Erkennungsdienst

Im Erkennungsdienst wurden Fotos gemacht und jeder Häftling musste eine Geruchsprobe abgeben.

In der Ausstellung hängt heute das Foto aus der Stasiakte von Mario, welches bei seiner Einlieferung gemacht wurde. Viele ehemalige Häftlinge möchten ihr Foto nicht öffentlich ausgestellt sehen. Mario ist das heute egal. Für ihn ist das ein Ausdruck des Sieges über die Täter, denn ER kann das heute entscheiden, nicht mehr die Täter von einst.

Die Geruchsproben, welche von allen Gefangenen genommen wurden, hatten mehr den Sinn, den Häftling unter Druck zu setzen und Angst zu erzeugen als dass sie einen wirklichen Nutzen hatten. Selbst die stärksten Gerüche verflüchtigen sich im Laufe der Zeit, auch aus luftdicht abgeschlossenen Behältnissen. Aber sie erfüllten ihren Zweck. Mario jedenfalls dachte, dass er nun nie wieder etwas Illegales tun dürfe, denn diese Leute wussten nun sogar, wie er riecht.

Es gibt Gerüchte, dass Häftlinge auf dem Stuhl nicht nur fotografiert, sondern auch radioaktiv verstrahlt wurden. Der bekannte Lyriker Jürgen Fuchs, der hier inhaftiert war und oft über Stunden alleine auf diesem Stuhl sitzen musste, ohne dass etwas passierte, starb im Alter von nur 48 Jahren an den Folgen von Radioaktivität. Er war bis zum Schluss davon überzeugt, hier verstrahlt worden zu sein. Allerdings gibt es hierfür keine Beweise. Es kann auch keine erhöhte Strahlenbelastung in den Räumlichkeiten gemessen werden, was dann aber der Fall sein müsste.