanalisation verfügen.

Nur einige Straßen weiter dann ein moderner Kreuzfahrtterminal (was wollen dies Luxusurlauber nur in Colon?) und, als Stadt in der Stadt, eine riesen Freihandelszone, wo Steuer- und Zollfrei alles verkauft wird, was eine moderne Gesellschaft sich so wünscht: Parfums, Schmuck, Elektronik, Klamotten, usw.. Ein unglaublicher Kontrast.
Nach einer Stunde Colon hatte ich genug. Mehr wollte ich nicht mehr sehen.

Am 6.2., meinem letzten Tag bin ich von Colon, ich war die zweite Nacht auch noch im Melia Gatun, zurück nach Panama City gefahren. Da ich Zeit hatte musste ich noch was ganz perverses machen. Ich bin in die Albrook Mall gefahren, das angeblich größte Einkaufszentrum Lateinamerikas. Wie eine Trutzburg liegt das Center am Rande der City. Keine Fenster nach außen, sieht es aus wie ein Bunker. Es ist auch nicht ein Gebäude, sondern eher eine Stadt in der Stadt, nur dass es hier halt nur Geschäfte und keine Wohnungen gibt. Ein eigener Busbahnhof, denn etliche Buslinien enden/starten hier, ist dem Einkaufszentrum angeschlossen. Morgens um 10, als ich dort war, war es zum Glück noch ziemlich leer. Innen endlose Gänge mit Geschäften auf zwei Etagen und die selbe dämliche Mischung aus Kettenläden, Modelabeln und Fastfood Dreck, wie überall auf der Welt. Eine Perversion unserer Gesellschaft, hier halt in ganz groß.

Fazit meiner Panamareise:

Ein Land ohne echte Sehenswürdigkeiten und Höhepunkte
Sechs Wochen bin ich nun kreuz- und quer durch Panama gereist und mein Fazit fällt sehr durchwachsen aus.
Panama ist ein Land ohne Highlights und echte „must have seens“. Panama hat nicht die archäologischen Stätten, die man in Mexico an jeder Ecke hat, genau wie Peru. Panama hat nicht die wundervollen Nationalparks mit der fantastischen Tier- und Pflanzenwelt, die der Nachbar Costa Rica hat. Panama hat nicht die spektakulären Vulkane und Berge von Nicaragua, Ecuador, Peru. Panama hat auch nicht Traumstrände, wie sie Cuba, die Dominikanische Republik, u. a. haben. Panama hat auch keine schönen, alten Kolonialstädte wie z. B. Cartagena in Kolumbien, Puebla, Oaxaca, San Cristobal de las Casas in Mexico. Eigentlich ist Panama ein Land, das man nicht gesehen haben muss und das als Einzelreiseland viel zu wenig her gibt. Als Kombination mit Costa Rica mag es gut sein. Aber sechs Wochen Panama ist einfach zu viel und zu lang.
All diese Nachteile bringen aber auch zwangsläufig wiederum einen Vorteil mit sich. Panama ist nicht mit Touristen überlaufen wie z. B. der Nachbar Costa Rica.
Panama ist touristisches Entwicklungsland, wobei sich die Frage stellt, ob sich Panama touristische überhaupt entwickeln möchte. Ich habe eher den Eindruck, dass man mit dem Kanal und dem Standort als Steueroase und und Geldwaschanlage so viel Geld verdient, dass man sich den Ärger mit den Touristen gar nicht antun möchte. Das merkt man an auch allen Ecken und Enden. Um wieder den Vergleich mit dem Nachbarn Costa Rica anzustellen: In Costa Rica sind die Nationalparks zugänglich und mit markierten Wegen und einfachen Unterkünften und Schutzhütten (zum großen Teil ohne Bewirtschaftung) ausgestattet. So kann man in Costa Rica z. B. mehrere Tage alleine und ohne Führer durch den Park La Amistad wandern, den sich Costa Rica und Panama grenzübergreifend teilen. In Panama gibt es sowas nicht. Nationalpark bedeutet hier: Ich baue an einer Hauptzufahrtsstraße ein Tor und eine Hütte und kassiere Eintritt. Infrastruktur, simpelst markierte Pfade (nur damit man sich nicht verläuft) sind Fehlanzeige.
Auch die touristische Ausbildung des Personals ist unter aller Kanone. Klar sind sie meist nett (aber nett ist der kleine Bruder von Scheiße, wie man so schön sagt), aber sie haben keine Ahnung wie man mit Gästen umgeht. Servicewüste Panama. Ganz viele der Hotels und Unterkünfte, die ich unterwegs gesehen habe sind unter ausländischer Leitung/Eigentum. Amerikaner, Kanadier, Deutsche, Schweizer, Österreicher. Ganz selten nur Einheimische. Und da wo es dann Einheimische waren, hat man das auch gleich an der schlechten Qualität gemerkt. Siehe El Valle und Taboga., während die beiden (subjektiv) besten Unterkünfte in San Francisco und Boquete unter französischer und deutscher Leitung waren.

Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt auch m. E. einfach nicht. Zahlungsmittel in Panama ist der Balboa, den es aber nur in Münzen bis 1 Balboa gibt. Scheine gibt es nur in Form von US Dollar und der Balboa ist eins zu eins an den USD gekoppelt. Der USD ist somit offizielles Zahlungsmittel in Panama. Euros bekommt nur in großen Städten getauscht. Zur Zeit gab es für einen Euro nur einen USD. Vor ein paar Jahren gab es noch 1,30 USD für einen Euro. Das verteuerte den Urlaub natürlich zusätzlich. Nichts desto Trotz ist das Land relativ teuer und was man als Gegenleistung bekommt ist das Geld oftmals einfach nicht Wert. Das gilt für die Unterkünfte, genauso wie für Restaurants.

Definitiv hat Panama ein riesen Müllproblem. Umweltbewusstsein ist nur rudimentär entwickelt. Als „großer Umweltschützer“ gilt schon, wer seine Plastikflaschen und Getränkedosen nicht einfach aus dem Fenster des fahrenden Autos wirft, wenn er ausgetrunken hat. Ich weiß, dieses Problem hat Panama nicht exklusiv, das haben ein Großteil der Länder Lateinamerikas, Afrikas und Asiens auch, was es aber nicht besser macht.
Mir hat eine Einheimische wortwörtlich gesagt: Die zwei Dinge, die in Panama auf der politischen Agenda ganz unten stehen und für die kein Geld ausgegeben wird sind Bildung und Umwelt. Und das merkt man!

Generell ist das Reisen in Panama sehr einfach,leicht und problemlos.
Die Straßen sind gut ausgebaut, die Busverbindungen hervorragend und die Panameňos sind sehr freundlich und hilfsbereit. Auch Frauen alleine brauchen keine Angst und Sorgen um ihre Sicherheit zu haben.
Über mich:
Geboren 1965
Schon als Kind habe ich von Peru und Mexico geträumt.
1990 bis 1995 habe ich, mit einer kurzen Unterbrechung, 4 ½ Jahre in der Dominikanischen Republik gearbeitet. Danach noch jeweils einige Monate beruflich in Italien, den Kanaren und den Malediven verbracht. Meine Leidenschaft aber gehört Lateinamerika. Ich spreche fließend spanisch und habe folgende Länder, teilweise auch mehrfach, bereist: Mexico, Costa Rica, Venezuela, Chile, Argentinien (nur den Süden), Ecuador, Peru, Bolivien.