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Vietnam Rundreise von Ho-Chi-Minh-City nach Hanoi

Vietnam! Viel hatten wir im Vorfeld über Vietnam gehört und nur Gutes, nur Superlative, dementsprechend gespannt waren wir auf das was uns erwarten würde.

Wir bereisten Vietnam 6 Wochen, kamen im Ho-Chi-Minh-City an und flogen von Hanoi zurück.

Ich spare es mir hier die üblichen Sehenswürdigkeiten abzuarbeiten, die man überall und in jedem Reiseführer nachlesen kann. Ich schildere unsere persönlichen Eindrücke und Empfindungen, die natürlich subjektiv und nicht repräsentativ sind.

Es gibt so viel zu sehen in Vietnam, dass sechs Wochen einfach nicht ausreichen auch nur halbwegs das zu sehen, was man alles gerne sehen und besuchen würde. Wir reisten ohne festen Plan und ließen uns treiben und entschieden kurzfristig, was wir tun würden, ob wir länger an einem Ort bleiben würden (was regelmäßig passierte) oder schnell weiterreisen würden.

Leider ist es in Vietnam nicht einfach so möglich als Ausländer ein Auto zu mieten, was das Reisen etwas kompliziert macht, da man immer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist und somit immer dort ankommt, wo alle anderen auch schon angekommen sind.
Allerdings kann man Mopeds und Motorräder mieten. Ich würde, sollte ich nochmals nach Vietnam reisen auf jeden Fall ein Motorrad mieten und Vietnam dann mit dem Motorrad machen, statt ständig auf Bussen rumzugurken.
Ich fahre auf Reisen einfach gerne los und entscheide dann unterwegs spontan wo ich bleibe oder anhalte, weil es hier eben gerade schön ist. Mit dem Bus geht das natürlich nicht, da muss man vorher entscheiden von wo nach wo man fährt und dann fahren die Busse immer die Hauptstraßen entlang und nicht die Küsten-, Berg-, Nebenstraßen wo man viel mehr sieht und die Landschaft viel schöner ist.

Ho-Chi-Ming-Stadt – Saigon

Ho-Chi-Minh-City unsere erste Station ist eine moderne Großstadt und hat uns (jetzt rückblickend) auch besser gefallen als Hanoi, von dem aber alle Leute so schwärmen.

Warum? Schwer zu sagen, ist einfach so ein persönliches Gefühl. Moderner, westlicher, kreativer empfanden wir es und weniger „Touristenabzocke“.

Impressionen aus Ho-Chi-Minh-Stadt

Ho Chi Minh City by night

Eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Vietnam: Fotos in traditionellen Kostümen. Hier vor dem Wiedervereinigungspalast in Ho-Chi-Minh-Stadt

 

Can Tho – Mekong Delta

Nach 4 Tagen Ho-Chi-Minh-City fuhren wir mit dem Bus nach Can Tho ins Mekong Delta.
Ich glaube um den Mekong, das Mekong Delta wirklich zu erleben, zu spüren, zu erfahren muss man eine mehrtägige Kreuzfahrt machen. Bei irgendwelchen Tagesausflügen kann man die Macht dieses Stromes und die Dimensionen des Deltas einfach nicht spüren, nicht erfahren. Schade für uns!
Der Fluss ist extrem verschmutzt. Das Plastik unserer Zivilisation ist überall. Mehrmals mussten wir anhalten und unsere Bootsführerin musste die Schiffsschraube ihres Außenborders, die von Plastik blockiert war, wieder gangbar machen.

Was in fast allen Städten Vietnams sehr „auffällig“ ist, man muss nur ein paar hundert Meter von den Touristenpfaden abweichen und schon ist man in einer anderen Welt. In Can Tho erlebten wir das das erste Mal auf der Suche nach einer Apotheke. Diese war ca. 500 m vom Zentrum entfernt. Wir mussten eine Hauptstraße überqueren und plötzlich waren wir in einem Stadtviertel mit ganz vielen kleinen Geschäfte, Straßenrestaurants und kaum noch Touristen. In den Reiseführern stand von dem Viertel nicht, in denen steht halt überall dasselbe und deshalb latschen alle auf den selben Pfaden.

 

Da Nang

Da Nang, welches wir von Can Tho aus mit dem Flugzeug ansteuerten ist mit seinem internationalen Flughafen ein großes Touristenzentrum, mit vielen, großen Hotels. Chinesen, Inder, Südkoreaner bilden die größten Touristengruppen. Kein Ort für einen ruhigen Urlaub, eher Costa Brava und El Arenal. Trotzdem waren wir hier 6 Tage, mieteten ein Moped und erkundeten die Gegend. Wir wechselten nach drei Tagen auch das Hotel und mieteten uns in einem wunderschönen, etwas kleinerem Hotel am Fluß ein. Weg von den Bettenburgen am Strand. Das vermutlich schönste (und auch teuerste) Hotel auf unserer Reise.

 

Hoi An – angeblich die schönste Stadt Vietnams

Hoi An…. Die angeblich schönste Stadt Vietnams.
Für uns fällt diese allerdings unter die Rubrik „muss man einmal gewesen zu sein, um dann nie wieder hinfahren zu müssen“. Touristenmassen schieben sich durch die Gassen, die ganze Innenstadt ist ein einziger Touristennepp.
Wir trafen eine Touristin, die 14 Jahre zuvor schon mal hier war und völlig geschockt war. Sie sagte, sie erkennt nichts wieder und sie fände es total schrecklich. Vor 14 Jahren gab es tatsächlich noch viele Werkstätten und Künstlerateliers, welche vor Ort arbeiteten und ihre Produkte verkauften. Heute ist Hoi An eine Ansammlung von Souvenirläden, Cafés und Restaurants.

Wir haben wieder mal ein Moped gemietet und wenn man nur 5 km aus Hoi An rausfährt ist man in einer anderen Welt. Es wird viel ruhiger, die Zahl der Touristen sinkt dramatisch fast gegen Null und plötzlich steht man mitten in Reisfeldern und inmitten der Reisfelder gibts ein kleines Café mit bezaubernden Betreibern, wo man fast alleine ist.

 

Vinh Hoa

Nach all dem Trubel, nach Menschenmassen, Lärm, Verkehr wollten wir unbedingt ein paar Tage ausspannen. Ein Strand mit wenig Touristen war unsere Idee. Schwer ohne Auto, nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Also ein wenig Recherche im Netz und wir fanden einen kleinen Ort 40 km von Quy Nonh. In dem es ein paar km Strand gab aber nur genau 2 Unterkünfte Eine davon buchten wir dann. Es wurde eines der Highlights unseres Urlaubs!

Ein kleines Fischerdorf an einem ca. 4 km langem Strand gelegen. Es gibt in dem Fischerort keinen Supermarkt nur ein paar kleine „Suppenküchen“ und Miniläden, wo die Leute quasi aus der Wohnung heraus das nötigste verkaufen.

Unsere Unterkunft bestand aus 5 Zimmern, direkt am Strand und eine Familie kümmerte sich um das Wohl der Gäste. Ein Hauch von Paradies.
Der Strand direkt vor dem Fischerort war überschwemmt mit Dreck, Müll und Unrat, während die restlichen 3 km südlich des Ortes recht sauber waren. Wir verlängerten den Aufenthalt auch spontan um einen Tag und bliebe 4 Tage, weil es einfach sooo erholsam, ruhig und schön war.

 

Die alte Kaiserstadt Hue

Von Quy Nonh aus ging es dann mit dem Zug nach Hue, der alten Kaiserstadt. Entgegen unseren Erwartungen und Erfahrungen in Hoi An, war es hier viel angenehmer. Natürlich auch viele Touristen, aber nicht so überlaufen, nicht so voll, nicht so unangenehm wie in Hoi An. Hue würde ich auf jeden Fall wieder besuchen, käme ich nochmal nach Vietnam. Kulturell hat die Stadt und das Umland so viel zu bieten. Wir mieteten zwei Motorräder mit Fahrer und Guide und ließen uns ein wenig die Grabstätten und Tempel des Umlandes zeigen. Das war wirklich schön und sehr entspannt, kann ich jedem nur empfehlen.

Die Umgebung von Hue mit ihren Kaisergräbern und anderen Sehenswürdigkeiten

 

Von Hue ging es per Flugzeug nach Hanoi, wo wir drei Nächte blieben und danach für 3 Tage/ 2 Nächte eine Kreuzfahrt in der Ha Long und Lan Ha Bucht machten. Landschaftlich ein absoluter Traum, wenn auch total überlaufen. Die meist besuchte Sehenswürdigkeit Vietnams.

Ha Long Bay – Lan Ha Bay

Von Halong dann nach Ninh Binh, respektive Tam Coc. Wir blieben mal wieder zwei Tage länger als ursprünglich geplant, mussten leider das Hotel wechseln, weil das erste wegen der Neujahrs Feiertage schloss. Beide male hatten wir Unterkünfte außerhalb des Ortes, beide sehr schön, sehr ruhig und mitten in einer wunderbaren Landschaft.

Ninh Binh – Tam Coc

Neujahrsfest!! Eigentlich wollten wir ja noch nach Ban Gioc zu den berühmten Wasserfällen an der chinesischen Grenze. Aber das Land steht still. Ich hätte das nie geglaubt. Dieses laute, überfüllte, lebendige Land steht plötzlich still. Leere Straßen, Ruhe, kein Lärm, kein Treiben, die Märkte min. 4 Tage lang geschlossen. Unglaublich.
Leider fanden wir auch keinen einzigen Bus um von Ninh Binh nach Ban Bioc zu kommen.

Also hieß es umplanen. Vielleicht nochmal ein paar Tage an einen Strand? Wir suchten ein wenig im Internet, befragten KI, wo es denn in der Nähe Strände gäbe.
Der Norden von Vietnam ist kein „Strandparadies“, außerdem ist es Winter in Norden von Vietnam. Der nächste schöne, tropische Strand wäre ca. 350km südlich von uns, was uns aber zu weit war. Als Sommerbadeort der Vietnamesen fanden wir aber Sam Son nur ca. 60 km entfernt. Also nix wie los und hin. Wir buchten ein Hotel direkt am Strand und fuhren mit einem Grab (das asiatische Uber) Richtung Sam Son.
Als wir ankamen waren wir erstmal echt „überrascht“ um es vorsichtig auszudrücken. Unser Hotel lag zwar faktisch noch in Sam Son, allerdings in einem Vorort ca. 8 km vom Zentrum. Mitten in einem Neubaukomplex, einer Gated Community gelegen, welche man martialisch mitten in den dörflichen Vorort gepflastert hatte. 10 Hektar groß, einige hundert Apartments, ein zweites riesen Hotel… ABER alles leer, verwaist. Manche Gebäude noch gar nicht ganz fertiggestellt, andere hatten schon die ersten Verfallserscheinungen. Auch im Hotel schien außer uns kein weiterer Gast zu sein. Ein wenig gespenstisch, aber wir nahmen es mit Humor. Keine Menschen, Geisterstadt…. Das bedeutet ja auch „endlich mal wieder Ruhe“!

Das Hotel war total schön, erst vor wenigen Monaten eröffnet, direkt am Strand, das Personal sehr freundlich und wir fühlten uns wirklich wohl.

Wir nahmen uns dann zwei Fahrräder vom Hotel und erkundeten ein wenig die Gegend und versuchten auch was zu essen und trinken zu bekommen, trotz Neujahrsfeiertag. Wir fuhren also aus der „künstlichen Areal“ raus in Vorort von Sam Son und wir waren im wirklichen Vietnam. Ein Vietnam ohne Touristen. Wir fanden einen kleinen Lebensmittelladen von der Sorte, wo die Betreiber leben wo sie arbeiten und arbeiten wo sie leben, wie man ihn aus vielen anderen Ländern Afrikas, Asiens, Südamerikas auch kennt. Wir kauften was zu essen und zu trinken und aus der Nachbarschaft kamen Kinder gelaufen um zu staunen welche „seltsamen“ Ausländer sich da gerade „verlaufen“ haben.
Danach fuhren wir noch deine Stunde durch den Ort, der sich mehrere Kilometer am Meer entlang hinzog. Fast überall waren die Haustüren offen und die Menschen feierten mit Familie Neujahr. Wenn sie uns sahen kamen sie aus den Häusern winkten uns zu und wünschten uns „Happy New Year“.

 

Da das Zentrum von Sam Son wirklich weit war fragten wir an der Rezeption ob es eine Motorroller Vermietung in der Nähe gäbe. Gab es nicht, außerdem ist ja Neujahr. Eine der Rezeptionistinnen bot uns aber ihren Motorroller an, den wir für 2 Tage gerne haben könnten. Bezahlt wollte sie dafür nicht werden. Wir nahmen das Angebot gerne an, natürlich nur unter der Bedingung, dass wir ihr den Preis bezahlen würden, den wir auch bei einer Vermietung bezahlen müssten. Und so waren wir dann etwas mobil und konnten die Gegend erkunden. Selbst im Zentrum von Sam Son waren alle Geschäfte geschlossen nur einige Restaurants und Streetfoods waren geöffnet. Viele Hotels waren geschlossen, weil keine Saison ist und die Straßen waren auto-und menschenleer. Nur am Tempel herrschte Andrang und reges Treiben, man geht Neujahr in den Tempel und opfert ein paar Sachen um im Neuen Jahr Glück und Gesundheit zu haben.

Und… wir waren die einzigen Touristen. Wir haben in den drei Tagen in Sam Son genau zwei andere Touristen getroffen. Eine Orte wo ich mich wirklich in Vietnam fühlte und nicht in einem internationalen Touristenzentrum. Für mich war Sam Son einer der schönsten Momente Vietnams.

Hanoi

Von Sam Son gings dann die letzten Tage nochmal zurück nach Hanoi.

Hanoi… viel gelobt, viel gepriesen, für mich/uns eine große Enttäuschung. Eine große Touristenfalle. Das touristische Zentrum ist eine Ansammlung von Touristenläden, die alle die selben Sachen zu völlig überzogenen Preisen verkaufen. Wir nannten das Zentrum nur „rip-off-street“. Wir wollten noch ein paar Einkäufe tätigen und hatten uns das für die letzte Station, für Hanoi aufgehoben, weil wir die Einkäufe nicht die ganze Zeit mitschleppen wollten. Aber hier waren alle Sachen viel teurer als z. B. in Ninh Binh.

Wie wir nach 2 Tagen aber schnell feststellten reicht es auch in Hanoi wenn man nur ca. 500m aus dem Zentrum rausgeht und schon sinkt die Touristendichte dramatisch und man ist mehrheitlich von Einheimischen umgeben. Die meisten Touristen sind offensichtlich 2-3 Nächte in Hanoi und haben weder die Zeit, noch die Muse die Stadt außerhalb des Touristenzentrums zu erkunden. Zum Glück, möchte ich sagen, so kann man den Massen auch leicht entgehen.

Nur ein Beispiel: Es gibt die berühmte Eisenbahnbrücke Càu Long Bien, über den Roten Fluß welcher Hanoi teilt. Die Brücke selber ist schon nicht mehr sehr von Touristen frequentiert, aber die wenigen die kommen, machen ihre Instagramfotos und gehen wieder. Wir liefen die ca. 2 km über die Brücke und waren „in einer anderen Welt“. Normale Stadtviertel, normale Geschäfte, Straßenmärkte ohne einen einzigen Touristen. Es war toll!! Das waren die Momente in denen ich Vietnam liebte.

Eisenbahnbrücke über den Roten Fluss auf die „andere Seite“ von Hanoi

Fazit unserer Vietnam Reise

Mein Fazit nach 6 Wochen Vietnam und nachdem ich mit (wieder zurück zu Hause) mit Menschen sprach die mal in Vietnam lebten, oder Vietnamesen, die bei uns in Europa leben.

Vietnam ist auf jeden Fall eine Reise wert. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit, das Essen ist toll, es ist für europäische Verhältnisse preiswert, Kriminalität ist kein Thema. Ein tolles, entspanntes Reiseland.

Wer allerdings nach Vietnam fährt und erwartet das alte typische Indochina zu finden, wird (wie wir auch) ein wenig enttäuscht sein und/oder erschrecken. Vietnam ist ein aufstrebendes Land, es ist voll, es ist laut, es ist massig Verkehr, es wird viel gebaut, viel investiert, es hat Massentourismus. Vietnam ist vielleicht das „Mallorca“ von Indien, China, Korea und die beliebten Strände und Badeorte sind überlaufen und werden, wenn sie es nicht schon sind, mit Hotelburgen zugepflastert. Einsame, schöne tropische Strände muss man immer mehr suchen und sie werden immer seltener.

Ein Manko (für mich) wie schon erwähnt das „Transportproblem“. Immer nur mit Bussen überall dorthin fahren, wo alle anderen auch schon sind. Nächstes Mal auf jeden Fall ein Motorrad mieten und selbständig und autonom reisen.

Die Verständigung ist schwierig. In den Touristenzentren, den Hotels, etc. sprechen natürlich fast alle Leute englisch. Außerhalb wird es schwierig. Wir haben so viele interessante Dinge gesehen und hätten so viele Fragen gehabt. „Warum macht Ihr das so?“, „Was macht Ihr da gerade?“, „Wie funktioniert dieses und jenes bei Euch?“, und, und, und. Aber selbst mit der Übersetzungs App ist eine Kommunikation die über das gewohnte, alltäglich hinausgeht schwierig. Ich weiß nicht ob die Übersetzung nicht gut ist, oder die Menschen nicht verstehen was man meint. Das ist ein wenig schade, denn ich hätte so gerne, so viel mehr über Vietnam aus erster Hand erfahren.