Räumung des Camps im Tiergarten

Im Tiergarten hatte sich, neben dem Weg vom Bahnhof Zoo zur Straße des17. Juni, direkt unter den Bahngleisen, im Laufe der letzten Monate eine kleine Zeltstadt gebildet. Wohnungslose Menschen aus verschiedenen Ländern wohnten und schliefen hier.
Eigentlich war ich am heutigen 7. Mai 2015 von Sebastian aus Polen, der in einem der Zelte wohnte, zum Frühstück eingeladen. Als ich dann gegen 9:30 eintraf, wurde diese illegale Ansiedlung durch das Ordnungsamt, mit Unterstützung der Polizei, gerade geräumt.
Die dort lebenden Menschen bekamen am frühen Morgen eine Frist bis 10 Uhr eingeräumt, um ihre Sachen zu packen und den Ort zu verlassen. Gegen 10 Uhr kam dann das Ordnungsamt mit der Polizei zurück, um die Räumung bzw. den Abzug der Menschen zu kontrollieren und durchzusetzen.
Von den Wohnungslosen, die nun noch vor Ort waren, wurden die Personalien aufgenommen und diese danach des Platzes verwiesen.
Nachdem alle Personen weg waren, musste das Ordnungsamt alle zurück gelassenen Gegenstände, die noch „brauchbar“ aussahen, katalogisieren, um sie dann einzulagern und zur Abholung bereit zu halten. Meist wird aber nie etwas abgeholt, wie mir eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes sagte.
Der Abfall wurde in Container geladen und abtransportiert.
Die ganze Aktion hat natürlich zwei Seiten. Einerseits fühlen sich viele Leute nicht durch die Obdachlosen belästigt und würden diese gerne weiter hier wohnen lassen, wie vorbeikommende Passanten auch immer wieder gegenüber Ordnungsamt und Polizei kundtaten. Die hier Lebenden, von denen ich einige aus der Bahnhofsmission persönlich kenne, hielten den Platz immer sauber und traten immer freundlich und friedlich auf. Kaum einer der Passanten fühlte sich durch die hier Campierenden belästigt oder gar gefährdet. Andererseits ist es natürlich nicht gestattet, im Tiergarten zu campen und zu leben. Das gravierendste Problem dürfte dabei die sanitäre Situation sein, wie man auf den folgenden Fotos auch gut sehen kann.
Auch wenn man persönlich gegen die Räumung ist und den Menschen gewünscht hätte, dass sie „ihren Platz“ behalten dürfen, muss man dem Ordnungsamt und der Polizei an dieser Stelle auch mal Anerkennung aussprechen. Die Räumung ging sehr friedlich vonstatten. Alle Beteiligten von offizieller Stelle gingen sehr freundlich und respektvoll zu Werke und es wurde zu keiner Zeit aggressiv, feindselig oder beleidigend. Auch das möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.
Wohin die wohnungslosen Menschen nun ziehen werden, wusste noch keiner von ihnen zu sagen. Sebastian habe ich leider nicht mehr gesehen.
Einige wollten aus Protest vor der Polizeistation am Zoo ihr Camp aufschlagen, was sie aber nicht taten. Ich denke, ich werde einige von ihnen bald wieder an und in der Bahnhofsmission treffen und werde erfahren, wo sie sich niedergelassen haben.