Geräumt! Obdachlose werden doppelt obdachlos

Am 18.5. hat das Ordnungsamt den Schlafplatz von Ole und fünf seiner Freunde im Tiergarten. Die sechs schliefen dort, seit ca. vier Wochen, auf einer Insel im Tiergarten. Ganz versteckt, unauffällig und fast nicht auffindbar waren sie dadurch auch der großen Räumung des Tiergartens am 7. Mai entgangen.Letzte Woche waren dann zwei Reporter einer Zeitung im Tiergarten unterwegs und haben ihren Schlafplatz entdeckt. Vielleicht hat sie auch jemand verraten, das weiß man aber nicht so genau. Als Ole und ein weiterer “Mitbewohner” die Reporter entdeckte und fragte, ob sie Fotos vom Schlafplatz gemacht hätten, versicherten diese, keine Fotos gemacht zu haben. Sie stellten noch ein paar Fragen zum Thema „Obdachlos und Leben im Tiergarten“ und verschwanden.
Am nächsten Tag erschien dann ein Bericht in einer Tageszeitung mit Fotos vom Schlafplatz und genauer Beschreibung, wo sich der Schlafplatz befindet. Abends sendete dann auch noch das Fernsehen einen Bericht über die Gruppe, die versteckt im Tiergarten campiert, wo doch angeblich der ganze Tiergarten geräumt wurde. Daraufhin ließ das Ordnungsamt am 18.5. den Schlafplatz der Gruppe räumen und alle Sachen wegschaffen. Als die sechs Leute dann abends wieder zu ihrem Schlafplatz kamen, war alles weg. Sechs Leute standen die Nacht ohne Schlafsäcke, Zelte und Kleidung da.
Liebe Herren von der Presse: Ich finde das ziemlich schäbig! Ich finde es nicht schäbig, dass darüber berichtet und geschrieben wird. Das muss sein. Ich finde es aber schäbig, dass man die genauen Ortsangaben gleich mitliefert. Man hätte das Ganze ja anonymisieren können und so berichten können, dass niemand anhand des Berichtes erkennen kann, wo das Lager ist.
Während die Herrn Journalisten dann abends schön gemütlich, vielleicht mit ihrer Familie, in ihrer Wohnung saßen, standen sechs Leute, die eh schon nicht viel haben, ganz ohne alles da. Tolle Leistung, da können Sie echt stolz drauf sein!
Die Sechs mussten die Nacht, ohne Schlafsack und Kleidung, irgendwie auf der Straße rum bringen, bevor sie am nächsten Tag, 19.5. ihr Hab und Gut beim Ordnungsamt abholen konnten. Die Mitarbeiter beim Ordnungsamt waren sehr freundlich und hilfsbereit, eine Erfahrung, die ich ja auch schon am 7.5. gemacht hatte, als dieselben Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Räumung im Tiergarten durchgeführt hatten. Man gab den sechs betroffenen Leuten Tipps, wo sie evtl. einen neuen Schlafplatz finden könnten und dazu noch zwei Euro, damit sie sich Transportmittel organisieren könnten, um die vielen Sachen abzutransportieren.
Beim Ordnungsamt gab man aber auch zu verstehen, dass man nur durch die Berichte in der Presse auf die Sechs aufmerksam geworden war. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte man nichts von ihnen gewusst, und sie somit auch nicht geräumt.

Nach einem Zwischenstopp und einem Mittagessen in der Bahnhofsmission ging es dann mit „Sack und Pack“ auf Schlafplatzsuche.